Wie wird und soll es weitergehen?

Von Bruno Bötschi

16.1.2021

ZUERICH, 19.12.2020 - Passanten mit und ohne Schutzmaske bei den Weihnachtseinkaeufen an der Bahnhofstrasse in Zuerich. (KEYSTONE/Pascal Mora)
Die Corona-Pandemie verändert die Gesellschaft. Nur wie? Und wie geht es danach weiter?
Bild: Keystone

Wie soll es weitergehen? Seit der Corona-Pandemie ist das mehr als bloss eine rhetorische Frage. Die «blue News»-Redaktion befragte Persönlichkeiten von Politik bis Regenbogen, woran sie denken, wenn sie im Januar 2021 das Wort «Zukunft» hören.

Nochmals alles Gute zum neuen Jahr! Und bitte, keine düsteren Prognosen, 2020 war schon schrecklich genug. Reden wir vielmehr von der Wende zum Besseren oder von neuen Tugenden, die in den kommenden zwölf Monaten die Schweiz beflügeln werden.

Die Corona-Pandemie ist eine grosse Herausforderung für die Gesellschaft. Kann es trotzdem gelingen, in solch schwierigen Zeiten zuversichtlich zu bleiben?

Wir haben Menschen aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft gefragt: Wie soll es weitergehen? Sieben Frauen und sechs Männer haben geantwortet – der Erste war Schauspieler Mike Müller:

Mike Müller.
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«Je impf, desto Zukunft.»

Mike Müller, Schauspieler


Regula Straub: «Niederlagen nicht zu viel Raum geben»

Regula Straub.
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«Zukunft. Ein grosses Wort. Es weckt seit Corona noch stärker Bilder von Utopien, vom In-die-Glaskugel-Blicken – von etwas, das ich nicht selber beeinflussen kann. Was ich aber steuern kann: Wie ich der Zukunft begegne.

Mein Ziel ist es, bei allen Widrigkeiten des vergangenen Jahres Zuversicht, Neugier und Spontanität nicht zu verlieren. Um so den Menschen in den Bergen mit vollem Elan zur Seite stehen zu können. Und das gelingt mir am besten, wenn ich den alltäglichen Niederlagen gedanklich nicht zu viel Raum gebe, dafür guten Erlebnissen umso mehr.

Ein Trick übrigens, den Spitzensportler schon lange anwenden. Er funktioniert, probieren Sie es aus.»

Regula Straub, Co-Geschäftsführerin, Schweizer Berghilfe

Riccarda Mecklenburg: «Gehe von einem ‹Phönix aus der Asche›-Szenario aus»

Riccarda Mecklenburg.
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«Wir Menschen haben einen starken Überlebenswillen, auch wenn es momentan eher aussieht, als wäre Larmoyanz und Selbstzerfleischung unser Sauerstoff. Deswegen gehe ich von einem ‹Phönix aus der Asche›-Szenario für 2021 aus.

Sobald das Virus mittels Impfung und Immunisierung sich verabschiedet, werden Partys gefeiert, Feste nachgeholt, Lebensfreude genossen. Die Kreativ-Wirtschaft und die Künstler werden wieder Bühnen haben und dankbare Wertschätzung erfahren. Die Erfahrung, wie fragil unser Leben und Lebensstil ist, wird dahin führen, dass Nachhaltigkeit für alle Entscheidungen, ob in Wirtschaft, Politik oder Privatleben, die Handlungsmaxime ist.»

Riccarda Mecklenburg, Vorstand Verband Frauenunternehmen und Gründerin CrowdConsul.ch

Alex Flach: «Das Misstrauen ist gross»

Alex Flach.
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«Die Clubs sind seit Herbst im Lockdown, mittlerweile auch die Bars und Restaurants. In einer beklemmenden Gegenwart fällt es schwer, an die Zukunft zu denken. Nun hat der Bundesrat die längst überfällige Hilfe für Gastro, Nachtleben und Kultur zwar gesprochen, aber das Misstrauen ist gross: Zu oft wurden Zusagen nicht eingehalten und Hilfe verschleppt, nicht zuletzt auch von den Kantonen.»

