26.01.2017 - 17:10

Weniger Abfall: Reparieren statt wegwerfen

von Sascha Bianchi, Nachhaltigkeitsblog
 

0 Bewertungen


Schweizer produzieren tonnenweise Abfall. Die Menge pro Kopf ist in keinem EU-Land höher. Immerhin recyclieren wir unseren Müll ganz ordentlich. Ganz anders sieht es bei Reparaturen aus. Dabei lohnt es sich, selbst Hand anzulegen.

Pro Kopf und Jahr produzieren wir Schweizerinnen und Schweizer 730 Kilo Abfall. Gut die Hälfte davon wird wiederverwertet. Der Rest landet auf Müllbergen in den lokalen Entsorgungsstellen. Die Gründe? Sie sind vielseitig.

Wie viele andere westliche Nationen hat sich auch in der Schweiz eine Art Wegwerf-Mentalität entwickelt. Hat das T-Shirt ein Loch, landet es bestenfalls im Sack für die Kleidersammlung. Ist die Kette des Velos gerissen oder funktionieren die Bremsen nicht mehr richtig, muss ein neues her.

Reparaturen? Lohnen sich nicht. - Falsch! Denn es gibt heute diverse (Online-)Angebote und Organisationen, die einem dabei unterstützen, die Lebensdauer geliebter Gegenstände zu verlängern.

Bild zum Artikel

Früher wäre dieses iPhone im Abfall gelandet, heute wird es repariert.
Bild: Keystone/Ben Margot

Ifixit: Mehr als nur Handy-Reparaturen

Die Webseite von Ifixit ist erste Anlaufstelle, wenn es um Elektronik geht. Einfach illustrierte Anleitungen zeigen, wie zum Beispiel ein Samsung Handy zerlegt und wieder zusammengebaut wird. Gemäss Aussagen von Kunden bleibt sogar der Wasserschutz erhalten.

Angefangen hat Ifixit mit Reparaturen von technischen Geräten. Heute sind aber auch ganz andere Produkte auf der Webseite vertreten: das Wechseln von Pneus, das Anbringen neuer Klett-Verschlüsse oder das Austauschen von Batterien bei Uhren wird mit den Anleitungen von Ifixit zum Kinderspiel.

Brauche Sie Ersatzteile, können diese bequem bei Ifixit bestellen. Weitere Reparatur-Hilfen im Netz finden Sie hier:

Repair Cafes: Werkstatt und Partnervermittlung

Die streikende Lampe reparieren und gleichzeitig die Liebe des Lebens finden? Klingt absurd? Ist es aber nicht. Denn Umfragen von Partnervermittlungsfirmen haben bestätigt, was viele Handwerker schon immer wussten: Frauen finden Heimwerker sexy. Umgekehrt stehen Männer auf sparsame Frauen.

Treffpunkt für das Blind Date von heute sind Repair Cafés. Sie schiessen in Schweizer Städten wie Pilze aus dem Boden. Bei den Repair Cafés handelt es um ehrenamtliche Treffen. Begabte Handwerker und Heimwerkerinnen hauchen dort kaputten Töpfen und anderen löchrigen oder dampfenden Geräten neues Leben ein.

Statt im Müll landen die Gegenstände so wieder zu Hause. Bezahlt wird nur für das verwendete Flickmaterial. Am 29. Oktober fand übrigens der erste Schweizer Reperaturtag statt.  

Sharing Economy: Diese fünf Schweizer Beispiele starten durch

Regulatorische Anreize: Schweden macht es vor

«Jetzt ist die Waschmaschine schon wieder kaputt? Die haben wir doch erst gerade neu gekauft.» - So klingt es immer häufiger aus Schweizer Haushalten. Trends zeigen, dass Haushaltsgeräte bereits nach drei Jahren den Geist aufgeben. Kritische Kunden wittern darin eine Verschwörung grosser Hersteller.

Die Konsumenten glauben, dass Hersteller dadurch ihre Verkaufszahlen künstlich nach oben treiben wollen. Wenn der Techniker dann zu Hause ist, ist das Resultat fast immer gleich: Reparatur? Fehlanzeige. Entweder gibt es keine Ersatzteile. Oder die Kosten des Technikers übersteigen den Neupreis einer Maschine.

Dem will Schweden einen Riegel vorschieben. Das Land hat vor Kurzem die Mehrwertsteuer für Reparaturdienstleistungen von 25 auf 12 Prozent herabgesenkt. Neue Geräte werden teurer. Die Bevölkerung soll so einen Anreiz erhalten, vermehrt auf eine Reparatur zu setzen. Oder Produkte zu Teilen, statt neu zu kaufen - was wir heute im Begriff der Sharing Economy zusammenfassen.

Abfallverzicht: Problem an der Wurzel packen

Einen ganz anderen Weg gehen die Gründerinnen des Vereins Zero Waste und setzen gleich beim eigenen Verhalten an. «Überflüssiges ablehnen, sich auf das Notwendigste konzentrieren und Dinge wiederverwenden» lautet ihr Mantra. Innovative KMUs adaptieren bereits die Ideale der No-Waste-Bewegung.

Kennen Sie zum Beispiel die Abfüllerei in Basel? Hier können Sie als Kunde Lebensmittel und Haushaltsprodukte selber abfüllen. Verpackungsabfälle reduzieren sich so deutlich. Die Verein RestEssbars bietet an mehreren Orten ganz der No-Waste-Ideologie entsprechend öffentliche Kühlschränke an.

Die Könige der Wiederverwendung sind und bleiben aber die vielen Brocki-Läden. Hier lässt sich ein ganzer Haushalt einrichten, ohne dass irgendwelches Produktions- und Verpackungsmaterial verbraucht wird.  

Elektroschrott richtig entsorgen: So geht's

  • SCHWEIZ ABFALL FERNSEHER
  • 110111HAG122
  • SCHWEIZ ENERGIE ETIKETTE WASCHMASCHINE

Über den Nachhaltigkeitsblog

Hier erhalten Sie von Swisscom-Mitarbeitenden und Experten aktuelle Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil und für einen kompetenten Umgang mit neuen Medien. Wir porträtieren Unternehmen und Technologien, die innovative Lösungen bieten für die gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter und bleiben Sie informiert. Das Bluewin-Portal ist eine Unternehmenseinheit der Swisscom (Schweiz) AG.

Bild zum Artikel

Sascha Bianchi verantwortet den Nachhaltigkeitsblog und Partnerschaften mit myclimate, Filme für die Erde und der Umwelt Arena. Er schreibt regelmässig über Nachhaltigkeitstrends und Aktivitäten der Swisscom Partner.
Bild: Swisscom

Weitere Artikel

Anzeige
Bitte aktivieren Sie Javascript für die beste Browserfunktionalität