08.06.2017 - 07:10, von Sascha Bianchi, Nachhaltigkeitsblog

Plastikmüll: Die Zukunft der Ozeane steht auf dem Spiel

 

0 Bewertungen


Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Jedes Jahr landen rund 8 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen. Innovative Unternehmer kämpfen gegen die Verschmutzung der Ozeane – darunter auch ein Team aus der Schweiz.

Henderson ist eine kleine Insel im Südost-Pazifik. Die Insel ist so weit abgelegen und schwer erreichbar, dass sie als einer der wenigen «weissen Flecken» auf der globalen Landkarte gilt. Die nächste grössere menschliche Siedlung liegt 5'000 Kilometer entfernt.

Das kleine Atoll bietet eigentlich eine Traumkulisse: weisse Sandstrände, türkisblaues Meer, eine unberührte, einzigartige Flora und Fauna, soweit das Auge reicht. Doch jetzt entdeckten Forscher, dass das Inselparadies zu einer Müllkippe wird mit über 38 Millionen Teilen Plastikmüll.

Die Befunde von Jennifer Lavers von der University of Tasmania und Alexander Bond von der britischen Royal Society for the Protection verstören. Auf Henderson herrscht die weltweit grösste Plastikmüll-Dichte. Die Forscher fanden Fischereizubehör wie Leinen, Netze und Bojen, aber auch Lutscherstiele, Zahnbürsten, Strohhalme und Besteck. Henderson Island liegt am westlichen Rand des Südpazifik-Wirbels, einem der bekannten Müllstrudel der Weltmeere, in denen sich Plastikteile ansammeln.

38 Millionen Plastikteile müllen Trauminsel zu

Ozeane versinken im Plastikmüll

Etwa 70 Prozent der Oberfläche der Erde sind von Wasser bedeckt. Und dieses Wasser ist bedroht, wie der WWF schreibt. Jedes Jahr landen mehrere Millionen Tonnen Plastikmüll in unseren Meeren. Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen und Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton. Plastik stellt die grosse Mehrheit des Mülls im Meer dar.

Aufgrund der Meeresströmungen bilden sich gigantische Müllstrudel im Wasser, wo sich das Plastik sammelt. Der grösste Müllstrudel befindet sich im Nordpazifik. Er ist mittlerweile so gross wie Zentraleuropa und wächst weiter.

Diese sichtbaren Strudel sind nur die Spitze des Eisbergs. Drei Viertel des Mülls sinkt auf den Meeresgrund. Und dort zersetzen sich die Plastikteile sehr langsam. Der ganze Prozess kann Jahrhunderte dauern. Zunächst zerfällt Plastik lediglich in immer kleinere Partikel. Mikropartikel, kleiner als ein Millimeter, gelangen problemlos in die Körper von Meerestieren und durch deren Verzehr auch in den menschlichen Organismus. Welche Auswirkungen das haben kann, ist noch nicht endgültig erforscht. Doch eines ist sicher: Plastik enthält Giftstoffe.  

«Ocean Cleanup» will den Pazifik vom Plastikmüll befreien

  • Netherlands Ocean Clean-up
  • Netherlands Ocean Clean-up
  • Netherlands Ocean Clean-up

Querdenker wollen Ozeane schützen

Das Projekt «Ocean Cleanup» will bereits ab dem kommenden Jahr Plastikmüll aus dem Pazifik fischen. Dank technischer Neuerungen und einer Geldspritze könne das Projekt zwei Jahre früher starten als geplant. Der junge Initiator, Boyan Slat, will kilometerlange, schwimmende Röhren im Meer auslegen, von denen eine Art Sieb ins Wasser hängt. Die Röhren sind so geplant, dass sich der Plastikmüll an einer bestimmten Stelle sammelt und dort aus dem Meer geholt werden kann.

«Innerhalb von fünf Jahren haben wir hier 50 Prozent des Mülls aufgeräumt», sagte Slat. Experten zweifeln allerdings an der Wirksamkeit des Projekts. Sie zweifeln, dass die Barrieren den Kräften im Pazifik standhalten. Umweltschützer wenden ein, dass die Müllvermeidung wichtiger sei, als die Plastikfischerei.

In besonderen Fällen setzt auch der WWF auf das Einsammeln von Plastik: «Da verlorene oder absichtlich im Meer entsorgte Fischereinetze noch 6 bis 20 Prozent ihrer ursprünglichen Fischereikapazität beibehalten, müssen diese Netze aus dem Meer verschwinden, um Wale, Delfine und andere Meerestiere nicht unnötig zu töten», sagt Meeresexpertin Alice Eymard-Duvernay. In den letzten Jahren hat der WWF gemeinsam mit Partnern hunderte von Tonnen herrenloser Netze aus der Ostsee gefischt und einer fachgerechten Entsorgung zugeführt.

Schwimmendes Labor: Aus Plastikmüll soll Energie werden

  • 02
  • 01
  • 05
  • 09

Einen anderen Ansatz verfolgt das Race for Water-Team aus der Schweiz. Sie wollen den Plastikabfällen einen Wert geben. Denn nur wenn der Plastik einen Wert hat, wird auch achtsam damit umgegangen. Konkret forscht das Team nach Lösungen, die Plastikabfälle in Energie umwandeln können. Ihr Ziel ist es, in fünf Jahren insgesamt 500 Lösungen zu implementieren. Ein ähnliches Ziel verfolgt HealthySeas.

Aus alten Fischernetzen recyclieren sie spezielle Nylongarne. Aus diesen Fasern werden dann Socken, Bademode, Unterwäsche, Teppiche oder andere Textilprodukte hergestellt. In Australien haben zwei Surfer den Seabin entwickelt. Dieser schwimmende Mülleimer saugt Abfälle in einen Behälter und soll zukünftig in Hafenbecken eingesetzt werden, um diese vom Abfall zu befreien.  

Und das können Sie tun:

  • Verpackungen und Einweg-Gebrauchsartikel so weit wie möglich vermeiden: beim Einkaufen auf Einwegplastikflaschen verzichten und wiederverwendbare Taschen statt Plastiksäcke verwenden, verpackungsfrei einkaufen, Take-away mit Mehrwegverpackung bevorzugen oder eigene Behältnisse mitbringen
  • Nicht recyclebaren Plastik ablehnen und Verpackungen wählen, die aus recyclebaren Materialien bestehen.
  • Den Konsum von nicht recyclebarem Plastik reduzieren und wenn möglich den Plastik mehrfach gebrauchen.
  • Abfall trennen und PET-Flaschen auch unterwegs in die hierfür vorgesehenen Container werfen.

Über den Nachhaltigkeitsblog

Hier erhalten Sie von Swisscom Mitarbeitenden und Experten aktuelle Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil und für einen kompetenten Umgang mit neuen Medien. Wir porträtieren Unternehmen und Technologien, die innovative Lösungen bieten für die gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter und bleiben Sie informiert. Das Bluewin-Portal ist eine Unternehmenseinheit der Swisscom (Schweiz) AG.

Weitere Artikel

Anzeige
Bitte aktivieren Sie Javascript für die beste Browserfunktionalität