Skitour geniessen: Das sind die besten Tipps

13.2.2018 - 13:40, Cornelia Alig

Gipfelglück. Für mich ein Gefühl der Freiheit - und der Verantwortung. Denn bei aller Motivation, Ambition und Begeisterung sollte ein Faktor immer ganz oben auf der Liste stehen: die Sicherheit.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Eine besonders sicherheitsrelevante Komponente ist die Bindung. Ich teste diesen Winter die Tecton 12 von Fritschi mit Pin-Einheit vorne und Fersenbacken. Die Bindung hält, zumindest bisher, was sie verspricht. Einer Alpinbindung in nichts nachzustehen.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Dank der Fersenbacken mit Niederhaltesystem wird die Kraft direkt vom Schuh auf die Bindung übertragen. Im Gegensatz zu traditionellen Pin-Bindungen, bei welchen der Schuh in den Pins hängt und somit nicht direkt mit der Bindung in Kontakt kommt, wird so die Torsionsfestigkeit vor allem im harten oder eisigen Gelände stark verbessert.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Dank der Seitwärtsauslösung vorne und der Frontalauslösung hinten, löst die Bindung verlässlich bei eingestellten Kräften aus. Ungewollte Auslösungen werden durch die langen dynamischen Wege vorne und hinten verhindert. 
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Die Bindung ist erstaunlich leicht, der Einstieg und die Bedienung auch im Gelände nach wenigen Versuchen einfach sowie sehr praktisch und die Sicherheit analog Alpinbindungen.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Weitere Vorteile: Die Bindung Tecton 12 von Fritschi verfügt über zwei Steighilfen, die entsprechend zwei unterschiedliche Einstell-Höhen ermöglichen, die Bindung kann beim Aufstieg auf «Walk» umgestellt werden, damit sie beispielsweise bei einer Spitzkehre nicht ausklickt. Das Tüpfchen auf dem i zum Schluss: Alle Teile werden in der Schweiz hergestellt.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Doch bei einer sicheren Bindung hört die Frage nach der Ausrüstung nicht auf. Nur mit einer auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmten Ausrüstung und der entsprechenden Erfahrung kann eine Skitour unternommen werden. 
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Zur Grundausrüstung gehören neben dem Lawinenverschüttetengerät (LVS) eine Schaufel und eine Sonde. 
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Das Barryvox S von Mammut ist sehr benutzerfreundlich und somit auch für Anfänger leicht verständlich. Was überlebenswichtig ist, den im Ernstfall sollte jeder, auch unter Stress, schnell die Verschütteten finden können. Man trägt es möglichst auf der untersten Kleidungsschicht mit dem Display zum Körper.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Das LVS von Mammut bietet einen sehr breiten Suchstreifen von 70 Metern. Bei einer Mehrfachverschüttung lassen sich Signale markieren und demarkieren. Zudem filtert das Gerät unterschiedliche Signale und kann unterscheiden, welcher Verschüttete am Dichtesten an der Oberfläche liegt.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Eine Notfallapotheke sowie Kommunikationsgeräte und eine  Navigationsausrüstung gehören ebenfalls in den Rucksack. Und Picknick. Weil picknicken auf dem Gipfel das Beste ist. Ich zum Beispiel habe immer ein Gipfel-Ei dabei. Nehmt einfach der Natur zu liebe euren Mülle wieder mit nach Hause. 
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Ich besitze zusätzlich einen Airbag-Rucksack von Mammut (Flip Removable Airbag 3.0). Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es auf Touren nämlich nie. Doch aufgepasst: «Der Airbag ersetzt nicht das Tragen eines LVS und das Mitführen von Sonde und Schaufel», betont Bergführer und technischer Leiter bei der Mammut Alpine School, Markus Wey, im Gespräch. Der Rucksack wiegt verhältnissmässig wenig, ist kompakt, das Einpacken des Airbags ist einfach - und das System kompatibel mit anderen Rucksackmodellen. 
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Der Umgang mit dem Material sollte ausserdem geübt werden: Die stabile und leichte Lawinensonde von Mammut (Probe 240 short) mit integriertem Teleskopverschluss kann leicht bedient werden und ist schnell einsatzbereit - sogar mit Handschuhen.  
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Für einen «normalen» Skitourengeher wie mich noch nicht höchste Priorität, für ambitionierte Sportler sogar überlebenswichtig: das Gewicht. Meine Schaufel (Mammut, Alugator Light) wiegt dennoch weniger als eine kleine Flasche Rivella. Lucky me. 
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Sie halten auch bei Minustemperaturen und lassen sich gleichzeitig sehr gut ablösen: Die Hybrid Mix Felle von Contour. 
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Um die guten Klebe-Eigenschaften nutzen zu können, sollte man den Skibelag vor dem Auffellen trocken wischen. Praktisch: der mitgelieferte Packsack hat innen ein Flies eingenäht, mit dem der Belag getrocknet werden kann.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Daneben gibts es beispielsweise auch Felle, die aus reinem Polaymid/Nylon sind. Diese sind verhältnismässig günstig und besonders haltbar. Sie haben meist sehr gute Hafteigenschaften, was besonders im steilen Gelände von Vorteil ist. Leider ziehen diese trotz Imprägnierung schnell Feuchtigkeit und neigen zur Stollenbildung, verspielen also ihre guten Hafteigenschaften bei nassen Schneeverhältnissen.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Deutlich bessere Stollresistenz und Gleitfähigkeit weisen Felle aus Mohair auf. Die Wolle der Angora-Ziege ist hierfür das Ausgangsmaterial: es ist leicht, für ein Naturmaterial recht strapazierfähig und es behält seine Eigenschaften auch bei Nässe oder extremer Kälte. Leider kostet gutes Mohair viel Geld.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Für mich hat sich die goldene Mitte als gute Wahl ergeben: Das Hybrid Mix-Fell von Contour besteht zu etwa 70 Prozent aus Mohair und zu 30 Prozent aus Nylon. 
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Damit überwiegen weiterhin die positiven Eigenschaften der Wollfaser, aber die Hafteigenschaften und die Langlebigkeit des Nylons sind deutlich spürbar. 
Bild: Cornelia Alig, Bluewin
Somit steht meinem Erlebnis nichts im Weg. Abflug... äh -fahrt.
Bild: Cornelia Alig, Bluewin

