Acht Orte sollst du 2026 meidenRenommierter Reiseführer setzt Schweizer Traum-Destination auf Blacklist
bfi
27.11.2025
Blick auf das Aletsch-Eis
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Der renommierte Reiseführer Fodor’s hat seine «No List 2026» veröffentlicht. Acht beliebte Destinationen sollen im kommenden Jahr geschont werden – darunter auch die Jungfrauregion. Die Gründe reichen von Übernutzung über Wohnungsnot bis zu Umweltproblemen.
Igor Sertori
27.11.2025, 15:35
bfi
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Fodor's No List 2026 nennt 2026 acht Orte, die man aus Rücksicht auf Umwelt und Bevölkerung vorerst meiden sollte.
Auf der Liste: die Jungfrau, die Antarktis, die Kanaren, Mombasa, Mexiko-Stadt, Isola Sacra, Montmartre und der Glacier National Park.
Ziel ist kein Boykott, sondern eine Pause für Regionen, die unter massivem touristischem Druck stehen.
Der englischsprachige Reiseführer Fodor’s, seit fast 90 Jahren eine feste Referenz für US- und UK-Touristen, hat seine neue «No List» veröffentlicht – eine Auswahl von Orten, die 2026 besser nicht besucht werden sollten. Es geht dabei nicht um einen Boykott, sondern um Bewusstmachung: Regionen, die unter Überlastung, Umweltproblemen oder sozialen Spannungen leiden, sollen eine Atempause erhalten.
Fodor’s wurde 1936 von Eugene Fodor gegründet, der Reiseführer zugänglicher und praktischer machen wollte – mit Tipps zu Trinkgeld, Alltag und einer Prise Humor. Bis heute gilt die Marke als wichtige Orientierungshilfe für internationale Reisende.
Die Redaktion betont, es gehe darum, Destinationen sichtbar zu machen, in denen der Tourismus an Grenzen stösst. «Gönnt einem Ort eine Pause – jetzt, nicht für immer», heisst es. Fachleute aus der Reisebranche unterstützen den Ansatz.
Die Kanarischen Inseln (Spanien)
Einwohner der Kanarischen Inseln protestieren gegen steigende Lebenshaltungskosten.
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Auf Teneriffa, Gran Canaria & Co. nehmen die Spannungen zu. «Die Menschen sind wirklich am Anschlag», sagt John Dale Beckley von der Nachhaltigkeitsplattform CanaryGreen.org.
Kurzfristige Vermietungen über Airbnb hätten Mieten und Immobilienpreise explodieren lassen. Viele Junge könnten sich kein Zuhause mehr leisten.
Gleichzeitig leiden die Inseln unter dem Verlust biologischer Vielfalt, hohem Wasserverbrauch und zunehmendem Druck auf die Infrastruktur.
Antarktis
Immer weniger Ökotourismus in der Antarktis.
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Politikwissenschaftler Mike Gunter beobachtet seit Jahren die Entwicklung des Antarktistourismus. Heute dominierten grosse Expeditionsschiffe, die ein Massenpublikum anlocken.
Statt klassischem, zurückhaltendem Ökotourismus gehe es zunehmend um spektakuläre Erlebnisse: Landgänge, Gletscherabbrüche beobachten – alles mit Folgen für eine extrem fragile Region.
Die Jungfrauregion (Schweiz)
Immer mehr Touristen auf der Jungfrau.
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Auch die Schweiz taucht auf der Liste auf. Die Jungfrauregion steht wegen ihres ungebremsten Besucheransturms unter Druck. Das Zusammenspiel aus boomendem Tourismus, begrenzten Ressourcen und der Belastung für die Bevölkerung wird zu einer wachsenden Herausforderung.
Laut den Jungfraubahnen erreichten 2024 sowohl Besucherzahlen als auch Gewinne Rekordniveau: Über eine Million Menschen fuhren aufs Jungfraujoch, ein Plus von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Glacier National Park, Montana (USA)
Die Going-to-the-Sun Road im Glacier National Park in Montana.
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Der Nationalpark zählte 2024 rund 300 000 Besucher mehr als im Jahr davor. Die Folgen sind sichtbar: Stau auf der berühmten Going-to-the-Sun Road, mehr Abfall, Belastung für Wildtiere.
«Die Herausforderungen sind beispiellos», warnt Naturschutzdirektor Jamison. Noch nie seien so viele Risiken gleichzeitig aufgetreten.
Isola Sacra, Italien
Isola Sacra, in der Nähe von Ostia.
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Die Gemeinde bei Ostia soll einen neuen Hafen erhalten – für einige der grössten Kreuzfahrtschiffe der Welt. Umweltverbände und Anwohner warnen vor einem Szenario wie in Venedig oder Santorini: zerstörte Ökosysteme, gigantische Besucherströme, Verdrängung der lokalen Bevölkerung.
Die geplanten Schiffe fassen bis zu 6000 Passagiere.
Mexiko-Stadt
Mexiko-Stadt
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Wie auf den Kanaren führt auch hier die Flut an Airbnb-Angeboten zu steigenden Mieten und Verdrängung. «Airbnb sollte in Mexiko-Stadt verboten werden», sagt Natalia de la Rosa vom Club Tengo Hambre.
Internationale Investoren kauften ganze Gebäude auf, um sie in Kurzzeitvermietungen umzuwandeln – mit Folgen für ganze Quartiere.
Mombasa, Kenia
Touristenorte an der Küste von Mombasa.
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Kenia verzeichnet Rekordzahlen im Tourismus. Allein 2024 erreichte die Branche 2,4 Millionen internationale Ankünfte. Mombasa trägt die Hauptlast: Verkehrschaos, Müllberge, verschmutzte Strände und erschöpfte Ressourcen.
Die Küstenstädte verzeichnen zudem einen massiven Anstieg im Kreuzfahrttourismus, der die Lage weiter verschärft.
Montmartre, Paris (Frankreich)
Durch die engen Gassen von Montmartre
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Das historische Künstlerviertel zieht jährlich rund 11 Millionen Besucher an – mehr als der Eiffelturm. Für die 30 000 Bewohner ist der Druck längst zu gross.
«Nachts ist der Place du Tertre komplett von Restauranttischen eingenommen», sagt der Tourismusforscher Rémy Knafou. Viele Anwohner protestieren leise, aber bestimmt gegen die Übernutzung.