13.09.2015 - 15:47, Simone Ott

Die neuen Bauern in der Schweiz: Daniel Ritler erweckt sein Tal zu neuem Leben

 

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Daniel Ritler hat im Walliser Lötschental eine Schafzucht aufgebaut. Mittlerweile leben auf seinem Biohof auch Hühner und Bienen. Mit seinen selbst produzierten Lebensmitteln und einer Genussküche ist er weit übers Tal hinaus bekannt geworden.

Schön gedeckt ist er, der Esstisch in der rustikalen Werkstatt des Hofes von Daniel Ritler. Von den dunklen Holzwänden grinsen handgeschnitzte Maskengesichter - wildes Haar, schiefe Zähne - herunter. Auf den Mittag erwarten Schafbauer Ritler und seine Frau Karin ein Brautpaar zur Besprechung ihres Hochzeitsmahles. Karin Ritler ist gelernte Köchin, eine ausgezeichnete dazu. Oben in der Küche des Hofes bereitet sie Köstliches wie Kartoffelkäse, Lauch-Speck-Brot und Spargelsuppe für das Testmenu vor, während Daniel sich um die Trockenfleischplättli und Weine kümmert. Geschnitzt  werde immer noch in der Werkstatt, erklärt er. Seit Jahrzehnten werden im urchigen Raum  «Tschäggäta», die gfürchigen Lötschentaler Holzmasken, hergestellt. So sind die traditionellen Holzschnitzer-Instrumente und Werkbänke Teil der beseelten Innendekoration. 

Die Genussküche, wie die Ritlers ihr Angebot nennen, ist eines der Standbeine der Biobauern-Familie. Wer im Lötschental überleben will, muss nach neuen Ideen suchen. «Nur so können wir uns im Tal eine Existenz erwirtschaften», sagt Daniel Ritler beim Öffen einer Flasche Wein, einem Walliser Tropfen. Der 46-Jährige gelernte Dachdecker und Spengler arbeitete in jungen Jahren auf seinem Beruf in Bern, «um etwas andere Luft zu schnuppern». Doch die Sehnsucht nach den Lötschental war zu gross. Nach zwei Jahren in der 'Üsserschwyz' kehrte er zurück und kaufte ein paar Schafe, die «nur ein Hobby werden sollten.» Die Herde wuchs jedoch kontinuierlich und damit die Arbeitsbelastung. Mit der Zeit reduzierte Daniel Ritler sein Arbeitspensum als Dachdecker, um mehr Zeit für die Betreuung der Schafe zu haben. 

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Daniel Ritler: «Wichtig ist aber, dass man das ganze Lamm vermarkten kann».
Bild: Daniel Ritler

Der verheerende Lawinenwinter 1999 machten den Lötschentaler definitv zum Schafbauern. Die Schneemassen zerstörten einen Stall in Ried bei Blatten auf über 1'500 Meter Höhe. «Der Besitzer baute ihn wieder auf, verpachtete mir diesen zusammen mit dem Land», erzählt Ritler. Seine Herde wuchs auf 80 Muttertiere an, und seinen Job als Dachdecker gab er ganz auf: «Ich machte aber eine Ausbildung zum Skilehrer, um im Winter ein zusätzliches Einkommen verdienen zu können.» Die Schlachttiere verkaufte er zunächst einem Händler. Es wurde ihm aber schnell klar, dass Landwirtschaft, die lokale Gastronomie und der Tourismus zusammen gehören, «damit die Infrastruktur erhalten bleibt und Arbeitsplätze im Tal geschaffen werden.» Öfters sass Ritler mit Kollegen, die selber innovative Gedanken verfolgen, zusammen und heckte verschiedene Ideen aus. Und so fand er einen Schäferkollegen und Metzgermeister aus dem benachbarten Berner Oberland, der für ihn geräucherte Wurst- und Fleischspezialitäten kreierte. Das war die Geburtsstunde seines Labels «Danis Lamm», dessen Produkte nun auf zahlreichen Lötschentaler Menukarten stehen. «Wichtig ist aber, dass man das ganze Lamm vermarkten kann», sagt er. Deshalb verkauft er auch die Schafwolle, die etwa zu Kissen und Decken verarbeitet wird oder als Isolationsmaterial zum Einsatz kommt. 

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«Danis Lamm» ist bis weit übers Lötschental hinaus bekannt.
Bild: Daniel Ritler

Die Direktvermarktung lief gut an. Weitere Ideen wurden gesponnen, Karin Ritlers Kochkünste miteinbezogen. Der ehemalige Kuhstall dient heute als Gourmetladen. Neben den selbstproduzierten Lammfleischprodukten gibt es im Angbot auch Fleisch von einem lokalen Galloway-Bauern, Käse, Wein und Teigwaren aus der Region. «Danis Lamm» kommt bis weit übers Lötschental hinaus an: «Der Trend zurück zum Ursprünglichen und Lokalen kommt uns entgegen», sagt Ritler. Dass gestresste Städter Ruhe, Einkehr und Kontakt mit der unverfälschten Natur suchen, ist zum Geschäftsmodell der Ritlers geworden. Neben der Genussküche in der Maskenwerkstatt, bieten sie jährlich gemeinsam mit vier Lötschentaler Gastronomen auch ein erlebnisreiches Wald Kulinarium in Blatten an. 

Auf den 40 Hektar Land leben heute 200 Schafe und Lämmer. Um genügend Produkte liefern zu können, kauft Daniel Ritler von Biobauern aus der Region Tiere zu. «So kann ich die Wertschöpfung weitergeben», erklärt er. «Schön wäre es, wenn wir den Betrieb für einen Nachfolger aufbauen können» sinniert Daniel Ritler. Die Nachwuchshoffnung hat bereits einen Namen: Nathanael, der 17-jährige Sohn von Karin. Seit drei Jahren führt er neben dem Schafstall eine Hühnerfarm mit 50 Hennen und zwei Hähnen. Die Bioeier verkauft er an private Hühneraktienbesitzer, an Hotels und Geschäfte und natürlich im familieneigenen Hofladen. Ganz im Sinne einer entstehenden Familientradition. 

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