Skitourengehen gewinnt für immer mehr Wintersportler an Reiz. So auch für mich. Damit man mit Freude und vor allem sicher in den Bergen unterwegs ist, gilt es aber einiges zu beachten. Hier die wichtigsten Tipps zu Ausrüstung und Sicherheit.

Einfach auf Geratewohl losmarschieren? Keine gute Idee. Wer im freien Gelände Touren macht, ist von Anfang an eigenverantwortlich unterwegs und muss die Gefahren selbst beurteilen.

Das betont auch Markus Wey, Bergführer und technischer Leiter bei der Mammut Alpine School, in unserem Gespräch: «Wichtig ist bei dieser Sportart – und dessen sind sich viele nicht bewusst: Die Verantwortung muss jeder selber tragen.» Deshalb sei es auch fundamental, «eine gute Planung mit Einbezug aller Faktoren bereits zu Hause zu erarbeiten.»

Im Gelände müsse dann jede Geländekammer aufs Neue beurteilt und über den weiteren Verlauf der Tour entschieden werden. «Auch die Sicherheitsausrüstung muss bei jedem komplett sein», betont er, «und in Extremsituationen beherrscht werden.»

Handhabung der Komponenten vorab üben

Die Handhabung der verschiedenen Komponenten muss geübt werden. Soweit klar. Denn was nützt schon eine top Ausrüstung, wenn man im Ernstfall nur schon Mühe hat, die Sonde innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit zu machen? Oder nicht weiss, wie man das Lawinenverschüttetengerät (LVS) auf «Search» umstellt – geschweige denn, wie man es bedient? Oder im ohnehin viel zu gefährlichen Gebiet oder bei zu hoher Gefahrenstufe unterwegs ist? Nichts.

Um die vielseitigen Anforderungen am Berg erfüllen zu können – und somit das eigene Leben und das von anderen nicht zu gefährden – braucht es also Erfahrung und spezifische Kenntnisse in verschiedenen Sparten, denn ganz ungefährlich sind Skitouren nicht. Es drohen Absturz- und Lawinengefahr: Durchschnittlich 16 Tourenfahrer verunglücken pro Jahr tödlich in der Schweiz. 12 davon infolge Lawinen, die sie meist selbst ausgelöst haben.

