Panikattacken und Angstbisi ade«So wurde ich endlich meine Flugangst los»
Fabienne Berner
5.7.2025
Panikattacken, Albträume und Angstbisi ade – «So wurde ich endlich meine Flugangst los»
Seit 25 Jahren hat blue News Redaktorin Fabienne Berner Angst vorm Fliegen. Deshalb nahm sie an einem Flugangst-Seminar teil. Wie so ein Coaching abläuft und ob es auch etwas geholfen hat, erfährst du im Video.
09.04.2025
Seit 25 Jahren hat blue News Redaktorin Fabienne Berner Angst vorm Fliegen. Jetzt wagte sie den Selbsttest und besuchte ein Seminar. Wie das Coaching abläuft – und ob es geholfen hat – siehst du im Video.
Die Luftfahrt ist heute dank konsequenter Fehleranalyse und neuen Sicherheitsstandards deutlich sicherer als früher. Trotzdem fühlen sich viele Passagiere im Flugzeug unwohl.
blue News Redaktorin Fabienne Berner nahm an einem Flugangstseminar teil und reiste danach mit Edelweiss nach Finnland, um sich ihrer Flugangst zu stellen.
Im Video erfährst du, wie ein Flugangst-Coaching abläuft, im Interview erklärt Pilot und Coach Tom Schneider, wie er mit praxisnahem Wissen über Aviatik Menschen mit Flugangst ein Gefühl von Kontrolle zurückgeben will.
Schon der Gedanke ans Fliegen macht blue News Redaktorin Fabienne Berner nervös – im Flieger wird sie panisch. Und das geht nicht nur ihr so: Rund ein Drittel aller Passagiere fühlen sich im Flugzeug unwohl.
Für Menschen mit Flugangst wird der Weg in die Ferien oder die nächste Geschäftsreise zu einer extremen Belastungsprobe.
Fabienne Berner hat sich nach 25 Jahren entschieden, endlich etwas gegen ihre Angst zu unternehmen. Sie belegt ein Flugangst-Seminar bei Edelweiss-Pilot Tom Schneider. Einige Wochen später folgt der Realitätscheck: Sie fliegt mit Edelweiss ins finnische Kittilä.
Wie das Einzel-Seminar verlief und wie es ihr bei ihrem ersten Flug danach erging, erfährst du im Video.
Ausserdem hat Fabienne Berner mit dem Flugangst-Coach und Piloten Tom Schneider über seine Arbeit gesprochen. Im Interview erfährst du unter anderem, wie dir so ein Coaching helfen kann.
Tom Schneider: «Vom Manager bis zur Oma sind alle vertreten»
Herr Schneider, Sie haben über 20 Jahre Flugerfahrung. Inwiefern ist die Aviatik in den letzten Jahren sicherer geworden?
Die Aviatik befindet sich in einem ständigen Wandel. Aus Fehlern wird konsequent gelernt – das Ziel ist, dass sich derselbe Fehler kein zweites Mal ereignet. Nach einem Vorfall folgt immer eine gründliche Untersuchung mit einem abschliessenden Bericht, der auch neue Weisungen enthält. So wird sichergestellt, dass derselbe Fehler nicht wiederholt wird. In den frühen 70er- und 80er-Jahren kam es noch deutlich häufiger zu Unfällen. Doch gerade aus dieser Zeit hat die Branche extrem viel gelernt und die Sicherheitskultur hat sich seither stetig weiterentwickelt. Die Sicherheit von vor 20 Jahren hat sich seither nochmals exponentiell verbessert.
Aktuell ist die Nachfrage sehr hoch. Während der Pandemie wurde kaum geflogen, weshalb sich auch niemand mit seiner Flugangst auseinandersetzen musste. Jetzt holen viele das Reisen nach, verspüren Fernweh – und merken dabei, dass sie sich ihrer Angst stellen möchten, um unbeschwert reisen zu können.
Wer besucht typischerweise ihre Seminare?
Das Teilnehmerfeld ist sehr breit: Vom Manager, der ohne Beruhigungsmittel zum Businessmeeting fliegen möchte, bis hin zur reiselustigen Oma sind alle vertreten. Auffällig ist, dass zunehmend auch Kinder von Flugangst betroffen sind – oft ausgelöst durch TikTok-Videos oder weil sie die Angst unbewusst von ihren Eltern übernommen haben. Deshalb findet auch in diesem Jahr vor den Sommerferien erneut ein eigenes Kinder-Flugangstseminar inklusive Flugzeugbesichtigung statt.
Welche Ängste bringen die Betroffenen mit?
Die Klassiker sind Angst vor Turbulenzen, Luftlöchern, Triebwerksausfall oder dem Kontrollverlust. Hinzu kommen sehr individuelle Sorgen – zum Beispiel ein Zwischenfall, den man selbst als beängstigend erlebt hat, der sich aber im Seminar als nicht gefährlich herausstellt. Etwa ein vermeintlicher Flug durch ein Gewitter, ein Go-Around oder das Kreisen in Warteschleifen wegen Wetter. Oft werden solche Erlebnisse später mit anderen besprochen, wobei leider häufig Halbwissen oder Fehlinformationen weitergegeben werden – das verstärkt die Angst zusätzlich.
