Warum jedes Kind mit Harry Potter aufwachsen sollte

Jennifer Furer

8.7.2020 - 14:38

Die Welt des Zauberlehrlings Harry Potter (im Bild mit seinem besten Freund Ron Weasley  [rechts] und Hermine Granger [links]) fasziniert seit über 20 Jahre.
© 2004 Warner Bros. Ent. Harry Potter Publishing Rights J.K.R.

Heute vor 20 Jahren erschien das vierte Buch der Harry-Potter-Reihe. Ein Wendepunkt in der Saga – und Anlass, eine Ode auf den Epos zu verfassen.

Erst kürzlich, als das Coronavirus noch nicht wütete, fand im Hallenstadion eine Filmvorführung mit Livemusik des zweiten Teils «Die Kammer des Schreckens» statt.

Tausende Menschen aus allen Landesteilen strömten nach Zürich-Oerlikon, die Ränge waren voll. Etliche Fans zogen sich einen Umhang über, kleideten sich mit Merchandise ein oder zogen die Farben ihres Hauses an.

Man muss sich diese Dimension einmal vor Augen führen: Noch 22 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Harry-Potter-Buches fasziniert die Welt des Zauberlehrlings rund um den Globus. Manch eine Autorin oder Regisseur sehnt sich nach solch einem Erfolg.

Ein Sehnsuchtsort in unseren Gedanken

Auch dieses Jahr gibt es Grund zur Feier: Es ist 20 Jahre her, dass das vierte Buch «Der Feuerkelch» erschienen ist. Ein Wendepunkt in der Geschichte. In jenem Band kehrt der Feind ohne Nase, auch Voldemort genannt, in seiner vollen Gestalt zurück. Im vierten Buch wird der Kampf gegen das Böse erst so richtig eingeläutet.

Die Geschichte von Harry Potter gehört zweifelsohne zu den bekanntesten unserer Zeit. Sie würde auch überleben, wenn sie nicht in Form von Büchern festgehalten worden wäre. Was macht diesen Zauber bloss aus? Was macht Harry Potter so speziell?

In den Warner Bros. Studio Tour, in Watford, London, steht dieses Modell von Hogwarts.
AP Photo/Jonathan Short

Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Punkt: Harry Potter ist nicht «nur» ein Buch, ein Film, ein Hörspiel. Harry Potter stellt für viele ein Ort dar, an den man sich zurückziehen kann. Sozusagen eine Flucht in eine andere, magische Welt. Der Autorin J.K. Rowling ist es gelungen, mit Hogwarts, der Winkelgasse, dem Fuchsbau oder Gringotts eine Welt zu erschaffen, mit der wir uns identifizieren – ein Sehnsuchtsort in unseren Gedanken.

Gerade als Kind und als Jugendliche wird man vor schwierige Situationen gestellt. Man fühlt sich oft einsam, ungerecht behandelt, vulnerabel. Der Rückzug in die Welt des Zauberlehrlings ist eine Möglichkeit, sich von der realen Welt eine Pause zu verschaffen und etwas Schönes zu erleben. Auch als Erwachsener nimmt man so eine Chance gerne wahr.

Zugehörigkeit und Botschaften

Im Hogwarts-Universum gibt es Platz für alle, niemand wird ausgeschlossen, gemobbt oder von der magischen Welt fern gehalten. Mit den vier Häusern der Hogwartsschule hat J.K. Rowling zudem eine Möglichkeit zur Identifikation und Zugehörigkeit geschaffen – Gryffindor für die Mutigen, Hufflepuff für die Loyalen, Ravenclaw für die Intelligenten und Slytherin für die Ehrgeizigen. Was auf den ersten Blick nach einem Schema klingt, in das man sich reinquetschen muss, ist auf den zweiten Blick anders zu deuten.

Beim Lesen der Bücher oder beim Schauen der Filme entwickelt jeder und jede eine Sympathie für ein Haus. Zu diesem wird man zwar vom sprechenden Hut eingeteilt – die eigenen Wünsche werden dabei aber berücksichtigt, wie es Harry Potter selbst vorlebt.

Welches Kind wäre nicht gerne mit dem Hogwarts-Express in die Schule gefahren? Hier ein Bild aus den Universal-Studios in Orlando.
AP Photo/John Raoux

Womit wir schon beim dritten Grund sind, wieso jedes Kind auch heute noch mit Harry Potter aufwachsen sollte: die Botschaften, die vermittelt werden. Damit sind nicht etwa Floskeln oder subtile Meinungsbeeinflussungsversuche gemeint. Es geht um Botschaften, welche bei Kindern hängen bleiben – und ihnen Selbstvertrauen und Sicherheit vermitteln können.

Gemeint sind etwa Sätze wie «Du wirst nicht an dem gemessen, was du kannst, sondern an den Entscheidungen, die du triffst». Oder: «Ich bin, wer ich bin, und ich schäme mich nicht dafür. Schäme dich nie. Mein Vater hat mir immer gesagt: Es gibt Menschen, die dir das verübeln. Aber die sollten dich nicht kümmern.»

Nebst all diesen etwas ernsteren Themen ist es auch einfach cool, einen Zauberstab zu besitzen, im Garten Quidditch zu spielen und mit einem Zaubererumhang an Halloween durch die Gassen zu schlendern. Abgesehen davon ist die Suche nach einem Geburtstags- und Weihnachtsgeschenk bei Harry-Potter-Fans keine grosse Herausforderung.

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