Weltweite Datenmenge steigt rasant – wieso belastet das die Umwelt?

Res Kindler

29.5.2020 - 17:13

In der Cloud gespeicherte Daten füllen weltweit Tausende Serverfarmen und Rechenzentren. Diese müssen Lösungen finden, wie sie energieeffizient und nachhaltig arbeiten können. (Symbolbild)
Bild: Getty Images

Ein Film, der gut zweieinhalb Jahre dauert: So gross ist das Datenvolumen, das ein Mensch pro Jahr durchschnittlich produziert. Die Serverfarmen, wo diese Daten gespeichert sind, stellen eine immer grössere Umweltbelastung dar. Nachhaltige Lösungen sind aber in Sicht.

«Speicher fast voll» – wenn Smartphones oder Computer mit dieser Meldung Alarm schlagen, hiess es früher noch löschen, löschen, löschen. In mühsamer Arbeit mussten wir uns von Apps, alten Fotos und Nachrichten trennen.

Heute ist das nicht mehr nötig; Cloud sei Dank. Einfach und unkompliziert lässt sich das virtuelle Wölkchen mit dem Gerät verbinden, und wir können Daten horten, was das Zeug hält.

Das Ergebnis: eine ziemlich grosse Datenflut. Eine Person produziert heute im Durchschnitt rund acht Terabyte Daten im Jahr. Das entspricht dem Volumen eines Films, der gut 2,5 Jahre dauert.

So hat die Menschheit im Jahr 2018 ganze 33 Zettabytes Daten generiert. Statista geht davon aus, dass diese Zahl bis im Jahr 2025 auf 175 Zettabytes ansteigt und sich somit verfünffacht.  

Realität Serverfarmen

Die Vorstellung vom Datenwölkchen, das irgendwo herumschwirrt, ist natürlich eine Illusion. In der Realität handelt es sich um Tausende Computer, die in Rechenzentren oder Serverfarmen rund um die Uhr arbeiten. Die Anlagen sind für das Funktionieren unseres heutigen Alltags kritisch, da ein Grossteil der systemrelevanten Infrastruktur von ihnen abhängt.

Blick in die Serverhalle von Facebook in Lulea, Schweden.
Bild: Keystone

Die Schattenseite der Rechenzentren: Sie sind sehr energieintensiv und belasten die Umwelt. Es braucht Strom, um die Rechner zu betreiben. Wegen der Abwärme müssen die Serverräume gekühlt werden, wofür es Klimaanlagen oder andere Kühlgeräte braucht, die ebenfalls energieintensiv sind. Damit machen Rechenzentren rund einen Fünftel des weltweiten digitalen Energieverbrauchs aus.

Energieeffiziente Lösungen auf dem Vormarsch

Swisscom betreibt zwölf solcher Anlagen. Nebst eigenen Produkten wie Swisscom-TV laufen unter anderem auch Anwendungen wie das E-Banking dutzender Banken über die Anlagen von Swisscom.

Das Rechenzentrum Wankdorf in Bern ist eine der energieeffizientesten Serverfarmen Europas. Mit verschiedenen Massnahmen erreicht die Anlage einen Gesamtenergieverbrauch, der 40 Prozent tiefer liegt als bei vergleichbaren Anlagen.

Bei herkömmlichen Anlagen wird nur rund die Hälfte des bezogenen Stroms für die eigentliche Rechenleistung eingesetzt. Der Rest entfällt auf Kühlung, Lüftung und sonstige Stromversorgung. Das Rechenzentrum Wankdorf erreicht hier eine Energieeffizienz von 84 Prozent.

Intelligentes Kühlsystem: Die Abwärme des Swisscom-Rechenzentrums wird ins Fernwärmenetz der Stadt Bern geleitet und beheizt direkt Wohnungen in der Nachbarschaft.
Bild: Swisscom

Gekühlt werden die Serverräume mit einem System aus Umluft und Regenwasser, womit im Vergleich zu herkömmlichen Systemen 75 Prozent Kühlenergie eingespart wird. Die produzierte Abwärme wird zu 100 Prozent aufgefangen und in das Fernwärmenetz der Stadt Bern geleitet, wodurch sie direkt Wohnungen in der Nachbarschaft beheizt.

Die Massnahmen beim Rechenzentrum Wankdorf tragen dazu bei, dass Swisscom heute (2019) gemeinsam mit ihren Kunden netto rund 170 kT CO2 einspart. Das entspricht den Emissionen von rund 31'000 Schweizerinnen und Schweizern.

Kollektive Datenspeicher nachhaltiger als private

Auch wenn Rechenzentren sehr energieintensiv sind, ist die kollektive Datenspeicherung am Ende effizienter, als wenn jede und jeder seinen eigenen, privaten Server hätte. Der Bezug von IT-Leistungen aus der Cloud spart bis zu 90 Prozent Energie gegenüber privaten Servern.

Nutzerinnen und Nutzer sind gefragt

Nur weil Rechenzentren nachhaltiger betrieben werden können, rechtfertigt das nicht, dass Daten unnötig und achtlos gehortet werden. Antonio Neri, CEO von Hewlett Packard Enterprise, sagte am diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos, dass lediglich sechs Prozent der Daten, die produziert werden, tatsächlich genutzt werden. Der Rest lande auf dem Datenmüllplatz.

Wir alle sind also gefordert, hin und wieder etwas Ordnung in der eigenen Cloud zu schaffen. Behalten Sie nur, was Sie wirklich brauchen oder Ihnen am Herzen liegt. Der Rest verbraucht nur unnötig Energie.

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Andreas Kindler: «Der Autor ist im CR-Team von Swisscom Experte für Energie- und Umweltmanagement.»
Bild: Swisscom
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