Kolumne Wie ich durch meinen Sohn ungewollt zur «Star-Wars»-Expertin wurde

Bruno Bötschi

7.12.2025

Der erste «Star Wars»-Film kam im Jahr 1977 heraus und heisst «Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung».
Der erste «Star Wars»-Film kam im Jahr 1977 heraus und heisst «Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung».
Lucasfilm

Die Filmreihe «Star Wars» hat die Kolumnistin nie interessiert. Bis ihr Sohn in die Galaxis eingetaucht ist und sie mitnahm. Gemeinsam schauten sie zum ersten Mal «Star-Wars»-Filme – doch nicht beide waren begeistert.

Michelle de Oliveira

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die «Star Wars»-Filmreihe gehörte für die blue News Kolumnistin Michelle de Oliveira lange zu jener Art Popkultur, die völlig spurlos an ihr vorbeiging.
  • Raumschlachten, Jedi, Macht – all das hatte sie nie besonders gereizt. Doch dann entdeckte ihr kleiner Sohn die weit entfernte Galaxis für sich und zog sie mit an Bord.
  • Plötzlich sassen Mutter und Sohn auf dem Sofa, bereit für ihren ersten gemeinsamen Ausflug ins Universum von Luke Skywalker und Darth Vader.
  • Während de Oliveira schon bald ungeduldig wurde, sagte ihr Sohn, während der Abspann lief.: «Mama, ich liiiiiebe Star Wars».

Es gibt Dinge im Leben, von denen weiss man, dass es sie gibt, möglicherweise begegnet man ihnen hin und wieder, stolpert darüber, aber ein echtes Interesse kommt nicht zustande.

Mir ging es so mit «Star Wars».

Ehrlich gesagt verwechselte ich bis vor kurzem «Star Wars» und «Star Treck», und hielt es eine Weile lang sogar für dasselbe. Der Krieg der Sterne – so der deutsche Titel – war mir einfach egal. Immerhin ist der erste Film fast zehn Jahre älter als ich, er ist 1977 erschienen.

Mein Sohn redet plötzlich immer wieder von «Star Wars»

Das änderte sich, als mein Sohn vor etwa einem Jahr ein unbändiges Interesse an «Star Wars» entwickelte. Woher das kommt, ist mir so unverständlich wie Prinzessin Leias Frisur – ja, mittlerweile weiss ich viel mehr, aber wir kommen gleich dazu.

Zur Person: Michelle de Oliveira
Bild: Privat

Michelle de Oliveira ist Journalistin, Yogini, Mutter und immer auf der Suche nach Balance – nicht nur auf der Yogamatte. Ausserdem hat sie ein Faible für alles Spirituelle. In ihrer Kolumne berichtet sie über ihre Erfahrungen mit dem Unfassbaren, aber auch aus ihrem ganz realen Leben mit all seinen Freuden und Herausforderungen. Sie lebt mit ihrer Familie in Portugal.

Auf jeden Fall redete mein Sohn plötzlich immer wieder von «Star Wars». Und als er letztes Jahr einen «Star-Wars»-Adventskalender von einem so gar nicht «Star-Wars»-begeisterten Kind erben durfte, war es um ihn geschehen.

Ich hielt es zunächst für eine Phase, die sich etwa so schnell legen würde wie jene der Pokémon-Karten (übrigens ein weiteres Mysterium, zu dem ich bis heute – noch! – keinen Zugang gefunden habe).

So war es aber nicht. Als wir im vergangenen Sommer stundenlang in einer riesigen Buchhandlung stöberten, hatte er nur Augen für ein Buch:

Ein staubtrockenes «Star-Wars»-Lexikon, bei dem sämtliche Charaktere und ihre Beziehung zueinander vorgestellt werden.

«Bist du sicher?», fragte ich.

«Ja, das will ich», sagte er und kaufte es sich mit seinem Taschengeld.

Ich zweifelte, mein Sohn freute sich

Ich zweifelte, er freute sich. Und tatsächlich ist seither kaum ein Tag vergangen, an dem er sich nicht in das Buch vertieft hat. Er liest, blättert, vergleicht und kommt mit ganz gezielten Fragen zu mir, dich ich ChatGPT stellen muss:

Wer sind die Eltern von Darth Vader? Und von Grogu? Gehört die «Republik» zu den Guten oder den Bösen? Was bedeutet «Corellianisch» und wie funktionieren Lichtschwerter genau?

Einmal, als er krank zu Hause war, hörte er sich auf Spotify stundenlang «Einschlafen mit Star Wars» an. Jemand erzählt in diesem Podcast mit der monotonsten Stimme, die man sich vorstellen kann, Fakten und Zusammenhänge.

Er ist keineswegs eingeschlafen, sondern fand das alles hochinteressant – im Gegensatz zu mir, die bei seinen Nacherzählungen um ein Haar eingenickt wäre.

Mit Popcorn ausgestattet starteten wir den Versuch

Mich beeindruckte, wie mein Sohn sich so viel Wissen aneignete, ohne jemals einen Film gesehen zu haben. Ich hielt die Filme zu gfürchig, las aber, dass vor allem die Charaktere das Gruselige seien – und die kannte mein Sohn ja bereits in- und auswendig.

Also starteten wir den Versuch – seinetwegen, aber auch meinetwegen. Das Interesse meines Sohnes hatte mich angesteckt und ich wollte meine Bildungslücke schliessen. Dass eine Filmreihe auch nach so vielen Jahren noch so viele Menschen weltweit begeisterte, musste doch dafürsprechen.

Also machten wir es uns eines Sonntagnachmittags auf dem Sofa gemütlich, ausgerüstet mit Chips und Popcorn und starteten «Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung».

«Mama, ich liiiiiebe Star Wars»

Die bekannte Film-Musik setzte ein, die Einführung flimmerte über den Bildschirm und wir tauchten in die Galaxis ein. Mir fiel sofort auf, wie langsam der Film im Vergleich zu neueren Action- und Science-Fiction-Filmen war und wurde schnell ungeduldig.

Mein Sohn aber war von Sekunde eins völlig gefesselt und versorgte mich, ohne die Augen ein einziges Mal vom Bildschirm zu lösen, mit Trivialwissen zu den Figuren.

Zwei Stunden dauerte der Film, ich hätte ihn wohl spätestens nach der Hälfte ausgemacht. Der Funke ist nicht gesprungen, «Star Wars» ist und bleibt mir eine unverständliche Welt. Mein Sohn hingegen sagte nach dem Abspann:

«Mama, ich liiiiiebe Star Wars».

Die Phase ist also noch nicht vorbei und ich werde wohl noch eine Weile Charaktere und ihre Beziehung zueinander erörtern und weitere Filme schauen.

May the force be with me – Möge die Macht mit mir sein.


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