Steinschlag, Felssturz und Hangrutsch Diese Wanderwege sind wegen Naturgefahren gesperrt

Stefan Michel

15.11.2025

Holzsteg bei Hangrutsch zerstört: Mehr als 70 Schweizer Wanderwege sind wegen Naturereignissen oder drohender Gefahren nicht mehr passierbar.
Holzsteg bei Hangrutsch zerstört: Mehr als 70 Schweizer Wanderwege sind wegen Naturereignissen oder drohender Gefahren nicht mehr passierbar.
Schweizer Wanderwege

Dieses Wochenende könnte das letzte mit gutem Wanderwetter sein. Doch über 70 Wanderwege sind aktuell wegen Naturereignissen oder -gefahren gesperrt. Hangrutsche, Felsstürze und Steinschlag werden häufiger. 

Stefan Michel

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Mehr als 70 Wanderwege in der Schweiz sind derzeit wegen Naturgefahren wie Steinschlag, Hangrutsch oder Felssturz gesperrt.
  • Der Klimawandel begünstigt diese Gefahren: Heftige Niederschläge, auftauender Permafrost und trockenere Sommer destabilisieren zunehmend die Berglandschaften.
  • Wandernde tragen Eigenverantwortung, die Dachorganisation Schweizer Wanderwege rät dringlich zu sorgfältiger Planung. Aktuelle Sperrungen sind auf der Online-Karte von Wanderland Schweiz markiert.

«Gesperrt wegen Steinschlag», «Gesperrt wegen Hangrutsch» oder «Aus Sicherheitsgründen gesperrt». Solche und ähnliche Angaben finden sich aktuell bei über 70 Wanderwegen, vom Unterengadin ganz im Osten der Schweiz bis ins Unterwallis an der Grenze zu Frankreich.

Vorübergehende Sperrungen gibt es auch wegen Forstarbeiten, Sanierungsmassnahmen oder weil ein Weg im Winter immer gesperrt ist. Diese sind in der Aufzählung oben nicht mitgezählt.

Ob die Zahl der wegen Naturgefahren oder -ereignissen geschlossenen Wanderwege in den letzten Jahren zugenommen hat, kann die Sprecherin der Dachorganisation Schweizer Wanderwege nicht sagen. Vera In-Albon zählt aber vier Tendenzen auf, die die Sicherheit auf den Wanderwegen massgeblich beeinflussen: Die Sommer werden trockener, Niederschläge heftiger, Hitzetage nehmen zu und die Winter werden schneeärmer.

Steinschlag, Felssturz und Hangrutsch nehmen zu

Die Folge davon: «Lang anhaltende und intensive Niederschläge begünstigen mancherorts Steinschläge, Wildbäche oder Rutschungen. Steinschläge nehmen eher im alpinen und hochalpinen Gelände zu, wo der Permafrost auftaut, während Rutschungen sich auch in den Voralpen oder im Jura häufen könnten.»

Die Steinschläge, Rutschungen und Felsstürze betreffen naturgemäss zum grössten Teil Wege in den Alpen. Doch selbst zehn Kilometer von Zürich entfernt, im Sihltal bei Langnau am Albis, ist seit Jahren ein Weg wegen eines Hangrutsches gesperrt. Nicht passierbar ist auch der Thurweg bei Bischofszell TG, ebenfalls als Folge eines Hangrutsches. 

Auf der Online-Wanderkarte von Schweizmobil sind die gesperrten Wege rotweiss markiert. Zu beachten ist, dass nicht jeder Fussweg ein offizieller Wanderweg ist. Sperrungen auf solchen Wegen sind in der Wanderland-Schweiz-Karte nicht eingezeichnet. Gerade in der Umgebung von wegen Naturgefahren gesperrten Wanderwegen ist damit zu rechnen, dass auch die anderen Pfade nicht passierbar sind. 

Viel Rot-Weiss: Gesperrte Wanderwege sind auf dre Online-Karte so markiert. Beim Klick auf Weg erscheint die Ursache.
Viel Rot-Weiss: Gesperrte Wanderwege sind auf dre Online-Karte so markiert. Beim Klick auf Weg erscheint die Ursache.
Swisstopo/Schweizmobil

Sperrungen nicht nur, aber vor allem in den Alpen

Die bekanntesten Sperrgebiete, durch die auch Wanderwege führen, sind Brienz im Kanton Graubünden, der Spitze Stei bei Kandersteg BE und der Oeschinensee in der gleichen Berner Gemeinde. 

