24.12.2016 - 16:16

Handy auf «Off»: Die Kunst, an Weihnachten abzuschalten

Bett

Deaktivieren Sie Benachrichtigungen und erstellen Sie eindeutige Vibrationen, um Nachrichten von Personen und von Maschinen zu unterscheiden.
Bild: iStock

von Alexander Steinhart, Nachhaltigkeitsblog
 

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Jugendliche verbringen in ihrer Freizeit rund 2,5 Stunden am Tag im Internet. Wir Erwachsene schneiden kaum besser ab. 88 Mal am Tag schalten wir das Handy an, Tendenz steigend. Höchste Zeit für konkrete Tipps, wie Sie der Versuchung «Handy» an den Weihnachtstagen zu Hause und im Büro widerstehen können.

Endlich Weihnachten – endlich etwas Ruhe. Doch was war das? Hat jetzt gerade mein Handy vibriert? Schnell hole ich es aus der Hosentasche, entsperre es und stelle fest: Fehlalarm. Kennen Sie diese Situation? In der Fachsprache nennt man das «Phantomvibrieren». Ist dieser Zustand bedenklich? Müssen Sie sich bereits Sorgen machen, dass Sie unter chronischem Stress leiden?

Wie können Sie dem Gefühl widerstehen, «always on» zu sein? Wir zeigen Ihnen konkrete Massnahmen und Tipps, wie sie das Handy im Griff haben und trotzdem dem Gefühl entfliehen können, immer etwas zu verpassen.

Momente der Langeweile sind wichtig

Momente der Langeweile sind etwas Gutes. Nur allzu schnell missbrauchen wir kleine Mikro-Pausen an der Bushaltestelle oder im Aufzug, um einem wichtigen Kunden per E-Mail zu antworten, einem Treffen zuzustimmen oder einfach um den News- oder Social Media-Benachrichtigungen zu folgen. Dabei lenken wir unsere Aufmerksamkeit von uns selbst weg. Doch diese Momente sind wichtig für unsere eigene Balance und Kreativität. Sie sorgen auch dafür, dass wir bewusster und achtsamer Entscheidungen treffen.

Werden Sie sich daher Ihrer selbst bewusst. Denn dort, wo Ihre Aufmerksamkeit hingeht, fliesst auch Ihre Energie hin. Wie auch bei der aktiven Erholung konkurriert unsere Aufmerksamkeit bei dem Thema Achtsamkeit mit dem Smartphone. Probieren Sie es aus und halten Sie bei Ihrer nächsten Mikro-Pause den Moment einfach mal aus, ohne Blick aufs Smartphone. Sie werden feststellen, dass nach ein paar Versuchen die Aufmerksamkeit steigt und damit die Freude, in Kontrolle und unabhängig von der Technik zu sein. Zusätzliche Unterstützung für mehr Achtsamkeit im Alltag bieten Achtsamkeits- und Meditationskurse sowie Apps wie 7Mind und DuHastPause.

Bewusst Abschalten – im Büro und zu Hause

Wir wissen fast alle, dass Unterbrechungen während der Arbeit unsere Produktivität stören: 23 Minuten und 15 Sekunden brauchen wir im Schnitt, um nach einer externen Unterbrechung wieder zurück in den Arbeitsfluss zu finden. Und nicht nur das, auch gewöhnt sich unser Gehirn an solche Unterbrechungen: Nachdem wir oft unterbrochen wurden, fangen wir selbst an, uns Ablenkungen zu suchen, wie Gloria Mark von der Universität von Kalifornien nachgewiesen hat. Doch weit weniger bewusst sind uns die Auswirkungen der Unterbrechungen auf unsere Erholung in der Freizeit (z.B. durch einen Anruf vom Kollegen oder das Lesen von Mails). Klar ist, wer spät nachts noch arbeitet oder kurz vor dem Einschlafen das Handy nutzt, schläft schlechter, ist am nächsten Morgen erschöpfter und über den Tag mit weniger Elan bei der Arbeit.

Die arbeitspsychologische Forschung von Sabine Sonnentag, Professorin an der Universität Mannheim, zeigt, dass eine aktive Erholung zur Gesundheitserhaltung essentiell ist. Regelmässige Pausen während der Arbeit, bewusste Entspannungsübungen und das gedankliche Abschalten nach der Arbeit sind wichtig, um verbrauchte Ressourcen wieder aufzufüllen, Erschöpfung und Müdigkeit dauerhaft entgegenzuwirken sowie Engagement und Leistung bei der Arbeit zu beflügeln.