Alex Flach, Sprecher diverser Schweizer Clubs und Chefredaktor des Barkeeper-Magazins «Drinks Schweiz»

Balz Strasser: «Corona hat nicht alles auf den Kopf gestellt»

Balz Strasser.
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«Corona hat vieles auf den Kopf gestellt, jedoch nicht alles. Ein Blick auf die Felder und in die Ställe unserer Landwirt*innen zeigt, dass das Leben in vielen Bereichen seinen gewohnten Lauf nimmt. Das Bewusstsein, dass wir Teil der Natur sind, wird unser zukünftiges Handeln nachhaltig ändern – so hoffe ich zumindest.

Wir sehen, dass das Interesse an der Arbeit und den Produkten unserer Bio-Produzentinnen und -Produzenten stark zugenommen hat. Die Wertschätzung der Bio-Landwirtschaft ist eine schöne Entwicklung in dieser für uns schwierigen Zeit.»

Balz Strasser, Geschäftsführer Bio Suisse

Andrea Keller: «Weniger Bullshit, mehr Fantasie»

Andrea Keller.
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«Utopia fürs Volk! Wir benötigen eine Sehnsucht, die sich nach vorn streckt, nicht zurückzerrt in der Zeit. Wir brauchen Vorstellungen einer Zukunft, die wir so sehr erleben wollen, dass wir bereit sind, etwas vom Allerschwierigsten zu tun: alte Gewohnheiten aufzugeben.

Uns mitunter einzuschränken. Nachhaltiger zu denken, handeln, leben. Mit viel weniger Bullshit und mehr Herz, mehr Fantasie. Damit sollten wir uns ein Luftschloss bauen, im Sky over Corona. Die Zeit drängt und die Lage ist günstig. Es hat gerade mehr Raum, weil weniger Flugverkehr als vor der Pandemie.»

Andrea Keller, Kunst- und Kulturschaffende, Autorin und Co-Kuratorin «System Reset. Werkzeuge für eine bessere Arbeitswelt» im Museum Schaffen, Winterthur

Clivia Koch: «Fehler eingestehen, Verantwortung zeigen»

Clivia Koch.
Bild: Fotostudio Claudia Larsen

«Fehler, die wir in Chefetagen, Politik und Wirtschaft bereits vor Corona gemacht haben, führt uns die Krise schonungslos vor Augen. Der Konsum als alleiniger Motor allen Wirtschaftswachstums? Das war einmal!

Sich nun in Krisenzeiten von den Bedürfnissen von Gesellschaft oder Umwelt abzuwenden, ist eine verpasste Gelegenheit, um Vertrauen aufzubauen. Ein Kulturwandel steht längst an.

Die Menschen werden sich zunehmend daran orientieren, welche Organisationen und Exponenten Fehler eingestehen, gesellschaftliche Verantwortung zeigen und welche eben nicht.»

Clivia Koch, Präsidentin, Wirtschaftsfrauen Schweiz

Cédric Wermuth: «Viel stärker auf Solidarität bauen»

Cedric Wermuth, Nationalrat AG, spricht am Parteitag der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz in Basel am Samstag, 17. Oktober 2020. Mit Blick auf die steigenden Corona-Fallzahlen und zum Schutz der Gesundheit aller Beteiligten findet der Parteitag digital statt. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Cedric Wermuth.
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«Zukunft bringt immer Veränderungen. Es gibt nach Corona kein Zurück mehr. Wir müssen in Zukunft viel stärker auf Solidarität bauen. Wichtig ist jetzt, dass wir die Löhne und Arbeitsplätze sichern.

50 Jahren nach dem Frauenstimmrecht muss jetzt endlich Bewegung in die Gleichstellungspolitik kommen. Wir wollen, dass wir endlich flächendeckend Kinderbetreuung-Strukturen einführen. Und natürlich muss der Klimaschutz wieder ins Zentrum des politischen Fokus rücken – sonst stehen wir sofort in der nächsten und noch schlimmeren Krise.»

