Costa degli Etruschi: Wo die Toskana Meer kann

3.10.2018 - 14:53, dpa

Die Costa degli Etruschi verbindet die klassischen Merkmale der Toskana mit dem Meer.
Bild: Toscana Promozione Turistica
Weingut Tenuta dell'Ornellaia: Hier entstehen ausgezeichnete Weine.
Bild: Paolo Woods/Ornellaia
Seit mehr als 100 Jahren trotzen die Bäume in der Zyperessen-Allee auf dem Weg nach Bolgheri dem Wetter.  Die schnurgerade Strasse ist weltberühmt.
Bild: Toscana Promozione Turistica
Toskanische Spezialitäten bieten viele Geschäfte in Bolgheri.
Bild: Bernhard Krieger
Die Stadt lockt nicht nur Kultururinteressierte, sondern auch Liebhaber vorzüglicher Weine an.
Bild: Bernhard Krieger
Die Festung von Populonia ist ein beliebtes Ziel von Velotouristen in der Toskana. 
Bild: Toscana Promozione Turistica
Restaurant La Pineta am Strand von Marina di Bibbona: Es ist das kulinarische Höhepunkt an der Costa degli Etruschi.
Bild: Bruno Bruchi/La Pineta
Luciano Zazzeri ist Küchenchef im Sternerestaurant La Pineta in Marina di Bibbona.
Bild: Bruno Bruchi/La Pineta
Feinschmecker raten hier zur Pappardelle al cinghiale. 
Bild: Bernhard Krieger
Auf dem Weingut San Guido werden Spitzenweine hergestellt, unter anderem der Sassicaia.
Bild: Etienne Hunyady/Tenuta San Guido
Weinreben auf dem Weingut Tenuta San Guido im Hinterland der Costa degli Etruschi. Wer einen guten Tropfen mag, ist in der südwestlichen Toskana richtig. 
Bild: Etienne Hunyady/Tenuta San Guido
Gute Badebedingungen bietet der Strand von Marina di Castagneto Carducci. 
Bild: Bernhard Krieger
Malerische Hügel, vortreffliche Restaurants und Küste: Das bietet die Costa degli Etruschi in der südwestlichen Toskana.
Bild: dpa

Wenn es überhaupt noch Geheimtipps in der Toskana gibt, dann gehört die Costa degli Etruschi dazu. Der Südwesten der Region ist nicht nur ein Paradies für Weinkenner, Gourmets und Radfahrer. Zwischen Livorno und Piombino wartet ausserdem – das Meer.

Schnurgerade führt die berühmteste Zypressenallee Italiens von San Guido hinauf nach Bolgheri. Fast fünf Kilometer ist sie lang. Mehr als 2500 Zypressen stehen erhaben Spalier, ihre Anpflanzung in Reih und Glied macht sie zum Kunstobjekt und Wahrzeichen der Region.

Seit weit mehr als 100 Jahren trotzen die Bäume Winterstürmen und Sommerhitze. Und selbst die Abgase von Tausenden Autos und Motorrädern ertragen sie stoisch.

Anfang des 20. Jahrhunderts verirrte sich kaum jemand in die ärmliche Gegend südlich der Hafenstadt Livorno. In den Wäldern wurde gejagt, an der Küste gefischt und auf den Feldern Obst, Gemüse und Getreide angebaut. Aus Trauben kelterte man nur einfache Zechweine.

Aufgeweckt wurde die Gegend nach dem Krieg, als der von den Deutschen angeheizte Strandtourismus von der Adria herüberschwappte. Wirklich wachgeküsst aber wurde sie erst durch den Erfolg der Winzer.

Weine zählen zu den besten der Welt

Weine wie Sassicaia, Ornellaia und Masseto gehören zu den besten der Welt, zum erlauchten Kreis der «Supertoskaner», die Piero Antinori Anfang der 1970er Jahre mit dem Tignanello erfand. Statt auf die in der Toskana am weitesten verbreitete Sangiovese-Traube zu setzen, kreierte Antinori eine neuartige Cuvée.

Bolgheris Topweine wiesen Geniessern den Weg in die Südwestspitze der Toscana. In eine Gegend, die Besuchern neben Weinbergen, lieblichen Hügeln und mittelalterlichen Städten noch mehr zu bieten hat – das Meer.

Von Bolgheri und Castagneto Carducci aus ist es gerade mal eine Viertelstunde bis zum Strand. Blickt man von der Burg von Bolgheri die Zypressenallee entlang, sieht man schon das Meer. Kilometerlang erstrecken sich Sandstrände zwischen Orten, in denen sich kleine Seebäder mit Bars und Restaurants aneinanderreihen.

