Spitzen und PuffärmelWarum die Mode aus «Bridgerton» so verführerisch ist – wir ihr aber widerstehen sollten
Marjorie Kublun
27.1.2026
Benedict Bridgerton und Sophie Baek in der ersten Folge der vierten Staffel, die uns auf einen geheimnisvollen Maskenball mitnimmt.
LIAM DANIEL/NETFLIX
Bridgerton kommt diesen Monat zurück und bringt nicht nur Liebes-, sondern auch Fashion-Drama mit. Denn so hübsch die prunkvollen Kleider sind, so problematisch sind sie für die Modeindustrie.
Die Netflix-Serie Bridgerton kehrt mit Staffel 4 zurück und verbindet erneut romantisches Drama mit opulenter Mode im Regency-Stil.
Bereits frühere Staffeln lösten einen globalen Modetrend aus, der historische Kleidungselemente wie Empire-Kleider und Korsetts modern interpretierte.
Der Stil ruft jedoch die Fast-Fashion-Industrie auf den Plan und steht damit im Widerspruch zu aktuellen Nachhaltigkeitstrends und bleibt ein kurzlebiger Modehype.
In ein paar Tagen kehrt – nach ganzen zwei Jahren! – Bridgerton zurück und lässt uns erneut in die romantische Regency-Ära Grossbritanniens eintauchen. Aber auch in Intrigen, dramatische Liebesgeschichten und Gossip. Schon die erste Folge nimmt einen mit auf einen geheimnisvollen Maskenball, wie man dem Trailer zur 4. Staffel entnehmen kann.
Schon mit Staffel 1 war Bridgerton weit mehr als nur eine weitere hübsche Mädchen-Serie. So löste die Netflix-Produktion unter anderem einen echten Modehype aus, indem sie den Regency-Stil zurück ins moderne Modebewusstsein brachte: Empire-Kleider, Puffärmel, Korsetts.
Elemente, die zuvor als zu verspielt oder verkleidet galten, waren plötzlich heiss begehrt. Suchanfragen schossen in die Höhe, auf Social Media wurde die Ästhetik gefeiert. Was lange als altmodisch galt, wurde über Nacht zum Trend – das war 2020.
Die zweite und dritte Staffel festigten den Trend und übersetzten ihn endgültig in die Gegenwart. Neben dem üblichen Liebes-Drama wird darum auch bei Staffel 4 eine gute Portion Fashion-Inspiration erwartet. Bridgerton schafft es wie keine andere Serie, beides miteinander zu verbinden: Mode wird als spielerisches Mittel der Verführung eingesetzt.
Fantasie von Luxus und Eskapismus
Mit den nächsten beiden Bridgerton-Teilen, die am 29. Januar und am 26. Februar auf Netflix erscheinen, wird der Stil aus den vorherigen Staffeln nicht einfach wiederholt, sondern modernisiert. Die Handlung nähert sich langsam dem Jahr 1820; die Figuren und die Welt um sie herum haben sich weiterentwickelt. Es ist mit tragbareren Stücken zu rechnen, die noch mehr «instagrammable» sind und beim Publikum wohl noch besser ankommen.
Und genau hier liegt das Problem. In den letzten Jahren war eigentlich immer mehr nachhaltige, zeitlose und hochwertige Mode gefragt. Darauf hat zum Beispiel der schlichte Old-Money-Trend einbezahlt. Bridgerton ist der komplette Gegenentwurf: Prunkvoll, auffällig, dekadent, gemustert, gerüscht und gepufft.
Damit triggert die Serie die billigste Modeindustrie der Welt. Denn aufwendige Mode wie die der Regecy-Zeit ist teuer, wenn sie fair produziert sein soll. Das können oder wollen sich allerdings viele nicht leisten. So steigt kurzfristig die Nachfrage nach günstigen Varianten von Temu oder Shein, wo es Empire-Kleider für 13 oder Korsetts für 7 Franken zu kaufen gibt.
Mit Slow Fashion wie jene des 19. Jahrhunderts hat das wenig zu tun. Im Gegenteil: Der Regency-Stil mit Korsetts, langen Kleidern und extravaganten Accessoires ist trotz allem nur ein Micro-Trend: Faszinierend, aber garantiert nichts für die nächsten 20 Jahre im Kleiderschrank.
Trotzdem: Die Freude, die Bridgerton-Styles zu sichten, wird sich kein Modeliebhaber nehmen lassen. Wir werden auch die Kostüme der vierten Staffel bestaunen, auf Pause drücken, um Details genauer zu betrachten, die Outfits der Protagonist*innen lieben oder kritisieren. Denn sie lassen uns von Entschleunigung und Romantik träumen – und für einen Moment der Realität entfliehen.
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