Deshalb hier einige Empfehlungen und Anforderungen, die für eine Skitour unabdingbar sind:

  • Dem Können entsprechende Wahl des Ziels, sichere Technik im Aufstieg und bei der Abfahrt
  • Kenntnisse in Lawinenkunde
  • Planung mit Einbezug aller Faktoren (zu Hause) inklusiv Interpretation des Lawinenbulletins und Beurteilung der Wettersituation
  • Gute Zeitplanung und ständiges beobachten der Wetterentwicklung
  • Gute Orientierung und Navigation
  • Neubeurteilung jeder Geländekammer (im Gelände), Beurteilung des Schneedeckenaufbaus
  • Komplette Sicherheitsausrüstung und gekonnter Umgang damit – auch in Extremsituationen
  • Verantwortungsbewusstes Verhalten in der winterlichen Natur
  • Verantwortungsbewusstes Verhalten bei einem Unfall: Ablauf einer Rettung und Erste Hilfe

Notfallausrüstung ist Pflicht – und muss beherrscht werden

Zur Grundausrüstung auf Skitouren gehören ein LVS, eine Sonde und eine Schaufel sowie Kommunikationsgeräte, Navigationsausrüstung und ein Erste Hilfe Set. Ich habe zusätzlich einen Airbag-Rucksack dabei, da die Lawinensituation nie mit 100-prozentiger Sicherheit eingeschätzt werden kann. 

«Der Airbag hilft bei einem Lawinenabgang den Tourengeher in den gleitenden Schneemassen und an der Oberfläche zu halten», erklärt Wey. Doch aufgepasst: Der Airbag ersetzt nicht das Tragen eines LVS und das Mitführen von Sonde und Schaufel.

Besonders sicherheitsrelevant ist ausserdem die Bindung. Ich teste in diesem Winter die Tecton 12 von Fritschi. Meine erste Erfahrung damit habe ich unter anderem in der Bildergalerie zusammengefasst.

Skitouren bei Lawinengefahr

Das Risiko eine Lawine auszulösen, ist abhängig von mehreren Faktoren:

Gelände: Lawinen sind ab einer Neigung von etwa 30 Grad möglich. Dabei gilt: Mit der Gefahrenstufe und der Steilheit eines Hangs steigt auch das Risiko, eine Lawine auszulösen. Lawinenhänge sind meist schattig - und liegen oft in der Nähe von Kämmen oder hinter Geländekanten und sind mit Triebschnee beladen.

Aktuelle Verhältnisse: Die Lawinengefahr steigt vor allem dann, wenn es schneit oder regnet, wenn es windet – dann wird der Schnee verfrachtet und im Windschatten als Triebschnee abgelagert –, wenn es deutlich wärmer wird oder bei starker Sonneneinstrahlung. Zu beachten ist, dass die Lawinensituation über mehrere Tage oder sogar Wochen kritisch bleiben kann. Und: «Am gefährlichsten ist der erste schöne Tag nach einer Schlechtwetter-Phase», so Wey.

Am gefährlichsten ist der erste schöne Tag nach einer Schlechtwetter-Phase.

Infomieren kann man sich an verschiedenen Stellen über die aktuelle Lawinengefahr:

Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF veröffentlicht im Winter beispielsweise täglich um 8 und 17 Uhr das Lawinenbulletin. Es schätzt die Lawinengefahr mit der europaweit verwendeten, fünfstufigen Gefahrenskala ein. Auch die App White Risk hilft bei der Beurteilung der Verhältnisse.

Eigenes Verhalten: Die meisten Unfalllawinen werden durch den Wintersportler selbst ausgelöst. Durch das eigene Verhalten kann das Lawinenrisiko also massiv erhöht oder reduziert werden. Um das Lawinenrisiko zu reduzieren benötigt man deshalb spezifischen Kenntnisse und Erfahrung. Das Risiko darf nicht unterschätzt werden – ein Drittel der Lawinentoten verunfallt bei Gefahrenstufe 2.

Verhalten bei einem Lawinenunfall

Sollte es trotz aller Vorsicht zu einem Lawinenabgang kommen, handeln Sie wie folgt:

  • Falls vorhanden: Lawinenairbag auslösen
  • Versuchen, aus der Lawine hinauszufahren und Personen beobachten, die von der Lawine mitgerissen werden
  • Wurden Personen erfasst? Übersicht verschaffen, überlegen und dann handeln ohne die eigene Sicherheit zu gefährden
  • Falls ohne allzu grossen Zeitverlust möglich: Rega oder internationale Notrufnummer alarmieren
  • Sofort mit der LVS-Suche (nicht benötigte LVS ausschalten) starten. Gleichzeitig den Kegel mit Augen und Ohren abzusuchen und auf Ausrüstungsgegenstände achten. Diese sind oft nahe bei den Opfern
  • Verschüttete sofort freischaufeln und mit lebensrettenden Sofortmassnahmen beginnen
  • Nach Abschluss der Suche alle LVS wieder auf «senden» umschalten
Zurück zur Startseite

Weitere Artikel