Was sind Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Ursachen für Flugangst?
Von einem turbulenten Flug oder sogar einem schlechten Hollywoodfilm, über das unbewusste Abschauen bei Eltern oder Freunden – bis hin zu positiven Lebensveränderungen wie der Geburt des ersten Kindes. Letzteres sorgt oft für ein stärkeres Sicherheitsbedürfnis – was ebenfalls Flugangst hervorbringen kann. Auslöser können somit einmalige Erlebnisse sein, die Angst kann sich aber auch schleichend entwickelt haben.
Wie läuft so ein Seminar konkret ab?
Bereits im Vorfeld dürfen mir die Teilnehmenden ihre Ängste, Sorgen und Fragen zusenden. So kann ich die Inhalte gezielt vorbereiten. Im Seminar selbst wechseln sich kompakte, leicht verständliche Theorieblöcke mit Praxisbeispielen ab. Es geht dabei um die Grundlagen des Fliegens, Mehrfachabsicherungen, Pilotentrainings, Turbulenzen und natürlich um die Entstehung von Angst. Ziel ist, dass die Teilnehmenden rational verstehen, warum das Fliegen so sicher ist. Um die vermeintlich komplexe Theorie verständlich zu erklären, nutze ich einen einfachen Trick: Luft verhält sich in der Strömungslehre sehr ähnlich wie Wasser. Wenn ich also erkläre, welche Kräfte ein Flugzeug in der Luft halten, nutze ich Wasser zum Vergleich (z. B. ein Surfer auf dem See). Genauso ist es beim Antrieb und den Turbulenzen. So wird das Unsichtbare sichtbar.
Sie setzen dabei stark auf Aviatik-Theorie und weniger auf psychologische Ansätze. Warum dieser Fokus?
Psychologische Unterstützung ist bei traumatischen Erlebnissen sehr wichtig. Flugangst ist für mich aber eine Phobie, die man am besten rational angehen kann. Fast alle wissen, dass Fliegen die sicherste Art des Reisens ist – doch wenn ich frage, warum das so ist, bleibt die Antwort meist aus. Es fehlt das Verständnis. Und genau dieses fehlende Wissen führt zu Kontrollverlust – unser Angstzentrum, die Amygdala, schlägt Alarm. Sobald man aber versteht, wie Fliegen funktioniert und warum es so sicher ist, verschwindet dieses Gefühl der Hilflosigkeit.
Der Edelweiss-Pilot und Coach Tom Schneider bietet seit über 15 Jahren Seminare zur Bewältigung von Flugangst an.
Bild:zVg
Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Ihren Teilnehmenden im Anschluss? Wie hoch ist Ihrer Einschätzung nach die Rückfallquote?
Viele sagen nach dem Seminar, dass sie am liebsten sofort in ein Flugzeug steigen würden. Andere brauchen etwas Zeit, um das Erlernte zu verarbeiten. Es ist ganz natürlich, dass wir unter Stress zu alten Mustern zurückkehren – das gilt auch für Flugangst, etwa wenn man lange nicht geflogen ist oder unter Zeitdruck zum Flughafen hetzt. Deshalb gebe ich zum Abschluss immer eine Entspannungsübung mit auf den Weg, um sich in so einem Fall wieder selber zu beruhigen und das Erlernte umzusetzen. Ausserdem dürfen mich alle auch nach dem Kurs jederzeit kontaktieren, wenn neue Fragen auftauchen oder etwas für Verunsicherung sorgt.
Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Sehr viele! Besonders berührt bin ich, wenn ältere Menschen meine Seminare besuchen, weil sie sich nach der Pensionierung endlich den Traum vom Reisen erfüllen möchten. Wenn ich dann Nachrichten vom anderen Ende der Welt bekomme, mit dem Satz: «Sie haben mir das Tor zur Welt geöffnet», dann berührt mich das sehr. Auch schön: Es kam schon mehrfach vor, dass Teilnehmende so begeistert vom Fliegen waren, dass sie später selbst als Flight Attendant ins Flugzeug gestiegen sind und Fliegen zum Beruf gemacht haben.
* Transparenzhinweis: Diese Reportage wurde von Edelweiss und Goodbye Flugangst unterstützt.
** Transparenzhinweis: Dieser Text erschien bereits am 27. April auf blue News
«Goodbye Flugangst»-Seminare mit Tom Schneider
Kosten: Ab 499 Franken pro Person.
Dauer: 3 bis 4 Stunden, bis alle Fragen geklärt sind.
Mini-Gruppenseminare: an Wochenenden oder Feiertagen.
Einzelseminare: Individuell auch abends unter der Woche möglich.
Firmenseminare: Tagsüber, direkt vor Ort im Unternehmen.
Einmal pro Jahr findet ein spezielles Kinderseminar statt.
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