23.12.2016 - 08:24

Schwermetall im Bio-Lachs?

Spawning Season

Ein Lachs in freier Wildbahn. Damit er aber die Auszeichnung «Bio» erhält, muss er in einer Zucht aufwachsen.
Bild: Keystone/Hector Amezcua

von Tanja Polli, Nachhaltigkeitsblog
 

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Für viele gehört Lachs an Weihnachten und Silvester einfach dazu. Was kaum jemand weiss: Sogar Tiere aus Bio-Zuchten enthalten diverse Chemikalien.

Beginnen wir vorne: Damit ein Lachs die Auszeichnung «Bio» erhält, muss er in einer Zucht aufwachsen. Freilebende Tiere können nicht zertifiziert werden. Und weil der Lachs da im Netzgehege gross und fett werden soll, muss er künstlich ernährt werden.

Nun ist der Lachs ein Raubfisch und frisst daher andere Fische (respektiv was man heute daraus macht): Fischöl oder Fischmehl. Auch wenn dieses, wie bei Bio-Lachsen vorgeschrieben, aus nachhaltigem Fischfang stammt, ist es oft mit diversen Chemikalien belastet. Denn das Fischfutter lebt im Meer und das Meer ist verschmutzt.

Quecksilber, Ethoxyquin und krebserregendes PCB

Kürzlich berichtete der Tages-Anzeiger von unappetitlichen Apérohäppchen: Untersuchungen verschiedener Lachszuchten aus Frankreich zeigen, dass Bio-Lachs gar mehr Schwermetalle wie Quecksilber und krebserregendes PCB enthält als herkömmlich gezüchteter Lachs. Dies weil Bio-Lachse häufiger tiergerecht gefüttert werden, heisst nicht mit pflanzlichem Futter, sondern mit Fischäbfällen und Fischöl.  

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Ein Jahr zuvor hatte der Kassensturz 15 Lachsproben aus der Schweiz untersucht, drei davon in Bio-Qualität. In vierzehn Proben fand das Labor Rückstände des Pestizids Ethoxyquin. Ethoxyquin wird dem Fischöl beigefügt, um zu verhindern, dass es ranzig wird. Nur ein Lachs war frei davon, immerhin einer der Bio-Lachse. Dies obwohl der Einsatz von Ethoxyquin bei Bio-Lachs verboten ist.  

Strenge Kontrollen sind keine Garantie

Was tun? Schützt das bewährte Bio Suisse-Label vor belastetem Fisch? Lukas Inderfurth, Mediensprecher von Bio Suisse, verweist darauf, dass die Richtlinien, die für den Import von Knospe-Produkten gelten, deutlich strenger seien als die der EU. «Dass Fischmehl mitunter Rückstände enthält und Bio-Lachse in den Netzgehegen, in denen sie gezüchtet werden, mit kontaminiertem Wasser in Kontakt kommen, können auch unsere strengen Kontrollen nicht restlos verhindern», so Inderfurth.

Und weil das so ist, und auch weil die Fischpopulationen grundsätzlich gefährdet sind, rät Susanne Hagen vom Schweizer Verein fair-fish grundsätzlich zurückhaltend zu sein beim Verzehr von fettreichem Fisch: «Viele Schadstoffe sind fettlöslich und sammeln sich daher im Fettgewebe von Fischen an. Fetter Fisch sollte darum nur als seltene Delikatesse gegessen werden. Dies gilt insbesondere für schwangere Frauen und Kinder.»

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Es gibt Alternativen

Es prüfe also gut, wer zum Jahresende Lachsbrötli plant. Wer nach der Lektüre dieses Artikel lieber auf Fisch verzichtet, findet hier leckere vegetarische Apéro-Ideen, und wers lieber grad ganz ohne tierische Produkte probieren möchte, dem sie diese Seite empfohlen. Weitere Infos gibt's beim Verein fair-fish und beim WWF.

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Tanja Polli ist freie Journalistin, Texterin und Autorin und schreibt regelmässig für den Nachhaltigkeitsblog.
Bild: Swisscom

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