Besonders viele Wege sind im Kanton Wallis gesperrt. Der Blick auf die Karte zeigt, dass kaum ein Seitental ohne Sperrung ist. In wacher Erinnerung ist die Überschwemmung, die eine Gerölllawine durch Saas Grund geschoben und weitere Schäden im Saastal verursacht hat. Unvergessen auch die schweren Unwetterschäden im Maggia- und Bavonatal, im Tessin, wegen denen diverse Wanderwege auch heute noch nicht passierbar sind.

Wanderwege sind eine öffentliche Aufgabe. In der Regel kümmern sich die Gemeinden um deren Pflege und Unterhalt. In vielen Kantonen werden sie unterstützt von den Wanderwegorganisationen, den Ablegern des Dachvereins Schweizer Wanderwege.

Was passiert, wenn im Gebiet eines Wanderwegs ein Murgang niedergeht oder ein Hang abzurutschen beginnt, erklärt Vera In-Albon so: «Nach einem Naturereignis wird der betroffene Abschnitt meist von der zuständigen Gemeinde oder von der, beziehungsweise dem kantonalen Wanderwegverantwortlichen überprüft. Wird eine Gefahr festgestellt, fällt der Entscheid über eine temporäre oder dauerhafte Sperrung bzw. Umleitung. Diese wird im Gelände signalisiert.»

Damit Wandernde nicht erst mitten auf ihrer Tour von der Sperrung erfahren, tragen die Zuständigen die Sperrung auch auf der Online-Landeskarte ein, auf der auch die Wanderkarte von Schweizmobil basiert. 

Auf Wanderwegen gilt Eigenverantwortung

Auf die Frage, wie gut sich die Wandernden an die Sperrungen halten, antwortet In-Albon: «Wir gehen davon aus, dass die meisten Wandernden Sperrungen respektieren, insbesondere wenn diese gut sichtbar und nachvollziehbar signalisiert und mit Informationsschildern zu den Sperrungsgründen versehen sind.» Es komme aber vor, dass Sperrungen umgangen würden, sei es aus Unwissenheit oder Unterschätzung des Risikos.

Vera In-Albon erinnert daran, dass beim Wandern immer Eigenverantwortung gelte. «Sie umfasst eine sorgfältige Tourenplanung, angepasstes Verhalten und das Bewusstsein, dass Naturgefahren nicht vollständig kontrollierbar sind. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es in der Natur nicht.» 

Das bedeutet: Selbst wenn ein Weg nicht gesperrt ist, kann es zu Steinschlag, einem Hangrutsch oder Felssturz kommen. 

Die folgende Liste ist eine Momentaufnahme des Stands Mitte November und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Sie gibt aber einen Eindruck, wie viele Wanderwege von Steinschlägen, Felsstürzen, Hangrutschungen und Sturmschäden getroffen worden sind, oder von solchen bedroht werden.

Und: Wer eine Wanderung plant, tut in jedem Fall gut daran, in der Online-Karte von Wanderland Schweiz tief hineinzuzoomen, um Sperrungen und Sperrgebiete zu erkennen.

