Las Vegas erwacht aus dem Dornröschenschlaf

René Sollberger, Las Vegas

4.6.2020 - 00:00

Das Vergnügen kehrt zurück. In Las Vegas öffnen die Casinos. Sie setzen auf den Nachholbedarf der Kundschaft. Shows und Clubs bleiben allerdings dicht, und die Zocker werden durch Plexiglas voneinander abgeschirmt.

Heute ist es so weit. In der Wüstenstadt Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada geht nach über zwei Monaten wieder das Licht an. Endlich dürfen die Casinos und Hotels wieder öffnen. Sie wollen die ersten Gäste aber nicht erst am Abend begrüssen, auch nicht erst am Nachmittag, sondern bereits am frühen Morgen. Einige – darunter das luxuriöse Wynn – öffnen ihre Türen sogar schon um eine Minute nach Mitternacht.

Das trendige D Casino verschenkt an buchungswillige Hotelgäste 2'000 Flüge aus 30 Destinationen in den ganzen USA. Die Nachfrage überraschte selbst Besitzer Derek Stevens: Innert kürzester Zeit landeten auf seinem Tisch 12'000 Bewerbungen. Viele Gäste werden mit Southwest fliegen – die bedeutendste Airline für die Stadt. Southwest startet zur Wiedereröffnung der Casinos mit 100 Flügen pro Tag. So wird auch der McCarran-Flughafen bald wieder mehr Betrieb bekommen.

Von Zürich direkt nach Vegas

Die Swiss, die während der Corona-Krise in den USA nur noch New York anflog, nimmt im Juni vier weitere Nonstop-Flüge in die Vereinigten Staaten wieder auf, darunter Las Vegas. Den Zwölfstunden-Flug übernimmt – wie schon vor der Krise – der Swiss-Ferienflieger Edelweiss Air.



Vorerst fliegt der 300-plätzige Airbus A-340 nur zwei- statt dreimal wöchentlich nach Nevada, jeweils montags und freitags, erstmals am 29. Juni – wenn es die Einreisebestimmungen der USA zulassen: «Da die Lage aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus immer noch sehr dynamisch ist, kann es im Flugplan zu Änderungen kommen», sagt Edelweiss-Sprecher Andreas Meier.

Eine Milliarde Gewinn pro Monat

An der berühmten Flaniermeile der Spielerstadt, dem Las Vegas Boulevard oder kurz «Strip», hält nach über zwei Monaten gähnender Leere und Stille endlich wieder das quirlige Leben Einzug. Alle grossen Namen öffnen den Hotel- und Spielbetrieb wieder: Bellagio, Ceasars Palace, The Venetian, Flamingo, Sahara, New York, Circus Circus, Treasure Island, Golden Nugget – um nur einige wenige zu nennen.

Die Casino-Industrie ist, zusammen mit dem Kongresstourismus, für Las Vegas und ganz Nevada essenziell. Das sogenannte Las Vegas Valley bietet 150'000 Hotelzimmer an. Vor Corona machten die Geldspielhäuser monatlich eine Milliarde Dollar Gewinn. Die Steuereinnahmen aus diesen Gewinnen erlauben es dem Wüstenstaat, ganz und gar auf die Erhebung von Einkommenssteuern von Privatpersonen zu verzichten und dennoch eine im Landesvergleich überdurchschnittliche Infrastruktur zu finanzieren.

Gratis Drinks ja, High-five nein

Es gehen Gerüchte um, wonach für das kommende Wochenende einige Hotels zu 70 Prozent gebucht sind – und dies trotz der Corona-Regeln. Dabei geht es nicht nur um das Abstandhalten und die Empfehlung, Schutzmasken zu tragen. An den Spieltischen ist die Anzahl Personen beschränkt, zum Beispiel bei Blackjack auf vier statt sieben. Die Plätze sind mit Plexiglas getrennt. Jeder zweite einarmige Bandit muss leer bleiben oder mit einer Plexiglaswand geschützt sein. Tag- und Nachtclubs sowie Shows bleiben vorerst geschlossen, ebenso die beliebten All-you-can-eat-Buffets. Aber Drinks werden nach wie vor gratis serviert.

Der eine oder andere Gast dürfte die für Las Vegas so bekannte ausgelassene Atmosphäre vermissen, etwa die übliche High-five-Runde nach einem grösseren Gewinn am Spieltisch. Die lokale Tourismusbehörde sagt es in einem Werbevideo – in Anlehnung an einen Spruch aus der Römerzeit – so: «Die Welt hat sich verändert, und Las Vegas verändert sich mit ihr.»

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