So starten Schweizer Kreuzfahrten wieder

Jennifer Furer

3.8.2020 - 13:22

Die Schweizer Reederei MSC Cruise will wieder in See stechen.
Keystone

Die Coronakrise hat die Kreuzfahrtbranche in ein tiefes Loch gestürzt. Nun wagen die Reedereien einen Neustart – so auch die Schweizer MSC Cruises, eine der grössten Reedereien der Welt.

Schon vor der Coronakrise waren Kreuzfahrten harscher Kritik ausgesetzt: Sie verschmutzten Luft sowie Ozeane und die Arbeitsbedingungen an Bord seien alles andere als optimal.

Dies hielt die Menschen jedoch nicht davon ab, ihre Ferien auf dem Schiff zu verbringen. Doch dann kam Corona und die Branche stürzte in ein tiefes Loch. Begonnen hat der Sturz ins Dunkle auf dem Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess».

Nachdem bei einem Passagier das Coronavirus nachgewiesen worden war, mussten alle 3'700 Menschen an Bord zwei Wochen in Quarantäne. Mehr als 700 Passagiere steckten sich dennoch mit dem Erreger an, sieben starben.

Keine Landgänge

Der Imageschaden war angerichtet. Nach und nach stellten die Reedereien ihren Betrieb ein. Fast vier Monate lang herrschte ein kompletter Kreuzfahrtstillstand auf den grossen Meeren dieser Welt.

Nun stechen die ersten Kreuzfahrtschiffe wieder in See – trotz steigender Coronafallzahlen weltweit, dafür mit strengen Auflagen: Die Passagierkapazität wird vermindert, die Reisen verkürzt und nur Passagiere aus ausgewählten Ländern dürfen an Bord. Bei Aida und Tui Cruises sind zudem Landgänge bis auf Weiteres untersagt.

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Auch die norwegische Reederei Hurtigruten nahm ihren Betrieb wieder auf. Das Resultat: Mindestens 36 Passagiere eines Schiffes steckten sich mit dem Coronavirus an. An Bord befanden sich insgesamt 387 Menschen.

Die Hurtigruten teilte mit, dass vier betroffene Besatzungsmitglieder zuvor bereits für mehrere Tage auf dem Schiff isoliert worden waren, weil sie Krankheitssymptome gezeigt hätten – allerdings keine coronatypischen. «Es gab keinen Grund, Covid-19 zu vermuten, als das Schiff in Tromsö anlegte», so das Unternehmen.

Inzwischen hat die Hurtigruten ihren Betrieb wieder eingestellt, wie «der Spiegel» berichtet. Und auch die Aida Cruises musste ihren Neustart wegen einer fehlenden Bewilligung verschieben. Dies hatte allerdings nichts damit zu tun, dass bei Crewmitgliedern Corona-Infektionen festgestellt wurden – dies, bevor sie an Bord gegangen waren.

MSC fehlt finale Genehmigung fehlt

Meldungen über Coronainfektionen auf Kreuzfahrtschiffen können der Branche, die sich ohnehin in einer schwierigen Lage befindet, weiter schaden – und sie lassen einen Normalbetrieb in weite Ferne rücken.

Bisher unklar blieb, wie die Schweizer MSC Cruises mit Sitz in Genf ihren Betrieb wiederaufnehmen will. Heute Montag teilte die Reederei nun mit, dass auch sie sich auf einen möglichen Neustart in diesem Sommer im Mittelmeer vorbereite. Ein konkretes Datum wird nicht genannt, da die erforderliche finale Genehmigung durch die Behörden noch aussteht.

An einer Pressekonferenz von heute Montag in Italien erläuterte MSC-CEO Gianni Onorato das Schutzkonzept. So müssten sich alle Passagiere und Besatzungsmitglieder einem Covid-19-Test und Temperaturkontrollen vor der Einschiffung unterziehen. Landausflüge seien möglich, jedoch nur im Rahmen eines von der MSC durchgeführten Ausfluges. 

Führt durch turbulente Zeiten: MSC-CEO Gianni Onorato.
Keystone

Die einzelnen Ausflugsziele werden vorab von der MSC überprüft. Bei den Attraktionen gebe es zudem reservierte Bereiche für Kreuzfahrtpassagiere. 

«Durch diese Entscheidung kann das Unternehmen sicherstellen, dass jeder Moment, den die Gäste an Land verbringen, den entsprechenden Gesundheits- und Hygienestandards entspricht», heisst es seitens der Schweizer Reederei.

Nur Gäste aus Schengen-Raum

Insgesamt zwei Schiffe der MSC Cruises bereiten sich momentan auf den Neustart vor – das Flaggschiff der Flotte, die MSC Grandiosa, und die MSC Magnifica. Die MSC Grandiosa wird Sieben-Nächte-Kreuzfahrten im westlichen Mittelmeer anbieten und die MSC Magnifica wird im östlichen Mittelmeer eingesetzt werden.

So sieht es im Innern der MSC Grandiosa aus.
MSC Cruises

Für diese erste Phase der Wiederaufnahme würden die beiden Schiffe zunächst nur Gäste aufnehmen, die in Schengen-Ländern lebten.

Auch zu den geplanten Reiserouten gab MSC erste Details bekannt und nannte Griechenland sowie Malta als Destinationen, wo die Behörden nicht nur ihre Häfen wieder für Kreuzfahrten geöffnet haben, sondern auch das neue Gesundheits- und Sicherheitsprotokoll bereits genehmigten.

Diese Auswahl erklärt MSC weiter durch die generell gute Erreichbarkeit der dortigen Häfen. «Dadurch wird die Notwendigkeit, öffentliche Verkehrsmittel oder Flüge für die An- und Abreise zu benutzen – wo möglich –, reduziert.»

Weiter kündigte MSC an, Absicherungskosten von 18 Euro respektive 20 Franken pro Person übernehmen zu wollen, sollte sich ein Gast vor der Abreise infiziert haben und nicht anreisen können. Diesen Beitrag will man auch während der Kreuzfahrt für anfallende medizinische Dienstleistungen oder nach der Reise übernehmen, wenn der Gast erkrankt sein sollte.

Armband, um Gäste zu tracken

An Bord steht den Gästen laut Onorato eine APP zur Verfügung, um Dienstleistungen zu buchen, tägliche Aktivitäten zu verwalten und Informationen zu beschaffen. Ausserdem gebe es ein kostenloses Armband, um kontaktlose Transaktionen auf dem Schiff durchzuführen sowie die Kontaktnachverfolgung zu ermöglichen.

Sollte es trotz dieser Vorkehrungen auf einem Schiff zu einem Verdachtsfall kommen, wird laut MSC Cruises ein Notfallplan aktiviert – in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Gesundheitsbehörden. Der Verdachtsfall und enge Kontakte werden in jedem Fall isoliert und können gemäss den lokalen und nationalen Vorschriften von Bord gebracht werden.

«Mit all diesen Massnahmen möchten wir unseren Gästen einen Urlaub bieten, der so sicher wie nur möglich ist», bilanzierte Onorato an der Pressekonferenz.

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