18.12.2017 - 08:30

Grosse Unterschiede: Wie viel Umwelt verbraucht mein Handy?

von Marius Schlegel, Nachhaltigkeitsblog
 

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Eine Studie besagt, dass Apple-Produkte fast so nachhaltig sind wie das Fairphone. Aber ist es so einfach? Wir haben genauer hingeschaut – Spoiler: Es kommt darauf an.

Kürzlich hat eine Untersuchung von Greenpeace in der Unterhaltungselektronikbranche für Aufsehen gesorgt. Gemäss der neusten Ausgabe der «Anleitung zu grüneren Elektronikgeräten» der Umweltorganisation führt Fairphone die Rangliste zwar an (siehe Bildergalerie), jedoch nicht – was zu erwarten wäre – mit grossem Abstand auf die Konkurrenz. Der führende Hersteller von nachhaltigen Smartphones wird nämlich dicht gefolgt vom Tech-Riesen Apple. Andere Branchenführer wie Samsung und Huawei sind weit abgeschlagen auf den hinteren Rängen.

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Gemäss der neusten Ausgabe der «Anleitung zu grüneren Elektronikgeräten» der Umweltorganisation führt Fairphone die Rangliste zwar an, jedoch nicht – was zu erwarten wäre – mit grossem Abstand auf die Konkurrenz.
Bild: Greenpeace

Vom Rohstoffabbau bis zur Entsorgung

Greenpeace macht geltend, dass Fairphone und Apple im Herstellungsprozess auf gefährliche Chemikalien verzichteten. Apple kommt zugute, dass es als einziges Unternehmen zugesagt habe, nicht nur seine Datenzentren und Büros mit erneuerbaren Energien zu betreiben, sondern künftig die gesamte Lieferkette. Hier zeigt sich, wie vielfältig und entsprechend schwierig Rankings über eine ganze Branche hinweg sind. Bewertet wird nämlich nicht nur das fertige Produkt, sondern eine Vielzahl von Faktoren. Versuch einer Kriterienauswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Welche Rohstoffe beinhaltet das Produkt und unter welchen Bedingungen wurden sie abgebaut?
  • Unter welchen Arbeitsbedingungen wurde das Produkt hergestellt, beispielsweise Arbeitnehmerschutz, Entlöhnung, Gesundheitsprävention usw.
  • Reicht die Qualität des Produkts für eine mehrjährige Benutzung oder ist es darauf ausgelegt, schon nach wenigen Monaten durch ein neues Gerät ersetzt werden zu müssen?
  • Wie recycelbar ist das Gerät?

Das nachhaltigste Smartphone ist natürlich jenes, das nicht produziert werden muss. Die Umweltbilanz der Geräte muss über ihre gesamte Lebensdauer betrachtet werden. Mehr als 75 Prozent der CO2-Emissionen, die ein Smartphone verursacht, entstehen während der Herstellung. 

Handys wie Legobausteine zusammenbauen

Genau das macht Fairphone zum Leader dieses Rankings. Es ist die Firmenphilosophie, welche nicht nur auf wirtschaftlichen Erfolg abzielt, sondern auf eine nachhaltige, transparente Geschäftsführung und langlebige Produkte. Im September präsentierte das Unternehmen an der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin nicht etwa wie alle anderen ein neues Handy, sondern «nur» eine neue Kamera für ihr bestehendes Modell.

Das ist genau das Prinzip dieses Herstellers: Nicht den Markt mit immer neuen Geräten fluten, sondern dank modularer Bauweise bestehende Modelle Stück für Stück weiterentwickeln. Denn dank der simplen Steckbauweise kann wie bei Lego die alte oder beschädigte Kamera entfernt und durch eine neue ersetzt werden, ohne gleich das ganze Handy auswechseln zu müssen. Eine simple, aber wertvolle Massnahme, um gegen die weltweit jährlich rund 40 Millionen Tonnen Elektroschrott anzukämpfen.

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Was wir alle tun können

Eine solche Unternehmensstrategie verfolgen aber die wenigsten Hersteller. Aufgrund der globalen Strukturen der Branche ist eine Sanktionierung von unternehmerischem Fehlverhalten äusserst kompliziert. Die Schweizer Nichtregierungsorganisation Public Eye, welche diesen und andere Wirtschaftszweige seit Jahren kritisch überprüft und kommentiert, hat hierzu einfache Handlungsoptionen zusammengestellt, die sich jede und jeder von uns zu Herzen nehmen kann:

  • Handys möglichst lange verwenden und weitergeben, wenn sie nicht mehr gebraucht werden
  • Defekte Smartphones reparieren lassen und sonst kostenlos bei einem Händler oder einer offiziellen Abgabestelle zurückgeben
  • Auf das neue Gratis-Handy vom Netzbetreiber verzichten und stattdessen eine Vertragsverbilligung verlangen
  • Bei Handyanbietern und -herstellern nachfragen: Was wird unternommen, um Menschenrechtsverletzungen in der gesamten Lieferkette zu verhindern und internationale Arbeitsstandards einzuhalten?

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Marius Schlegel ist Experte für klimafreundliche Services, Mobile Aid sowie Energie- und Klimapolitik im Corporate-Responsibility-Team von Swisscom.
Bild: Swisscom

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