31.01.2016 - 15:45

Fairphone 2: So gut ist das nachhaltigste Handy

Marc Böhler, Nachhaltigkeitsblog
 

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Das Fairphone 2 ist konkurrenzlos. Es ist das einzige Handy, das bei der Produktion vor allem auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit setzt. Kamera und andere Bauteile kann der Kunde einfach selber ersetzen. Bluewin hat das Öko-Smartphone unter die Lupe genommen.

Das Versprechen der Nachhaltigkeit löst das Fairphone 2 bereits bei der Verpackung ein: So kompakt und ohne überflüssiges Material sollten alle Smartphones geliefert werden. Die Schachtel des Fairphone 2 ist vergleichbar mit einem Taschenbuch à 200 Seiten. Ein Ladegerät und Kabel werden aus ökologischer Sparsamkeit nicht geliefert, da so gut wie alle Kunden dieses Zubehör sowieso schon besitzen. Für umgerechnet zirka 490 Franken, die man für das Fairphone 2 im eigenen Online-Shop überweisen muss, erhalten digitale Nomaden ein robustes Arbeitsgerät ohne Schnick-Schnack. Die Lieferzeit beträgt ungefähr einen Monat. In der Bildergalerie erfahren Sie mehr.

Der Eindruck, dass bei diesem Handy wirklich alles daran gesetzt wird, ökologische und soziale Nachhaltigkeit zu praktizieren, wurde für mich schon lange vor Erhalt der Bestellung bestätigt: Im Blog von Fairphone erhält man einen tiefen Einblick in den Produktionsprozess. Besonders interessant fand ich einen Bericht über die Kostenaufschlüsselung.

Holländische Design-Kunst am Werk

Die Fairphone-Macher spielen also mit offenen Karten, eine derart hohe Transparenz habe ich nicht erwartet. Im Gegensatz zu anderen Tech-Firmen wird hier der Slogan der Internet-Enthusiasten gelebt: «Information wants to be free!» Den ersten Punkt hat sich das Fairphone 2 also bereits verdient, bevor ich es überhaupt in den Händen hielt. Der zweite Punkt folgte sogleich: Die kompostierbare Verpackung ist hübsch. Da war holländische Design-Kunst am Werk. Hier ist das Fairphone 2 klar cooler und besser als die Modelle von Samsung, Apple und Co.

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Transparenz von A bis Z

Das Smartphone selbst ist ebenfalls total transparent. Die einzelnen Module sind mit Piktogrammen versehen. Der Nutzer kann mit einem normalen Schraubenzieher Einzelteile wie die Kamera, den Lautsprecher und das Kopfhörermodul selbst ersetzen. Natürlich kann man bei diesem Telefon auch den Akku auswechseln. Diese Ersatzteile werden demnächst ebenfalls online erhältlich sein.

Das nachhaltige Smartphone liegt griffig in der Hand, ist aber eher klobig und schwer. Dafür hat das Fairphone 2 den Charme eines stabilen Arbeitstiers, das auch auf einer Baustelle zu Boden fallen könnte, ohne Schaden zu nehmen. Man kann zwei SIM-Karten einsetzen. Dieses Handy ist also bestens für die Kombination von privatem und geschäftlichem Gebrauch gerüstet. Sollte der Bildschirm (1080x1920 Full HD) doch einmal zersplittern, kann er ohne Schraubenzieher ausgebaut und ersetzt werden. Die Kosten für den Austausch des Display-Moduls liegen im Vergleich zur Konkurrenz mit rund 77 Franken plus Versandkosten klar tiefer.

Starker Impuls für mehr Fairtrade

Seit 2014 gibt es zwar Fairtrade-Gold, garantiert durch die Max Havelaar-Stiftung. In der Elektronik-Branche und im grössten Teil des Bergbaus sind solche Bemühungen zu einer besseren Welt jedoch noch ganz am Anfang. Das Fairphone ist ein starker Impuls in diese Richtung, zumal diejenigen, die bei diesem Projekt mitarbeiten, sich auch sonst aktiv an der Lancierung solcher Nachhaltigkeits-Labels beteiligen. Vielleicht gibt es in absehbarer Zukunft nicht nur Fairtrade-Gold und Mineralien beziehungsweise Schmuck mit dem Aufdruck «konfliktfrei», sondern es wird dank Initiativen wie dem Fairphone vermehrt auch für die industrielle Verarbeitung anständig gewonnene Rohstoffe auf dem Weltmarkt geben.

