Ko Lanta in Thailand versucht die Gratwanderung

dpa/sob

7.1.2021 - 04:39

Thailand ist ein Inselparadies. Doch wo gelingt die Gratwanderung zwischen touristenfreundlicher Infrastruktur und der Abwesenheit von Massentourismus? Wir haben da einen Vorschlag.

Ein paar abenteuerliche Stufen aus Bambus führen den Berghang hinab. Schon währenddessen fällt der Blick auf das Türkisblau des Meeres. Unten angekommen betritt man den feinen Sand des wohl schönsten Strandes auf Ko Lanta: Nui Bay.

Die Sichelform ist nahezu perfekt. Vor einem öffnet sich die Andamanen-See mit ihrem kristallklaren Wasser, im Rücken erhebt sich eine Berglandschaft aus dem saftigsten Tropengrün, das man sich vorstellen kann. So sieht wohl ein Inselparadies aus.

Ein Lob auf die Bequemlichkeit der anderen

Erstaunlicherweise ist Nui Bay immer noch ein Geheimtipp auf Ko Lanta. Eine Holz-Strandbar am Wasser, eine weitere am Berghang, mehr gibt es hier nicht. Sicher liegt es daran, dass sich der Strand weit im Südwesten der Insel verbirgt. Vermutlich aus reiner Bequemlichkeit bleiben die meisten Besucher an einem der vielen Strände weiter nördlich hängen, wo auch das Gros der Unterkünfte zu finden ist. Und es ist ja nicht so, dass es dort an Schönheit mangeln würde.

Der lebendigste und populärste Strand ist Long Beach ganz im Norden. Hier kann man feiern, Cocktails schlürfen oder in einem der vielen Restaurants genüsslich speisen. Auch zum Joggen und für morgendliches Work-out ist man hier richtig. Zudem hat sich rund um den Strand eine solide Infrastruktur aus Tauchschulen, Shops, Fitnessstudios und vielfältigen Herbergen gebildet. Einen verträumten Zauber wird man hier aber kaum finden. Den gibt es weiter südlich – am Relax Beach.

Barrakuda zum Sonnenuntergang

Von der Küstenstrasse kommend, müssen sich Urlauber bei ihrem ersten Besuch ein wenig durch die Wohnanlagen hindurch manövrieren – bis sie die Barrakuda-Bar gefunden haben. Doch die Mühe ist es wert.

Wie der Name es vermuten lässt, bekommt man hier jeden Tag frische Barrakuda-Gerichte. Egal ob in Süsssauer-, Curry- oder Pfeffer-Sosse, dem saftig-zarten Fisch zu unschlagbaren Preisen verfällt man leicht. Und so gibt es hier oft ein treues Stammpublikum.

Am Relax Beach trifft man sich aber auch zum Sonnenuntergang, der wohl nirgendwo anders schöner ausfällt. Zur rechten Seite legen Fischerboote in einer kleinen Bucht an, zur linken erhebt sich ein wilder Palmenhain. Am Horizont zeichnen sich die Phi-Phi-Inseln ab, bekannt für die traumhafte Maya-Bucht. Noch vor Kurzem parkten dort jeden Tag unzählige Touristenboote, doch durch die Corona-Pandemie erlebt man das Naturparadies so menschenleer wie seit Jahren nicht mehr. Ein Bootsausflug von Ko Lanta aus ist wieder empfehlenswert.

Das allabendliche Drama am Relax Beach: Die Sonne trifft auf das Meer, verschwindet, und plötzlich färbt sich der Horizont gelb, orange und rot zugleich. Die Wolkenformationen erscheinen wie ein Feuerinferno und täuschen einen brennenden Himmel über Ko Lanta vor. Was für ein Spektakel. Die thailändische Insel ist völlig zu Recht für ihre beeindruckenden Sonnenuntergänge bekannt.

Auf dem Mofa an der Westküste entlang

Ko Lanta besteht genau genommen aus zwei Inseln. Der nördliche Teil, Lanta Noi, ist mit dem südlichen Teil, Lanta Yai, über eine Brücke verbunden. Die gesamte Infrastruktur befindet sich allerdings im Südteil. Yai kann wiederum unterteilt werden in den belebteren Norden und den ruhigeren Süden, wobei alle sehenswerten Strände an der Westküste liegen. Wer unentschlossen ist, wählt am besten eine Übernachtungsmöglichkeit in der Inselmitte.

Optimal ist hierfür die Region Klong Nin. Landeinwärts abseits der Küstenstrasse verbergen sich die besten Unterkünfte für jedes Budget – ob romantischer Bungalow oder gleich ein ganzes Haus mit Pool, das man sich mit Freunden teilt. Wer jedoch die Vielfältigkeit der Insel geniessen möchte, braucht ein Fahrzeug – am besten ein Mofa.

Selbst unerfahrene Fahrer haben auf Ko Lanta die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auszubauen, denn der Verkehr ist im Gegensatz zu den thailändischen Städten überschaubar. Dennoch sollte man Vorsicht walten lassen. Nicht wenige Touristen sind von Schürfwunden nach Unfällen gezeichnet. Unerwartete Schlaglöcher, Speed-Bumps, feiner Sand oder Schlamm in der Kurve können schnell zum Verhängnis werden.

Meditation und Wanderungen

Mit einem Mofa wird der Urlaub auf Ko Lanta zu einer Entdeckungsreise auf der rund 25 Kilometer langen Strasse entlang der Westküste. Etwa zwei Kilometer südlich von Klong Nin liegt das International Buddhist Meditation Center. Allein der Ausblick von der Ruheoase auf die Küste ist ein Traum. Vorangig geht es jedoch um das Innenleben der Gäste. Zweimal täglich leitet ein Mönch das Meditieren im Gehen und Sitzen.

Weiter südlich, kurz hinter Nui Bay, verbirgt sich eine kleine Abzweigung, die landeinwärts zu einem Elefanten-Camp führt. Diese aus Perspektive des Tierschutzes sehr umstrittene Einrichtung sollte man ignorieren. Stattdessen bietet sich von hier aus eine kleine Wanderung an, die zunächst zu einer eindrucksvollen Fledermaushöhle und anschliessend zu einem pittoresken Wasserfall führt.

Wer noch mehr wandern und unberührte Natur entdecken möchte, der besucht den Mu Ko Lanta National Park am Südzipfel der Insel.

Luxusverzicht in der Bambushütte

Nicht zuletzt lohnt sich ein Abstecher auf die Ostseite der Insel. Dort liegt Old Town, der alte Gründerort mit seinen traditionellen Bauten. Dieser kleine Küstenort mit Pendlerhafen zu den benachbarten Inseln ist ideal für Reisende, die lieber unter Einheimischen als unter anderen Touristen ihre Zeit verbringen.

Kurz vor Old Town verbirgt sich eine ganz besondere Unterkunft: Im «Easylife Bungalow» bekommt man ein authentisches Naturerlebnis geboten. Der Besitzer hat ein tropisches Gartenidyll erschaffen, in dem exotische Früchte gepflückt werden können und der Hahn noch jeden Morgen den Weckruf kräht. Die Gäste übernachten in rustikalen Bambushütten und bekommen viel vom Leben der Besitzerfamilie mit. Angenehmer Luxusverzicht statt Massentourismus.

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