Reitwege Hoch zu Ross durch den wilden Jura

Von Isabel Plana

10.7.2020

Der Jura ist erst richtig Jura, wenn man ihn vom Pferderücken aus erlebt.
Der Jura ist erst richtig Jura, wenn man ihn vom Pferderücken aus erlebt.
Bild: Isabel Plana

Der Jura wird nicht umsonst als Wilder Westen der Schweiz bezeichnet. Unberührte Natur, Canyons, weite Ebenen – und Pferde, wohin man schaut.

Schnaubend und schwitzend stampfen sie mit fleissigen Schritten den Berg hoch. Man merkt den stämmigen Freiberger-Pferden an, dass sie einst für schwere Arbeiten gezüchtet wurden.

Nach 10 Kilometern und 500 Höhenmetern auf dem Col de Montvoie angekommen, werden die Rösser mit frischem Gras belohnt, und wir Reiter mit einer tollen Aussicht.

Im Norden die weitläufigen Landschaften der Ajoie, die wir hinter uns gelassen haben, im Süden das wilde Tal des Doubs. In diesen beiden Regionen befinden sich zwei von insgesamt neun Reitwegnetzen, die in den vergangenen fünf Jahren im Rahmen des Projekts «Marguerite» entstanden sind.

Agrotourismus stärken

Ziel des Projekts, das mehrere touristische Organisationen der Kantone Jura und Bern gemeinsam lanciert haben, ist es, den Agrotourismus in der Jura-Region zu stärken. Bis 2021 werden rund 1000 Kilometer Reitwege geschaffen – 700 Kilometer existieren bereits –, welche diverse agrotouristische Unterkünften verbinden, in denen die Reittouristen auf ihren Touren einkehren können.

Geneviève Sahy Wille ist Pionierin in Sachen Reittourismus.
Geneviève Sahy Wille ist Pionierin in Sachen Reittourismus.
Bild: Isabel Plana

«Zielgruppe sind einerseits Reiter, die mit ihren eigenen Pferden anreisen und die Region auf eigene Faust erkunden. Und andererseits Gäste, die Bauernhofferien und geführte Ausritte oder auch Kutschenfahrten machen wollen», erzählt Geneviève Sahy Wille, die im Projekt «Marguerite» mit der Entwicklung des Reitwegnetzes beauftragt wurde.

Sie ist eine Pionierin in Sachen Reittourismus. Als Gründerin und Präsidentin des Vereins AREF (Association pour un Résau Equestre aux Franches Montagnes et environs) hat sie bereits vor über 20 Jahren den Bau eines Reitwegnetzes in den Franches-Montagnes angestossen und vorangetrieben. Heute sind die Freiberge unter Pferdefreunden und Reit-Fans sozusagen eine Trend-Destination.

Eine komplexe Angelegenheit

Das Potential dazu haben auch die anderen, weniger bekannten Regionen des Jurabogens, in denen Sahy Wille in den vergangenen Jahren als Reitführerin unterwegs war. «Meine Aufgabe ist es, Wege auszumachen, die für die Pferde geeignet und für die Reiter attraktiv sind, und die sich zu kurzen und längeren Touren mit Einkehrmöglichkeiten verbinden lassen.»

Wohlverdiente Pause für die Pferde.
Wohlverdiente Pause für die Pferde.
Bild:  Isabel Plana

Eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Ihre langjährige Erfahrung kommt ihr dabei zugute. Vor allem auch, wenn es um die menschliche Komponente geht. «Das Einverständnis von Gemeinden, Bauern und anderen Landbesitzern einzuholen, braucht Fingerspitzengefühl, manchmal Überzeugungsarbeit und meistens viel Geduld.»

Am Ende haben aber alle etwas davon. In der Region Franches-Montagnes bringen die Reittaxe und die Erlöse aus Übernachtungen von Reittouristen jährlich um die 49'000 Franken.

Für uns wird es Zeit, uns zurück in den Sattel zu schwingen. Wir haben nochmal gut zehn Kilometer vor uns bis nach Ocourt am Ufer des Doubs. Ein letzter Blick auf die Reit-Tourenkarte und weiter geht’s.

Der Wilde Westen ruft.

Diese Reportage erschien zuerst in der «Echo», der Zeitung der Berghilfe. Die Schweizer Berghilfe hat einen finanziellen Beitrag zur Befestigung und Beschilderung der Reitwege sowie zur Errichtung von Reittoren geleistet, welche das Passieren von Weiden ermöglichen.

Zurück zur Startseite