Die ausführlichen Infos zu diesem Produkt machen das Fehlen eines solchen Labels jedoch heute schon wett. Die Bauteile, die dafür verwendet werden, sind wohl tatsächlich so weit wie möglich unter sozialen und ökologischen Standards produziert worden. Bei allen Rohstoffen, egal ob Tantal, Zinn oder Bauxite, gibt es laut den Fairphone-Herstellern aber noch einiges zu verbessern.

Weder veraltet noch brandaktuell

Ich halte ein aussergewöhnliches Gerät in der Hand. Im Alltag soll es jedoch nicht extravagant sein, sondern einfach funktionieren. Mein erster Eindruck ist bestens: Die nicht ganz aktuelle Version Android 5.1 läuft auf dem Fairphone 2 einwandfrei. Kein ruckeln, es läuft alles flüssig. Das ist den Hardware-Komponenten zu verdanken, die im oberen Segment anzusiedeln sind: Der Snapdragon 801 Prozessor mit vier Kernen, der mit 2,26 GHz betrieben wird, entspricht dem Chip-Set des Samsung Galaxy S5. Das ermöglicht nicht nur flüssiges Gamen, sondern auch 4G-Datenverbindungen und schnelles 5GHz-WLAN.

Der SAR-Wert des Fairphones liegt im Vergleich zu anderen Handys deutlich tiefer. Dieser Elektro-Smog-Wert dürfte für Käufer des Fairphones wichtig sein. Zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und 32 Giga Datenspeicher plus einen Slot zur Speichererweiterung mit einer SD-Karte stellen auch Tech-Geeks zufrieden. Die 8-Megapixel-Kamera ist nicht vergleichbar mit denjenigen, die in Top-Handys verbaut werden. Möglicherweise wird man das Gerät mit einer besseren Kamera nachrüsten können.

Wie bei allen Handys: «Unfaires» ständiges Laden

Die Google-Services sind stark integriert. Das Android-Betriebssystem «Fairphone Onion» ist nur leicht modifiziert im Vergleich zu Android 5.1. Zum Beispiel informiert es regelmässig über die Spionagetätigkeit bestimmter Apps, vergleichbar mit der CheckAp von Swisscom. Theoretisch könnte man das Fairphone 2 auch ohne Google-Account nutzen. Das ist jedoch nicht empfehlenswert, da man dann etliche wichtige Funktionen nicht nutzen könnte.  Der Akku hält wie bei allen Smartphones knapp einen Tag lang. Im Vergleich zum iPhone 6 und zu den Top-Geräten anderer Marken ist die Akkulaufzeit vom Fairphone 2 klar unterdurchschnittlich. Ist man als Pendler unterwegs und liest mehr als 30 Minuten die News auf dem Gerät, tut man gut daran, ein Ladekabel dabei zu haben.

Fazit

Ich musste feststellen, dass mein sozial-ökologisches Herz schwächer schlägt als mein Techno- und Design-Herz. Ich werde nicht auf das Fairphone 2 umsteigen, sondern weiterhin mein Lumia 950 mit Mozo-Hülle nutzen. Für Personen, denen ein gutes Gewissen wichtiger ist als schickes Design, ist das Fairphone ganz klar die erste Wahl.

Über den Nachhaltigkeitsblog

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Marc Böhler leitet Swisscom Medienkurse für Eltern, Lehrpersonen und für Schülerinnen und Schüler. Als Internet-Soziologe der ersten Stunde, nach langjähriger Tätigkeit als Online-Redaktor bei der Neuen Zürcher Zeitung sowie nach Engagements als Projektleiter bei Schweizer Radio und Fernsehen und als Web-Redaktor bei economiesuisse verfügt er über einen weiten Horizont zu Nachhaltigkeitsfragen im Umgang mit Neuen Medien.
Bild: Swisscom

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