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Warum das Handy nicht ins Schlafzimmer gehört

Die Anbieter von Apps wie Facebook, Snapchat oder News-Apps optimieren und personalisieren ihre Inhalte mit der Unterstützung von Psychologen und künstlicher Intelligenz. Sie setzen gezielt Benachrichtigungen und die eigene Menüführung ein, um Nutzer der Apps bewusst auf ihre Inhalte zu lenken. So verwundert es nicht, dass wir fast 90 Mal am Tag aufs Handy starren, also ca. alle zehn Minuten.

Tatsächlich sind wenige Dinge so schwer, wie dem Hang zur Mediennutzung zu widerstehen. Doch dafür brauchen Sie Selbstdisziplin. Werkzeuge wie die «( OFFTIME )»-App, Freedom oder etwa «Selfcontrol» für Desktop-Rechner können da sehr nützlich sein. Sie blockieren Webseiten, Apps oder das gesamte Smartphone und setzen so Hürden für deren Nutzung. Dadurch unterstützen sie uns bei unserer Selbstdisziplin. Und in schwierigen Situationen erleichtern sie die Veränderung der eigenen Gewohnheiten.

Ein weiterer Schlüssel zur Veränderung ist die eigene Umwelt: Erzählen Sie der Familie und Freunden, dass Sie weniger bzw. bewusster am Smartphone sein werden. Sagen sie ihnen, dass sie sich keine Sorgen machen sollen, wenn Sie in Zukunft nicht gleich antworten. Dasselbe gilt für die Arbeit. Klären Sie gemeinsam mit Kollegen und Kunden, was in Sachen Erreichbarkeit von Ihnen erwartet wird. Und wann Auszeiten möglich sind. Richten Sie sich danach internet- und kommunikationsfreie Zeiten ein. Sie können sich dabei auf Studien von Leslie Perlow von der Harvard Business School berufen, die aufzeigen, dass Teams, die abgesprochen «Off» sind, besser und effizienter zusammenarbeiten.

Einfacher als eine technikfreie Zeit ist für viele, einen technikfreier Raum bei der Arbeit oder zu Hause einzurichten. Für letzteres empfehlen wir einen abgelegenen Platz zum Laden des Handys und nicht direkt beim Bett. Probieren Sie den analogen Wecker aus, statt das Handy als Wecker zu nutzen.

Wandel gestalten

All das kann natürlich nur ein Anfang sein, ein erster Schritt, um die Kontrolle über die eigene Vernetzung zurückzugewinnen und eine passende Work-Life-Tech-Balance zu finden. Unsere Mediennutzung befindet sich auch dank immer neuer Techniken im permanenten Wandel. Wir können aber mitbestimmen, wie dieser Wandel aussehen soll. Wenn wir in Zukunft noch abschalten wollen, sagen wir nicht nein zur technischen Entwicklung, fordern wir kein Zurück in eine längst vergangene Zeit. Wir fordern vielmehr einen bewussten Umgang mit sowie bei der Entwicklung von Technik. Und wir wollen Zeit und Raum für das, was wirklich wichtig ist.

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Alexander Steinhart ist Psychologe und Prozessbegleiter an der Schnittstelle von Mensch und Maschine, auf der Seite des Menschen. Sein Interesse an Technologie, verbunden mit einer noch größeren Leidenschaft für Menschen, soziale Dynamiken und sozialem Wandel, führte ihn dazu, Psychologie in Maastricht, Brighton und Belfast sowie im Human Centered Design in Potsdam zu studieren. Alexander ist Mitbegründer von ( OFFTIME ), ein ausgezeichnetes Post-Tech-Startup mit Sitz in Berlin und einer der frühen, führenden Akteure auf dem Gebiet des Digital Detox. Ihre dazugehörige Softwarelösung wurde fast eine Million Mal heruntergeladen. Firmen und Konferenzen können Seminare, Workshops und Vorträge rund um das Thema „Digitale Balance“ können hier gebucht werden: digitalebalance@quanders.de
Bild: ZVG

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