Cedric Wermuth, Co-Präsident der SP Schweiz und SP-Nationalrat

Andri Silberschmidt: «Ich bleibe Optimist»

Andri Silberschmidt.
Bild: zVg

«Machen wir uns nichts vor, die unmittelbare Zukunft wird mühsam und für viele auch unerfreulich. Aber ich bleibe Optimist und bin sicher, dass wir uns im Sommer in einer viel besseren Stimmungslage befinden werden. Somit ist Durchhalten angesagt und dort zu helfen, wo die Menschen am stärksten von der Pandemie und den Gegenmassnahmen betroffen sind.»

Andri Silberschmidt, FDP-Nationalrat und zurzeit der jüngste Parlamentarier im Bundeshaus

Cathrine Steiner: «Gesund, mutig und achtsam sein»

SCHWEIZ, CHE, 05. April 2019, ZUERICH, KASERNENAREAL, Schweizer Tourneetheater....STEINER, CATHRINE Ehefrau von A.S. (KEYSTONE/Niklaus Stauss)
Cathrine Steiner
Bild: Keystone

«Zukunft? War das nicht die Sache, die man hier und jetzt kreiert? Ich habe jedenfalls beschlossen, gesund, mutig und achtsam zu sein. Und zu lieben. Mal schauen.

Ansonsten soll es ja digital werden. Ich stehe jedenfalls trotzdem noch voll auf live und unplugged. In diesem Sinne: Wir sehen uns!»

Catherine Steiner, Direktorin, Tourneetheater «Das Zelt»

Zita Küng: «Ein Ausgleich tut not»

Zita Küng.
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«Was bringt die Zukunft? Wichtiger ist die Frage: Wie soll unsere Zukunft werden? Der gewöhnliche Lauf der Dinge ist nicht mehr selbstverständlich. Also: Weichen stellen.

Ein gutes Leben für alle, das ist die Orientierung. Nehmen wir die Verhältnisse in den Blick: Reich – Arm; Mann – Frau; Alt – Jung; Eingeborene – Zugewanderte; Kopfarbeit – Körperarbeit; Globaler Norden – Globaler Süden. Ein Ausgleich tut not. Ein Zurück zum alten Zustand gibt es nicht – und macht weder Spass noch Sinn.»

Zita Küng, Präsidentin des Vereins CH2021

Cindy Landolt: «Auf das freue ich mich in Zukunft»

Cindy Landolt.
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«Ich vermisse meine Arbeit, die Menschen, die in meinem Gym ein und aus gehen. Auf das freue ich mich in Zukunft: Meinem Job wieder uneingeschränkt nachgehen zu können.

Die Menschen geniessen körperliche Betätigung, welche einen grossen Teil zur physischen und mentalen Gesundheit beiträgt. Menschen, die Sport machen, sind Teil eines Teams, ziehen am selben Strick und helfen sich gegenseitig. Das stärkt nicht nur das Immunsystem, es stärkt auch unseren Geist und Kopf und gleichzeitig pflegt es unsere sozialen Kontakte.

Ich vermisse es, meine Liebsten zu umarmen, ohne Bedenken spontan ausgehen zu können. Wenn ich an die Zukunft denke, stelle ich mir einen Grillabend mit Freunden und Familie vor, alle zusammen, lachend, fröhlich und ohne die konstante Anspannung und Angst vor Krankheit und Tod.»

Cindy Landolt, Personal-Trainerin, Fitnessmodel und Besitzerin eines Fitnessstudios

Christian Maurer: «Die Welt steht kopf»

Christian Maurer.
Bild: zVg

«Die Welt steht kopf – das habe ich 2005 bei meinem Looping als Gleitschirmflieger gelernt. Seit dann weiss ich, dass man extrem bewusst und kontrolliert einiges machen kann.

Ich sehe das weiterhin als Chance, man muss einfach lernen, damit leben zu können. Als Sportler denke ich ständig an meine Zukunft, die ich ja eigentlich beeinflussen kann. 22 Jahre Flugerfahrung zeigen mir: Man kann es meistern, sofern man sich darum bemüht.»

Christian Maurer, weltbester Gleitschirmsegler

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