10.06.2016 - 16:44

Zürcher Gebrauchsanweisung von Milena Moser

von Bruno Bötschi und Sandra Nast
 

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Zürich hat viel zu bieten. Diesen Sommer zum Beispiel die Manifesta, die europäische Kunstbiennale. Es ist längst nicht alles. Eine, die das weiss, ist Bestellerautorin Milena Moser. Sie ist in der Limmatstadt aufgewachsen und hat das Buch «Gebrauchsanweisung für Zürich» publiziert. Ein Interview.

Es gibt viele, die behaupten, Zürich sei die kleinste, aber schönste Weltstadt der Welt. Fakt ist: Die Stadt ging in den letzten Jahren regelmässig als Siegerin in der bekannten Mercer-Studie zur Lebensqualität hervor.

In unserer Bildergalerie stellen wir Ihnen Ausflugsziele in und um Zürich vor - noch mehr über die Limmatstadt erfahren Sie im untenstehenden Interview mit Schriftstellerin Milena Moser.

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Eine schöne Möglichkeit, Zürich im Sommer zu entdecken, ist ein Schifffahrt auf Limmat und See.
Bild: Switzerland Tourism/Jan Geerk

Bluewin: Frau Moser, Sie sind 1963 in Zürich geboren und in der Nähe des Bahnhofs Tiefenbrunnen aufgewachsen. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Milena Moser: Ich war 13, als wir nach Jahren in einem schönen Vorort wieder in die grosse Stadt zurück zogen. Zürich für mich das Ende des Regenbogens. Das Zentrum der Coolness. Ich dachte, hier würde es nun endlich losgehen mit dem wahren Leben. Na ja, irgendwie war es dann auch so – und irgendwie auch nicht. 

Ihr neustes Buch heisst «Gebrauchsanweisung für Zürich», dabei wohnen Sie seit Jahren nicht mehr in der Stadt. Halten Sie sich für eine gute Stadtkennerin?

Ja und nein – ich habe ein recht gespaltenes Verhältnis zu dieser Stadt und doch war sie auch in den Jahren, in denen ich eine halbe Stunde weit weg wohnte, immer wichtig für mich, privat und beruflich. Das Buch habe ich geschrieben, bevor ich in die USA zog, es war eine Art Abschied und Versöhnung zugleich. Es ist sehr persönlich – wie alle Bücher dieser Reihe.

Wie würden Sie einem Fremden die Stadt Zürich in zwei, drei Sätzen erklären?

Zürich ist wie eine schöne, kühle Frau: Je mehr man sich um sie bemüht, desto mehr verschliesst sie sich. Wenn man sich aber unbeeindruckt zeigt, kann man ungeahnte Seiten erleben. Mit anderen Worten: Wer hier cool sein will, hat schon verspielt.

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Milena Moser über Zürich: «Abgesehen von den liebsten Menschen, die ich hier besuche, will ich im See schwimmen, Schuhe kaufen und sehr viel Schokolade essen.»
Bild: Keystone

Welche Charaktereigenschaften sind für die Zürcherin/den Zürcher typisch?

Gerade, wenn ich längere Zeit nicht in der Stadt war, beeindruckt mich ihr durchgehend gutes Aussehen: Fast alle Zürcher sind überdurchschnittlich gut angezogen, frisiert, beschuht und im Schuss. Ausserdem etwas gehetzt und angestrengt und immer besorgt, gerade etwas zu verpassen.

Wenn Sie sich in der Fremde aufhalten und Zürcherinnen und Zürcher treffen: Befällt Sie dann Heimweh oder dann gerade nicht?

Hm ... ganz ehrlich? Nur wenn ich sehr spezifische Zürcher treffe ... und dann betrifft meine Sehnsucht auch mehr diese Menschen als ihren Wohnort.

Welche drei Dinge schätzen Sie besonders an der Stadt Zürich?

Den See, den See und den See.

… welche drei Dinge mögen Sie gar nicht?

Die Hochnebeldecke, die Preise, die Arroganz.

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Gibt es etwas, dass Sie jedesmal tun, wenn Sie nach Zürich kommen?