Die Burg von Rosignano Marittimo bietet einen wunderschönen Rundumblick.
Bild: Getty Images

Schöner als die grobkörnigen Sandstrände bei Bolgheri sind die feinen weissen südlich von San Vincenzo. Das Städtchen ist das maritime Zentrum der Gegend mit Hunderten Segel- und Motorjachten. Entlang der grossen Marina reiht sich hinter einem historischen Kinderkarussell eine Bar an die nächste. Am späten Nachmittag füllen sich die Lounge-Sessel mit Seglern, Touristen und Einheimischen.

Blick schweift immer wieder nach Elba

Ein paar Kilometer weiter südlich tummeln sich Dutzende Hunde an San Vincenzos Hundestrand in den Fluten. Wer am Strand als Zweibeiner seine Ruhe haben möchte, findet zwischen San Vincenzo und Populonia sicher einen Platz. Der Pinienhain zwischen Strand und Strasse ist hier zum Teil 200 Meter breit. Besonders schön ist die von zwei Landzungen eingefasste Bucht von Baratti.

Darüber thront der Festungsort Populonia. Die 170 Höhenmeter sind ein beliebtes Etappenziel für Rennvelofahrer auf Touren bis ins 600 Meter hohe Hinterland. Mountainbiker und Wanderer zieht es in einen Küstengebirgspark zwischen Populonia und Piombino mit einsamen Badebuchten und schmalen Wegen. Immer wieder schweift der Blick hinüber zur Insel Elba.

Die 20 schönsten Strände der Welt

In Baratti ankern Segeljachten vor dem Ristorante Canessa. Es ist eines von vielen Fischrestaurants an diesem Küstenabschnitt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Dazu zählen auch das «Santa Lucia» in Marina di Castagneto Carducci mit seinen herausragenden Linguini mit Lobster sowie das «El Faro» in Cecina Mare.

Das kulinarische Höhepunkt an der Küste ist das seit vielen Jahren vom «Guide Michelin» mit einem Stern ausgezeichnete «La Pineta» am Strand von Marina di Bibbona. Küchenchef Luciano Zazzeri zelebriert dort eine klassisch mediterrane Küche.

Fleisch oder Fisch: Die Auswahl ist reisig

Für Feinschmecker ist der Südwesten der Toscana ein Paradies, weil er beides bietet: Fisch und die sehr fleischlastige toskanische Küche. Wenige Kilometer vom Strand entfernt ist das Meer vergessen, auch in den Gässchen und auf den Plätzen von Bolgheri mit seinen vielen romantischen Weinbars und Restaurants.

Auf der von Wein überwucherten Terrasse der Taverna del Pittore»muss man die Pappardelle al cinghiale probieren. «Breite Nudeln mit Wildschwein-Sauce sind die Spezialität unserer Region», sagt Besitzer Goffredo d'Andrea.

Wildschwein kommt auch im Fleischtempel der Gegend, der Osteria Magona, auf den Tisch. Noch beliebter bei Küchenchef Omar Barsacchi sind die riesigen Fiorentina-Steaks. «Unser Fleisch liefert Dario Cecchini, der beste Metzger der Toscana», erzählt Barsacchi. Die perfekt gereiften Steaks des Kultmetzgers aus dem Chianti grillt Barsacchi inmitten der Weingärten an der Strada dei Vini.

Wie im «La Pineta» an der Küste hat auch in der «Magona» die Weinkarte Buchformat. Noch besser als die Auswahl sind die Preise: Die Restaurants im Südwesten der Toskana schlagen auf viele Weine nur wenige Euro auf. Da trinkt man gerne ein Glas mehr. Nur mit dem Autofahren sollte man dann vorsichtig sein. Auch wenn die Zypressenallee schnurgerade verläuft.

Reiseziel: Costa degli Etruschi, Toskana

Die Costa degli Etruschi im Südwesten der Toskana bietet eine seltene Kombination: liebliche Hügellandschaft und lange Sandstrände. Dazu kommen Weltklasseweingüter, hervorragende Restaurants und ein aussergewöhnlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Anreise: Der nächste internationale Flughafen ist Pisa. Von dort dauert die Fahrt mit dem Auto nach Bolgheri rund 45 Minuten. Einige Orte an der Küste sind an das Bahnnetz angeschlossen.

Reisezeit und Klima: Die Hochsaison dauert von Mitte Juni bis Ende August, danach wird es angenehm ruhig. Velofahrer und Wanderer bevorzugen ohnehin das Frühjahr und den Herbst. Von Juni bis September steigen die Höchsttemperaturen auf im Schnitt 26 bis 29 Grad Celsius. Im Mai und Oktober liegen sie zwischen 22 und 23 Grad. Das Meer wird in den Sommermonaten bis zu 22 Grad warm.

Das farbenfrohe Schloss von Sammezzano
Zurück zur Startseite

Weitere Artikel