Wie telefonieren eigentlich gehörlose Menschen?

11.9.2019 - 18:16, Stefanie Haag

Corina Arbenz ist eine von 10’000 Gehörlosen in der Schweiz. 
Swisscom

Video-Applikationen wie Facetime und Co. ermöglichen es Gehörlosen, sich untereinande unkompliziert über das Smartphone auszutauschen. Was aber, wenn das Gegenüber keine Gebärdensprache versteht? 

Corina Arbenz ist eine von rund 10’000 Personen in der Schweiz, die vollständig gehörlos sind. Bereits alltägliche Situationen können sie vor Herausforderungen stellen.

Gerade die direkte, persönliche Kommunikation mit Hörenden erweist sich oft als schwierig – vor allem dann, wenn man sich mit Fremden verständigen möchte: «Mit Leuten, die mich kennen oder die Erfahrung haben im Umgang mit Gehörlosen, funktioniert die Kommunikation auch ohne Gebärdensprache, nur mit Lippenlesen», gebärdet Arbenz im Beisein eines Dolmetschers.

«Wenn mein Gesprächspartner aber nicht sauber artikuliert oder keinen Blickkontakt zu mir hält, kann ich ihn nicht verstehen – und er mich vermutlich auch nicht. Womöglich hält er mich wegen meiner Aussprache für eine Ausländerin oder Fremdsprachige. Sich aber gar nicht verstehen, kommt selten vor. Es gibt immer einen Weg.»

Trotzdem bleibt es eine Herausforderung

Nichtdestotrotz: Gewisse Situationen erschweren Arbenz die Kommunikation. Etwa in grösseren Gruppen, wo es unmöglich ist, alle Gesprächsteilnehmer immerzu genau zu beobachten. Oder aber, wenn man mit jemandem kommunizieren muss, der kein Smartphone hat und das Thema zu persönlich, zu kompliziert oder zu dringend ist, um eine E-Mail zu schreiben.

Corina Arbenz setzt sich für die Akzeptanz von Gehörlosen in der Schweiz ein.
Bild: Swisscom

Möchte man zum Beispiel etwas mit seiem Arzt besprechen oder bei einer Behörde etwas nachfragen oder besprechen, kommen FaceTime und Co meist nicht in Frage. Zudem bestünde dann immer noch das Problem, dass dafür beide Seiten der Gebärdensprache mächtig sein müssen.

Für solche komplexen Situationen finanziert die IV Dolmetscherinnen und Dolmetscher – jedoch nur in begrenzter Anzahl. Corina Arbenz muss deshalb stets abwägen, für welche Anlässe sie wirklich auf einen Dolmetscher angewiesen ist.

Neue Angebote öffnen Türen

Hier setzt das Angebot Swisscom und Procom an, die Stiftung für Kommunikationshilfen für Hörgeschädigte: Der kostenlose VideoCom-Dienst. Dank diesem telefonieren Schwerhörige und Gehörlose in Gebärdensprache – auch wenn der Gesprächspartner diese nicht versteht:

Die gehörlose Person ruft mit ihrem Smartphone, Tablet oder Videotelefon die VideoCom-Vermittlung von Procom an. Eine Dolmetscherin oder ein Dolmetscher für Gebärdensprache stellt die gewünschte Verbindung mit einer hörenden Person her. Sind beide Gesprächspartner in der Leitung, übersetzt die Dolmetscherin simultan zu beiden Seiten.

Corina Arbenz nutzt den VideoCom-Dienst von Swisscom und Procom: Sie wählt die App «MyMMx tc Procom» und wird nach einer kurzen Wartezeit mit einer Gebärdensprach-Dolmetscherin verbunden. Per Handzeichen vermittelt Arbenz ihr die Telefonnummer der Person, mit der sie sprechen möchte. Heute ist es ihre Mutter. Denn diese versteht keine Gebärdensprache.

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Stefanie Haag ist im Team Corporate Responsitility tätig und zuständig für Reporting und Employee Engagement.
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