Abgesehen von den liebsten Menschen, die ich hier besuche, will ich im  See schwimmen, Schuhe kaufen und sehr viel Schokolade essen.

Wann und wo haben Sie zuletzt in Zürich getanzt?

Das war ein kleiner Freudentanz durch eine private Küche, kürzlich, nach einer sehr guten Nachricht ...

Welchen Zürcher Trend haben Sie nie verstanden?

Ich verstehe grundsätzlich nicht, warum sich die ganze Stadt jeweils einem Trend zu unterwerfen scheint. Es herrscht eine eigenartige Uniformität hier, die dem Anspruch auf Einzigartigkeit widerspricht – aber wenigstens ist es eine ästhetisch ansprechende Uniformität. Wenn ich aus Amerika anreise, habe ich immer einen Riesenstress  beim Packen, weil ich fürchte, in meinen Cowgirl-Outfits an der Stadtgrenze zurückgewiesen zu werden.

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Haben Sie ein Lieblingsquartier?

Wenn ich bei meinem Sohn an der Dienerstrasse zu Besuch bin, geniesse ich es wahnsinnig, dass ich überall zu Fuss hingehen kann und in kürzester Zeit überall bin. Wenn ich bei meiner Freundin am Waldrand wohne, freue ich mich über all die Spazierwege, die direkt hinter ihrem Haus beginnen.

Verraten Sie uns, welches Ihre absolute Lieblingsbeiz ist?

Das «Piccolo Giardino» am Schöneggplatz – das Lieblingslokal meines Sohnes.

Und Ihren Lieblingsladen?

Oh je, da gibt es viel zu viele. Bei meinem letzten Besuch habe ich den fair shop Helvetas entdeckt und gleich leer gekauft. Ich hoffe, die tolle Bettwäsche von Sonnhild Kestner passt dann auch auf meine amerikanischen Kopfkissen.

Fahren Sie gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

Ja sehr, vor allem, weil ich in einem Land lebe, wo sie den Namen nicht verdienen. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Zürich aber sind ihren stolzen Preis wert. Pünktlich, sauber, you name it! Ganz besonders schätze ich die ordentliche Zeitungsablage im Tram.

Welches ist Ihre Lieblingstramlinie?

Die Linie 3 bringt mich direkt von einer besten Freundin zur anderen.

Und welche Strecke fahren Sie am liebsten mit dem Bus?

Mit dem 31er vom Hauptbahnhof zu meinem Sohn.

Unzählige Bücher wurden schon mit Zürich befasst. Haben Sie ein Züri-Lieblingsbuch?

Vielleicht nicht auf den ersten Blick ein klassisches Zürich-Buch aber eine unverzichtbare Hilfe für jeden, der hier leben will: «Letzte Lockerung: Handbrevier für Hochstapler und solche, die es werden wollen» von Walter Serner, der eine Zeit lang unter den Dadaisten in Zürich lebte und ihnen einen Hauch von Glamour verlieh.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie heftig mögen Sie Zürich?

4 bis 8, je nachdem.

Sie leben seit einiger Zeit in den USA. Können Sie sich vorstellen, irgendwann wieder in Zürich zu leben?

Hm ... Nicht wirklich, aber das Leben hält sich erfahrungsgemäss nicht an meine Pläne.

Die fünf Lieblingsorte in Zürich von Schriftstellerin Milena Moser sind:

1. Der See (gern auch im Kursschiff erfahren)

2. Das Landesmuseum

3. Das Wunderland von Clothier Willi Spiess an der Schipfe

4. Jede Filiale von «Sprüngli»

5. Die Barfussbar in der Frauenbadi

Zum Buch

«Gebrauchsanweisung für Zürich»: Schriftstellerin Milena Moser stellt sich den typischen Zürich-Klischees: dem Geld und dem Gold, den absurd hohen Preisen und den Steuerflüchtlingen. Die Autorin spaziert durch die Altstadt und zum Zürichsee und besucht Aussenbezirke, die heute angesagt sind. Erschienen im Verlag Piper, 222 Seiten, Preis: ca. 16.70 Fr.

Ausflugstipps: Jede Woche finden Sie auf Bluewin neue Vorschläge, was Sie in der Schweiz unternehmen können.

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