17.10.2016 - 10:00

Welche Tragtasche ist am nachhaltigsten?

von Christian Macek, Nachhaltigkeitsblog
 

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Baumwolle, Papier , Plastik, Recycling-Kunststoff: Welches Material macht Tragetaschen am nachhaltigsten? Wir haben nachgeforscht - mit einem überraschenden Resultat.

Die Diskussion über die Nachhaltigkeit von Tragetaschen, insbesondere Plastiksäcken, hat in der Schweiz die politische Bühne erreicht. Die Wegwerf-Plastiksäcke bei den Grossverteilern sollen nun doch nicht verboten werden. Die Detaillisten führen nun eine kleine Gebühr auf die Taschen ein. Doch welche Tragetasche ist wirklich nachhaltig? Wir haben nachgefragt.

Unsere Bildergalerie beschäftigt sich zudem mit der Plastikmüll-Problematik der Ozeane. Wenn nichts unternommen wird, wird es 2050 mehr Plastik in den Weltmeeren geben als Fische.

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Böser Plastiksack, oder doch nicht? Eine Studie der EMPA kommt zu einem unerwarteten Schluss.
Bild: Keystone/Gaetan Bally

Ökobilanz beachten

In der Wahrnehmung der meisten Konsumenten ist die Tragetasche aus Papier am nachhaltigsten, diejenige aus Kunststoff (Polyethylen) hat dagegen einen schlechten Ruf. Doch so einfach ist es nicht, meint Armin Rutz, Inhaber von Europac AG, welche auf Verpackungen und Tragetaschen spezialisiert ist. «Wenn eine Tasche nur einmal verwendet wird, dann ist der Plastiksack ökologischer als die Papiertragetasche», so Rutz und bezieht sich dabei auf die ganze Ökobilanz einer Tasche.

Der schlechte Ruf der Kunststofftaschen hat viel damit zu tun, dass sich diese kaum biologisch abbauen und somit die Umwelt und insbesondere die Meere massiv verschmutzen, wenn sie achtlos liegen gelassen werden.

Plastiksäcke: Nur 3 Prozent aller Kunststoffverpackungen

Um das Ganze in Relation zu setzen, müsse man, laut Rutz, auch den Anteil von Tragetaschen im Vergleich zur ganzen Kunststoff-Verpackungsmenge in Betracht ziehen. Dieser mache in der Schweiz, in Deutschland und Österreich gerade mal drei Prozent aus.  

Die Migros, eine der grössten Abnehmerinnen von Tragetaschen in der Schweiz, hat sich zu dem Thema wie folgt geäussert: «Entscheidend ist die Häufigkeit des Wiedergebrauchs. Eine durch die externe Firma Carbotech erstellte Ökobilanz kommt zum Schluss, dass die im Jahre 2008 neu eingeführte Kunststofftragetasche (2 Fr.) bei einem viermaligen Mehrgebrauch gegenüber der Papiertragetasche geringere Umweltauswirkungen ausweist. Kaufen die Konsumentinnen und Konsumenten mit der Kunststoff-Mehrwegtasche achtmal so oft ein wie mit einer herkömmlichen Papiertasche, sparen sie 35 Prozent CO2 ein.»

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Aus Recycling-Kunststoff: Diese Tasche war mal eine PET-Flasche.
Bild: zVg

Biologisch abbaubare Materialein als Alternativen?

Alternativen wie biologisch abbaubare Materialien schneiden in Ökobilanzen – entgegen der verbreiteten Meinung – nicht zwingend besser ab als synthetische. Bei biologischen Produkten muss man zusätzliche Faktoren wie die intensive Landwirtschaft, Monokulturen, Einsatz von GVO-Pflanzen (Gen-Mais) und Überdüngung berücksichtigen. Problematisch ist weiter, dass biologisch abbaubare Materialien zum Teil die Nahrungsmittelproduktion konkurrenzieren.

Auch Armin Rutz sieht diese Problematik ähnlich: «Aus ethischer Sicht lehnen wir den Vertrieb von Tragetaschen aus Maisstärke und biodegradablen Kunststoffen ab.» Weil es nicht sein könne, dass Lebensmittel für Tragetaschen verwenden würden, solange es Hunger gäbe auf unserer Welt.

Baumwolltragetasche am schlechtesten

Ganz genau wissen wollten es die Verfasser einer EMPA-Studie, die Taschen aus sechs Materialien genauer unter die Lupe nahmen. Verglichen wurden Papier, Neugranulat (also herkömmliche Plastiksäcke), Baumwolle, kompostierbare Tragetaschen, Recycling-Kunststoff (über 80 Prozent Blauer Engel würdig) sowie «I'm green», sprich Kunststoff aus nachwachsendem Rohstoff.

Was überrascht: Die Baumwolltasche schnitt im Test dermassen schlecht ab, dass sie gar nicht mehr weiter verglichen wurde. Da es sich bei dieser Tasche um ein landwirtschaftlich erzeugtes Produkt handelt, belastet ihre Produktion die Umwelt weitaus stärker als die anderen Materialien im Vergleich.

So hatte die Baumwolltasche die höchsten Werte bei den Punkten Versauerung, Treibhauseffekt, Überdüngung, Sommersmogbildung, Ozonschichtabbau, Abbau fossiler Brennstoffe und so weiter.

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Die Testsieger

Am besten schnitten die Materialien ab, welche aus rezykliertem Kunststoff oder Kunststoff aus nachwachsendem Rohstoff bestehen. Dies beim einmaligen wie auch beim mehrmaligen Gebrauch einer Tasche. Die Rangliste:

  1. Platz: Taschen mit mehr als 80 Prozent Recycling-Kunststoff
  2. Platz: Kunststoff aus nachwachsendem Rohstoff
  3. Platz: Neugranulat (herkömmliche Plastiksäcke)
  4. Platz: Papier
  5. Platz: Kompostierbare Tragetaschen
  6. Platz: Baumwolle
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Mehr als vier Füntel dieser Tasche sind Kunststoffe, die schon einmal verwendet worden sind.
Bild: zVg

Detailhändler denken um

Wenn es um die Umweltverträglichkeit von Tragetaschen geht, haben die meisten Konsumentinnen und Konsumenten also ein falsches Bild: Ein Grossteil denkt, dass Taschen aus Papier am nachhaltigsten sind.

Besser schneiden jedoch Taschen aus rezykliertem Kunststoff oder aus Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen ab. Sogar der herkömmliche Plastiksack schneidet besser ab als die Papiertüte.

Erfreulich ist, dass viele Detaillisten diesen Trend erkennen. So berichtet Armin Rutz, dass immer mehr grössere Detailhändler und Warenhäuser auf Taschen mit mehr als 80 Prozent Recyclinganteil setzen - dazu gehören unter anderem Mediamarkt, Transa und Karstadt.

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