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Jetzt meldenVolle Strassen, mehr Verkehr und wenig Platz: Die Stimmung im öffentlichen Raum wird rauer. Pro-Velo-Geschäftsführerin Yvonne Ehrensberger spricht über Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmenden und verrät, wie sich viele Streitigkeiten entschärfen lassen.
Frau Ehrensberger, wann waren Sie, als Sie mit dem Velo unterwegs waren, zuletzt richtig wütend?
Vergangene Woche, als mir ein Autofahrer den Weg abgeschnitten hat. Ich versuche zwar immer, in solchen Situationen ruhig zu bleiben, aber es funktioniert nicht jedes Mal. Manchmal entfährt mir vor lauter Schreck ein Schrei oder ich rufe laut «Hey!».
Haben Sie den Autofahrer auf seinen Fehler hingewiesen?
Nein. Solche Situationen können schnell eskalieren – deshalb lasse ich es lieber bleiben.

Pro Velo Zürich
Yvonne Ehrensberger ist Geschäftsführerin von Pro Velo Kanton Zürich. Der politisch unabhängige Verein setzt sich für bessere Bedingungen für Velofahrende ein – darunter sichere Velowege, genügend Abstellplätze und eine velofreundliche Verkehrspolitik.
Haben Sie auch schon schwierige Situationen zwischen Velofahrer*innen und Fussgänger*innen erlebt – und wenn ja, wie haben Sie darauf reagiert?
Durchaus. Beispielsweise ist ein Fussgänger unerwartet auf die Fahrbahn getreten und ich musste im letzten Moment ausweichen. Aber auch ich bin schon zu nahe an Fussgängern vorbeigefahren oder habe zu spät gemerkt, dass jemand am Fussgängerstreifen queren will. Ich versuche dann immer, mich direkt zu entschuldigen und denke für mich selber «Ups, so doof von mir».
Woher kommt diese zunehmende Gereiztheit Verkehrsteilnehmer*innen?
Vor allem in Grossstädten wie Zürich ist heute deutlich mehr los als noch vor 10, 20 Jahren – nicht nur auf den Strassen, sondern auch auf den Trottoirs oder in der Aussengastronomie.
Dadurch entstehen häufiger Konflikte, oft zwischen Auto- und Velofahrern. Aber auch Fussgängerinnen und Fussgänger reagieren schneller gereizt. Wenn der Platz knapper wird und die Wege länger dauern, steigt die Anspannung bei vielen Menschen.
Werden Sie von Pro Velo Zürich für das Verhalten einzelner Velofahrendenden verantwortlich gemacht?
Das kommt durchaus vor. Oft ist damit auch die Forderung verbunden, wir müssten «unsere Leute» besser erziehen. Ich versuche dann zu erklären, dass wir zwar sensibilisieren und für gegenseitige Rücksichtnahme werben können. Tatsächlich erreichen wir aber längst nicht alle Menschen, die heute mit dem Velo unterwegs sind.

Mehr Menschen, weniger Platz und steigende Anspannung: Konflikte zwischen Velofahrenden und Fussgängern nehmen zu.
Bild: Keystone
Haben die Konflikte auch damit zu tun, dass Verkehrsregeln heute weniger konsequent eingehalten werden? Viele Verkehrsteilnehmer*innen fahren bei Rot über die Strasse, verzichten auf Handzeichen oder blinken nicht mehr.
Das ist schwierig einzuschätzen. Einerseits will niemand einen Schilderwald und eine bis ins letzte Detail regulierte Verkehrswelt. Andererseits haben wir in der Schweiz im internationalen Vergleich bereits heute sehr viele Regeln, Markierungen und Verkehrsschilder.
Ob mehr Regeln tatsächlich zu mehr Rücksichtnahme führen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Es gibt die eine Philosophie, die sagt: Lasst die Menschen die Situation selbst einschätzen und aufeinander Rücksicht nehmen. Die andere setzt auf möglichst klare Vorgaben und eigene Verkehrsflächen für alle Verkehrsteilnehmenden.
Sind Sie für mehr Regeln oder mehr Eigenverantwortung?
Ich bin nicht überzeugt, dass Toleranz automatisch wächst, wenn jeder seinen Bereich und seine Regeln hat. Rücksichtnahme entsteht nicht nur durch Vorschriften – sondern vor allem auch durch gut gestaltete Strassenräume und angepasste Geschwindigkeiten. Hinzu kommt, dass sich viele Situationen im Alltag gar nicht eindeutig regeln lassen.
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Was kann man tun, damit man sich im Strassenverkehr nicht so schnell aufregt? Oder anders gefragt: Haben Sie konkrete Tipps, wie Konflikte insbesondere zwischen Fussgängern und Velofahrenden künftig vermieden werden können?
Ich glaube, gerade zwischen Fussgängerinnen, Fussgängern und Velofahrenden liesse sich mit etwas mehr Gelassenheit viel erreichen. Oft genügt schon ein kurzer Blickkontakt, ein freundliches Sorry oder ein kleines Zeichen des Entgegenkommens.
Konflikte entstehen schnell: Jemand kommt einem zu nahe oder verhält sich unachtsam. Wenn man dann sofort verärgert reagiert, eskaliert die Situation oft unnötig. Mit etwas Freundlichkeit lässt sich vieles entschärfen.
Und was können Velofahrer*in zu friedlicheren Verhältnissen auf der Strasse beitragen?
Frühzeitig abbremsen, genügend Abstand halten und sich mit einem sanften Pfeifen bemerkbar machen. Ein freundlicher Hinweis wirkt meist besser als ein aggressives Klingeln im letzten Moment.