«Zwei Kilo mehr machen viel aus»: Tipps für Outdoor-Touren

Bernadette Olderdissen, dpa

25.6.2020 - 15:47

Feste Wanderschuhe machen nur im alpinen Bereich Sinn. Für andere Touren empfiehlt «Fräulein Draussen» Kathrin Heckmann leichtere, flexiblere Wanderschuhe.
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Ob in Wanderschuhen oder auf dem Fahrradsattel: Aktivferien boomen. Wer dann noch unterwegs sein Zelt aufschlägt, kommt der Natur so richtig nahe. Doch wie geht man solche Draussen-Trips an?

Eine Tageswanderung? Kein Problem. Eine ausgedehnte Velotour? Schon zigmal gemacht. Aber wie sieht es mit mehrtägigen Touren zu Fuss oder im Sattel aus, auf denen man mitten in der Natur sein Lager aufschlägt und draussen übernachtet?

In diesem Sommer voller Reisebeschränkungen bietet es sich an, das eigene Land ausgiebig zu erkunden – ob als Wanderin oder als Radwanderer.

Im Interview gibt die Autorin Kathrin Heckmann vom Blog «Fräulein Draussen» Tipps zur Vorbereitung solcher Touren – und verrät, welche Anfängerfehler man vermeiden sollte.

Frau Heckmann, warum sind Wandern oder Velofahren für dich die besten Reisearten?

Beim Wandern mag ich besonders, dass man langsam unterwegs ist und die kleinen Dinge am Wegesrand wahrnimmt. Das ist echte Entschleunigung. Radfahren ist eine Mischung aus Naturnähe und Flexibilität. Man kann mehr Kilometer zurücklegen, kommt aber trotzdem an Orte, die mit dem Auto nicht zu erreichen sind.

Kathrin Heckmann reist am liebsten zu Fuss oder per Velo – und schreibt darüber in ihrem Blog «Fräulein Draussen».
Kathrin Heckmann/dpa-tmn

Was für Kleidung trägst du und was hast du ständig dabei?

Standardmässig habe ich ein Set Kleidung für tagsüber dabei, das man notfalls abends durchwaschen kann, und eins für den Abend. Eine Regenjacke gehört auch immer dazu. Ich bin für ein leichtes Material mit 2,5-lagiger Membran, denn in sehr robusten Jacken schwitzt man oft. Generell gilt das Zwiebelschichten-Prinzip: mehrere dünnere Schichten statt wenige dicke.

Welche Grundausstattung hast du immer dabei?

Ganz wichtig sind ein Schlafsack und eine Isomatte. Prinzipiell geht es oft auch ohne Zelt. Ein Biwaksack zum Schutz vor Kälte und Nässe, ein Tarp – das ist eine Zeltplane, die man über den Schlafsack spannen kann – oder eine Hängematte sind leichte Alternativen. Viel braucht man nicht, nur ein paar Klamotten und, wenn man kochen will, einen Gaskocher und Topf.

Ansonsten nehme ich meist Nüsse, getrocknetes Obst und Schokoriegel für die Laune mit. Beim Kochen empfehlen sich Dinge, die sich mit heissem Wasser aufgiessen lassen, wie Instantkartoffelbrei, Instantnudeln oder Couscous. Und man sollte immer an den Müll denken, den man wieder mitnehmen muss.

Und welchen unnötigen Ballast schleppen Anfänger gerne mit?

Am Anfang schleppen viele meistens zu viel mit. Zwei Kilo mehr auf dem Rücken machen bei einer langen Strecke viel aus. Je weniger man schleppt, desto mehr Spass hat man.

Ich hatte erst zu viel Kleidung dabei, sogar Teller und Besteck, jetzt esse ich mit einem Löffel aus dem Topf. Auch ein Kopfkissen braucht man nicht, man kann einfach Klamotten in einen Packsack stopfen. Ein minimalistischer Ansatz ist gefragt. Ich lege jedes Mal eine Excel-Tabelle an und trage dort auch kleine Gewichtsmengen ein.

Ferueb draussen – das geht zu Fuss, auf dem Sattel, aber auch per Boot wie hier auf der Mecklenburgischen Seenplatte im Osten von Deutschland.
Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Gibt es sonst etwas, das Anfängerinnen und Anfänger falsch machen?

Tatsächlich ist das grösste Problem für die meisten, dass sie zu viel mitschleppen. Ausserdem sind die Wanderschuhe ein wichtiger Punkt. Oft heisst es: Je robuster, desto besser. Feste Wanderstiefel machen allerdings nur im alpinen Bereich Sinn. Für andere Touren empfehle ich leichtere, flexiblere Wanderschuhe. Immerhin hebt man das Gewicht des Schuhs mit jedem Schritt hoch.

Ist es denn überhaupt erlaubt, wild zu zelten?

Wildzelten ist in den deutschsprachigen Ländern in den meisten Fällen verboten, aber es gibt auch Unterschiede je nach Region – und legale Alternativen: An Fernwanderwegen gibt es immer mehr Trekkingplätze für Wanderer. Allerdings muss man sich dort meistens vorher anmelden.

Und in Brandenburg, Deutschland, wo Wasserwandern per Boot angesagt ist, gibt es viele Lagerplätze am Ufer. Ausserdem findet man auch sehr naturnahe Campingplätze, wo ein bisschen Wildnis-Feeling aufkommt. Wichtig ist, sich an die Regeln zu halten und bei Privatgrundstücken beim Landbesitzer nachzufragen, ob man dort eine Nacht zelten darf.

Literatur: Fräulein Draussen: Wie ich unterwegs das Grosse in den kleinen Dingen fand, Kathrin Heckmann, Ullstein, 256 Seiten

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