Schlafen in der Kapsel – ein boomender Hoteltrend

DPA/tafi/gbi

7.3.2020 - 18:00

Blick auf die Schlafkapseln im Kapselhotel Area 24/7 in der Karlsruher Innenstadt. 
Source: Christoph Schmidt/dpa

Als würde man im Raumschiff in den Schlaf gebeamt: In Kapselhotels schläft es sich futuristisch. Das Angebot ist in Europa auf dem Vormarsch und soll nun ausgebaut werden – nicht zuletzt in der Schweiz. 

Mitten in Karlsruhe, zwischen türkischen Imbissstuben und einem Restpostenhändler, liegt für Taimuraz Chanansvi die Zukunft der Hotelbranche: das Kapselhotel Area 24/7. Lange Gänge mit Hotelzimmern links und rechts findet der müde Gast darin nicht, sondern doppelstöckige Reihen aus weissen Schlafkabinen, die an eine Mischung aus Waschsalon und Science-Fiction-Film erinnern. Wie Stockbetten sind die mit Kunststoff verkleideten Schlafkabinen angeordnet.

Klein, günstig und vor allem bislang einzigartig in Deutschland ist das Angebot, sagt Chanansvi. Er will die Kapselhotels weiter etablieren. Sie sollen seine Antwort auf Platzmangel und teuren Wohnraum in Grossstädten sein.



Die Idee der kleinen Schlafräume mit Schliessfach-Charme kommt ursprünglich aus Japan. Auch die Schweiz hat der Trend erreicht: In der Luzerner Altstadt etwa steht das Capsule Hotel, das erste seiner Art in der Schweiz. Jedoch war der Start mehr als holprig: Nach der ursprünglichen Eröffnung Ende 2018 musste das Hotel nach nur wenigen Wochen wieder schliessen, da es Probleme mit den behördlichen Bewilligungen gab.

Doch seit dem Neustart vor gut einem Jahr läuft es offenbar besser. Im April wird ein zweiter Standort in Basel eröffnet, wie es auf Anfrage von «Bluewin» heisst. 

Gedacht sind solche Angebote für Reisende mit geringerem Budget – und ohne Platzangst. Wird es im Kapselhotel in Karlsruhe etwa Zeit für die Nachtruhe, schliesst sich per Knopfdruck die Schiebetür Kabine. 56 dieser Kapseln gibt es dort, die sich auf zwei unauffällige Gebäude verteilen. Duschgeräusche und Gesprächsfetzen aus den Aufenthaltsräumen, die man gemeinsam mit anderen Besuchern nutzen kann, bleiben draussen.

Jung, flexibel und verdrahtet

«Klein, aber mein» – das könnte der Hotelgast denken, zumindest für die Nacht in dem rund ein Meter hohen Räumchen mit der Grösse einer Doppelbettmatratze. Ein Feuerlöscher gehört ebenso zur Ausstattung wie ein Notfallknopf und ein Lüftungsschacht, ein Temperaturregler und ein Flachbildschirm, gratis Internet, ein Kopfhörer und zwei USB-Anschlüsse.



Eine Ausstattung, die sich vor allem an die Zielgruppe «jung, flexibel und verdrahtet» richtet. «Wir haben sehr oft Studenten bei uns. Vor allem während der Messe Learntec war das ein gefragtes Angebot», sagt Elena Rozhkovavon von Area 24/7. Die meisten Besucher kämen für Kurzaufenthalte. Und ab und zu seien auch Japaner dabei.

Nach Angaben des Betreibers Space Development Group hat sich das Angebot seit Mai vergangenen Jahres so sehr etabliert, dass es nicht nur in Karlsruhe ausgebaut wurde. Bald soll es auch in anderen deutschen Städten Ableger geben, darunter in Heidenheim, aber auch in München, Dresden und Frankfurt. «In Baden-Württemberg wird das nächste Kapselhotel nach Stuttgart kommen, allerdings wohl erst in ein oder zwei Jahren», sagt Chanansvi.

Neues Leben für alte Gebäude

Der Israeli aus Heidenheim, Geschäftsführer des Unternehmens, will mehr als nur die Zimmerstatistik erweitern: «Wir wollen alten Gebäuden neues Leben verleihen», sagt er. Wo heute die Karlsruher Kabinen als schalldichte Matratzenkisten stehen, war früher ein Kino.



Die Branche ist weniger optimistisch: «In der Nische wird es sicher eine Chance geben», sagt Daniel Ohl vom deutschen Hotelverband Dehoga. «Aber den grossen Trend sehen wir nicht.» Derzeit würden im Land sehr viele Hotelzimmer gebaut. 

Chancen in der Nische

Da kann es schwierig werden, sich als neuer Anbieter zu platzieren. Trotzdem suchen auch andere aussergewöhnliche Hotels ihre Chance in der Nische.

Ganz für sich sind Gäste zum Beispiel in der Tower Suite in einem ehemaligen Wasserturm, ebenfalls in Karlsruhe. Hier haben nur zwei Gäste Platz. Der Turm wurde 1877 erbaut und ist sowohl aussen als auch innen denkmalgeschützt. Er beherbergt genau ein Schlafzimmer und ein Bad.

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