20.04.2017 - 08:50

Schwimmendes Labor: Aus Plastikmüll soll Energie werden

von Sascha Bianchi, Nachhaltigkeitsblog
 

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Die Expedition Race for Water startete vor wenigen Tagen zu einer neuen Odyssee rund um die Welt. Ihr Ziel: Die Rettung der Ozeane. Pressesprecherin Laure Lunven erklärt im Interview, was die Crew in den nächsten fünf Jahren erwartet.

Bluewin: Frau Lunven, welche Ziele verfolgt die Odyssee 2017?

Laure Lunven: Das Ziel von Race for Water ist der Schutz des Wassers. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass die Ozeane heute einer Müllkippe gleichen. Rund 10 Prozent des weltweit produzierten Plastiks enden im Meer. Jedes Jahr kommen rund 25 Millionen Tonnen dazu. Aufgrund der Meeresströmungen sammelt sich der Müll zu sogenannten Abfallstrudeln. Der grösste von ihnen ist heute so gross wie ein ganzer Kontinent. Bei Race for Water suchen wir nach Lösungen, die Müllberge zu bekämpfen. Gleichzeitig wollen wir Massnahmen durchsetzen, die verhindern, dass der Müll überhaupt erst im Meer landet.

Wie unterscheidet sich dieses Projekt gegenüber der Odyssee 2015?

Bei unserer ersten Reise stand die Analyse im Vordergrund. Wir haben 32'000 nautische Meilen zurückgelegt und dabei die fünf grossen Abfallstrudel der Ozeane untersucht und kartiert, Zehntausende Plastikproben genommen und auf unseren 16 Stopps entlang der Route viele Gespräche geführt mit betroffenen Menschen auf der ganzen Welt. Und die Ergebnisse sind erschreckend. Eine umfangreiche Aufräumaktion des Ozeans ist aktuell aus technischen und finanziellen Gründen undenkbar. Einfach aufgeben bringt aber auch nichts. Neue Ansätze sind gefragt. Während der Odyssee 2017 liegt der Schwerpunkt also im Finden von Lösungen.  

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Laure Lunven arbeitet seit als Pressesprecherin bei Race for Water. Ursprünglich hat sie Biochemie studiert. Die Race for Water Odyssee ist für sie eine Herzensangelegenheit. Hier kann sie ihre beiden Leidenschaften nachgehen: wissenschaftliches Arbeiten und das Leben auf dem Ozean.

Was heisst das konkret?

Wir wollen den Plastikabfällen einen Wert geben. Denn nur wenn sie einen Wert haben, wird auch achtsam damit umgegangen. Konkret forschen wir nach Lösungen, die Plastikabfälle in Energie umwandeln können. Unser Ziel ist es, dass wir in fünf Jahren insgesamt 500 Lösungen implementieren.  

Ein weiterer grosser Unterschied ist das Schiff ...

Genau. Die Odyssee 2015 haben wir auf einem «Catamaran MOD70» durchgeführt. Das Leben auf dem Catamaran war rau und es gab nur wenig Raum für wissenschaftliche Untersuchungen. Bei unserer letzten Odyssee ist ausserdem unser Schiff bei einem Sturm auf hoher See gekentert. Deshalb brauchten wir ein neues Schiff. Die Odyssee 2017 findet auf einem Hightech-Katamaran statt. Er ist 35 Meter lang und 23 Meter breit. Der Katamaran beherbergt zwei Labore und 90 Quadratmeter Arbeitsfläche. Das besondere liegt aber auf dem Dach. Dort sind 512 Quadratmeter Photovoltaikmodule installiert. Sie sorgen für den Schiffsantrieb und liefern genug Energie für den Alltag der Crew auf dem Schiff.  

Und was ist bei schlechtem Wetter?

Bei Sonnenschein produzieren wir sehr viel Energie. Überschüssige Energie wird in vier grossen Batterien gespeichert, für die Entsalzung von Meerwasser genutzt oder zur Gewinnung von Wasserstoff verwendet. Bei Bedarf wird der Wasserstoff mittels zwei Brennstoffzellen in Elektrizität umgewandelt, die entweder den Motor antreibt oder die Batterien wiederauflädt. Es handelt sich somit um ein komplett energieautarkes Boot, das auch noch funktionsfähig ist, wenn das Wetter nicht mitspielt.  

Die Odyssee 2017 dauert fünf Jahre. Welches werden die wichtigsten Meilensteine sein?

In den nächsten fünf Jahren werden wir drei Ozeane überqueren und alle fünf Kontinente besuchen. Startpunkt der Reise ist der Hafen von Lorient an der französischen Atlantikküste. Der erste Höhepunkt wird der Besuch des America's Cup in Bermuda sein. Wir werden zwar nicht am Segelrennen teilnehmen, aber vor Ort Events durchführen und erste Forschungsergebnisse präsentieren. Unsere nächste grössere Etappe führt uns über den Pazifik nach Japan, wo wir den olympischen Spielen in Tokyo beiwohnen werden. Ein weiteres Höhepunkt wird die Teilnahme an der Expo 2020 in Dubai sein, bevor wir im Jahr 2021 in die Schweiz zurückkehren.  

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Die Crew der Odyssee 2017. Angeführt wird das Team erneut vom Marco Simeoni (3 v.l.), dem Gründer und Leiter der Race for Water Foundation, der zugleich leidenschaftlicher Segler ist.

Wie bereitet sich das Team auf eine derart lange Expedition vor?

Für so ein Projekt muss man das Wasser lieben. Die Crew besteht jeweils aus mindestens fünf Personen, mehrheitlich aus Fachspezialisten aus den Bereichen Nautik, erneuerbarer Energie und IT. Sie sind das Leben auf hoher See gewohnt. Klar ist, dass die Crew auch für den Ernstfall vorbereitet sein muss. Die Mannschaft hat in speziellen Trainings gelernt was zu tun ist, wenn sie Schiffsbruch erleiden oder jemand von Board fällt. Es ist vorgesehen, dass die Crew in den fünf Jahren im Schichtbetrieb regelmässig wechselt. Neben der offiziellen Crew haben noch sieben weitere Personen auf dem Schiff Platz, um zum Beispiel Experimente durchzuführen. Wenn der Catamaran im Hafen liegt, können bis zu 70 Personen das Schiff betreten.  

Wie kann man als Zuschauer das Abenteuer mitverfolgen?

Auf unserer Webseite berichten wir regelmässig über das Projekt. Dort planen wir auch eine Live-Übertragung bei wichtigen Etappen. In den sozialen Medien können unsere Follower zudem direkt mit uns interagieren.  

Race for Water

Die Stiftung Race for Water wurde 2010 mit dem Ziel gegründet, die Ressource Wasser zu schützen. Die Aktivitäten basieren auf drei Grundpfeilern. Erstens will die Stiftung mit ihren Analysen einen Beitrag zur wissenschaftlichen Untersuchung der Plastikverschmutzung der Ozeane leisten. Zweitens will sie Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. Drittens fördert die Stiftung konkrete Lösungen zur Bekämpfung der Verschmutzung der Meere. Swisscom ist offizieller Partner der Race for Water Foundation und sorgt für eine zuverlässige Kommunikationsverbindung zwischen der Crew auf dem Katamaran und dem Mission Control Center. Weitere Informationen finden Sie hier

Ozeane versinken in Plastikmüll

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Sascha Bianchi verantwortet den Nachhaltigkeitsblog und Partnerschaften mit myclimate, Filme für die Erde und der Umwelt Arena. Er schreibt regelmässig über Nachhaltigkeitstrends und Aktivitäten der Swisscom Partner.
Bild: Swisscom

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