Diese Wanderwege sind gesperrt*

  • Scuol–Clemgiaschlucht GR: Steinschlag
  • Pisciadel GR: Felssturz/Murgang Lagh da Palü GR: Unwetter 2023 – neue Streckenführung
  • Filisur/Schaftobel-Alp Era GR: Aus Sicherheitsgründen abschnittsweise gesperrt
  • Roticcio-Vicosoprano Via Panoramica GR: Steinschlaggefahr
  • Vazerol/Brienz - Surava II GR: Steinschlag, Hangrutsch
  • Capricorn/Alp Curtignatsch GR: Steinschlag und Hangrutsch
  • Dasciun–Savogno GR: Sturmschäden
  • Bischofszell Thurweg Halden TG: Hangrutsch
  • Sihlwald / Hasenrain ZH: Hangrutsch
  • Hinterbergen Vitznau LU: Hangrutsch
  • Malters Ammergerige LU: Steinschlag
  • Engelberg Aaschlucht-Schwändliloch OW: Brücke durch Hochwasser zerstört
  • Salbitschijenbiwak–Voralphütte UR: Steinschlag
  • Sagerberg–Riedberg UR: Steinschlaggefahr
  • Rossbode –Griessee VS:  Felssturz
  • Binn–Chriegalppass VS: Steinschlag
  • Saas-Almagell: Sattelwäng–Antronapass VS Weg unpassierbar
  • Saas Almagell Eyenpalp VS: Unwetterschäden
  • Zermatt–Alterhaupt VS Weg unpassierbar
  • St. Niklaus Schwiedernen-Bodu VS: Steinschlag
  • St. Niklaus Schöllijoch-Guggiberg VS: Steinschlag
  • St. Niklaus Schalbetten II VS: Steinschlag
  • St. Niklaus Sparru-Jungu VS: Sturmschäden
  • Täsch Springelboden–Eggenstadel VS: Steinschlag
  • Embd Läger–Pletsche VS: Weg unpassierbar
  • Turtmanntal Sänntum–Unnerstafil-Bliischini VS: Weg unpassierbar
  • Ergisch Tännbach VS: Sturmschäden
  • Eischoll–Gampel Breiu-Lojini-Lunggi VS: Weg unpassierbar
  • Balmhornhütte BE: Weg je nach Schneesituation gesperrt.
  • Kandersteg BE: Felssturz-Gebiet Spitze Stei
  • Oeschinensee-Fründenhütte BE: Felssturz
  • Kiental Hubelwald–Brüggerbärgli BE: Sturmschäden
  • Gurnigel Stafelalp–Weiermoos BE: Hangrutsch
  • Gurnigel Wildwasserweg BE: Hangrutsch
  • Simmental Matten–Bachweideni BE: Sturmschäden
  • Brienz Milibach BE: Hochwasserschäden
  • Adelboden Aeugi–Lowa BE: Steinschlag
  • Entschligenfälle I-III BE: Steinschlag
  • Sentier de Corvet FR: Fussgängerbrücke durch Hochwasser verschoben und unpassierbar
  • Môtiers NE: Combe de la Pouetta Raisse: aus von November bis April nicht gesperrt
  • Mont Noble VS: Sturmschäden
  • Mont Noble III VS: Sturmschäden
  • Mont Noble IIII VS: Sturmschäden
  • Vex-Ancien Bisse de Fan VS: Sturmschäden
  • Hérémence VS: Sturmschäden
  • Saint Martin Ancien Bisse de l'Erneya VS: Sturmschäden
  • Ardon-Derborence VS: Murgang
  • Conthey VS: Erdrutsch
  • Bourg-St-Pierre-Liddes VS: Steinschlag
  • Col de la Forclaz Chemin des Tseppes VS: Steinschlag
  • La Fontaine-Planojean VS: Steinschlag
  • St-Maurice–Chemin de la Poya VS: Felssturz
  • Sentier du Pré VD: Sturmschäden
  • Gorges du Chauderon VD: Felssturz
  • Sentier d'Orgevaux VD Felssturz
  • Moudon Bois de Vaux VD: Hangrutsch, Holzsteg zerstört
  • La Morgette Morges VD: Hangrutsch
  • Haut du sentier de la Morges VD: Hangrutsch
  • Chancy Entlang der Rhone GE: Hangrutsch
  • Aurigeno–Ronchini TI: Fussgänger-Brücke durch Unwetter zerstört
  • Ponte Cavergno–Bavona: Brückensenkung nach Hochwasser
  • Bedretto–Pesciora TI: Felssturz
  • Ossasco TI: Weg unpassierbar
  • Alta Valle di Peccia TI: Hangrutsch
  • Peccia–Volpeign - Piano di Peccia TI: Sturmschäden
  • Peccia–Prato Sornico TI: Sturmschäden
  • Olivone–Campo Blenio TI: Felssturz
  • Pro Dint TI: Sturmschäden
  • Piano della Stufa TI: Sturmschäden
  • Lostallo Bocchetta di Groven TI: Sturmschäden
  • Bersacco–Braggio TI: Hangrutsch
  • Sorte–Lostallo TI: Hochwasserschäden
  • Broglio–Brontallo TI: Unwetterschäden
  • Fontana–Riorasca TI: Hangrutsch
  • Cimo–Agno TI: Hangrutsch

    * Diese Liste wurde von blue News aufgrund der Online-Karte Wanderland Schweiz von Schweizmobil erstellt. Die Aufzählung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und entspricht dem Stand am 14. 11. 2025. Informiere Dich auf jeden Fall selber, bevor du eine Wanderung unternimmst!

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