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Bötschi fragt Marcel Dettling

«Die SVP ist ein grosser Haufen, in dem viele Flöhe leben»

«Wenn meine Frau wieder in ihrem angestammten Beruf arbeiten will, würden wir das irgendwie arrangieren – genauso wie wir es getan haben, als ich in den Nationalrat gewählt worden bin»: Marcel Dettling.

«Wenn meine Frau wieder in ihrem angestammten Beruf arbeiten will, würden wir das irgendwie arrangieren – genauso wie wir es getan haben, als ich in den Nationalrat gewählt worden bin»: Marcel Dettling.

Bild sda

Marcel Dettling leitet seit März 2024 die SVP Schweiz. Ein Gespräch mit dem Schwyzer Nationalrat über das Vatersein, die Probleme bei der Beschaffung des F-35 und die Zürcher Politikerin Sanija Ameti.

Bruno Bötschi

Bruno Bötschi

26.07.2025, 23:32•07.08.2025, 07:37

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Nationalrat Marcel Dettling aus Oberiberg SZ leitet seit März 2024 die SVP Schweiz.
  • Ein Gespräch mit dem 44-jährigen Landwirt, wie zufrieden er mit seiner Leistung als Politiker ist und welche Aufgaben seines neuen Amtes er zu Beginn unterschätzt hat.
  • «Ich bin kein Intrigant. Ich bin ein berechenbarer Politiker, der immer direkt auf die Leute zugeht», so Dettling im Gespräch mit blue News.
  • Und weiter: «Bern nehme ich als eine typische Beamtenstadt wahr. Ab 22 Uhr herrscht Totenstille und es läuft nichts mehr.»
  • Weitere Themen sind: Die Probleme bei der Beschaffung der F-35-Kampfjets, die AfD-Chefin Alice Weidel, die TV-Kuppelshow «Bauer, ledig, sucht» und das Familienleben der Dettlings.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Herr Dettling, ich stelle Ihnen in den nächsten 45 Minuten möglichst viele Fragen. Und Sie antworten bitte möglichst kurz und schnell. Wenn Ihnen eine Frage nicht passt, können Sie auch einmal «Weiter» sagen.

Okay, in diesem Fall werde ich buzzern (lacht).

Tag oder Nacht?

Ich bin eigentlich ein Nachtliechtli. Trotzdem gefällt mir der Tag besser, weil man die Natur dann besser sieht.

Hund oder Katze?

Wir haben weder Hund noch Katzen bei uns auf dem Hof. Falls ich wählen müsste, würde ich einen Hund nehmen. Wir könnten ihn als Betriebshund einsetzen, um die Nutztiere von der Weide zu holen.

Zürich oder Bern?

Zürich ist der stärkere Wirtschaftsstandort und es ist auch sonst mehr los in der Stadt. Bern nehme ich als eine typische Beamtenstadt wahr. Ab 22 Uhr herrscht Totenstille und es läuft nichts mehr.

Welche Ecke von Oberiberg SZ würden Sie mir zeigen, wenn wir einen halben Tag Zeit hätten?

Wir könnten zum Guggerechopf hinaufspazieren und die Aussicht über das Plateau und den Sihlsee geniessen. Oder wir könnten im Hoch-Ybrig wandern gehen und die wunderbare Aussicht vom Vierwaldstättersee bis zum Zürichsee geniessen – bei guter Fernsicht sieht man sogar bis in den Schwarzwald.

blue News

Zum Autor: Bruno Bötschi

blue News-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Er stellt ihnen ganz viele Fragen – immer direkt, oft lustig und manchmal auch tiefsinnig. Dabei bleibt bis zur allerletzten Frage immer offen, wo das rasante Pingpong hinführt.

Warum nochmals ist die Schweiz das schönste Land der Welt?

Die Schweiz ist landschaftlich unglaublich vielfältig. Das Erste, was mir immer wieder auffällt, wenn ich aus dem Ausland zurückkomme, ist die Sauberkeit. Bei uns werden sogar die Böschungen entlang der Autobahnen gemäht. Das sieht man sonst nirgends auf der Welt. In der Schweiz sieht man auch keine Leitplanken, die rostig sind, weil sie frühzeitig ausgewechselt werden. Und liegt doch einmal Abfall herum, geht es nicht sehr lange und er wird weggeräumt.

Warum nochmals ist Bauer der schönste Beruf der Welt?

Als Bauer bin ich ganz oft in der Natur draussen und kann mit Kühen arbeiten.

Dieses Jahr wird die 21. Staffel von «Bauer, ledig, sucht» ausgestrahlt. Verhilft die TV-Kuppelshow von 3+ dem Schweizer Bauernstand zu mehr Ansehen?

Diese Fernsehsendung verhilft vor allem Ledigen eine Frau oder einen Mann zu finden. «Bauer, ledig, sucht» gibt zudem einen Einblick in das Leben auf dem Bauernhof, wenn auch oft mit einem Augenzwinkern. Gewisse Szenen wirken zwar arg gespielt – möglicherweise wollten das die Verantwortlichen des TV-Senders so haben.

Auf einer Skala von eins bis zehn, wie glücklich sind Sie im Moment?

Ich gebe mir zehn Punkte. Das Leben meistert sich einfacher, wenn man sich auf das Positive konzentriert. Die Tage, an denen ich mit dem linken Bein aufstehe, sind äusserst selten.

Welches war Ihre erste politische Handlung – und wann war das?

Als Elfjähriger trat ich als Ministrant zurück, weil mir das Verhalten des Pfarrers zu politisch wurde. Es war kurz vor der EWR-Abstimmung im Jahr 1992, als unser Pfarrer lautstark Christoph Blocher kritisierte und meinte, die Schweiz müsse unbedingt dem EWR beitreten. Mir gefiel nicht, dass der Pfarrer versuchte, uns Kinder politisch zu beeinflussen.

«Bern nehme ich als eine typische Beamtenstadt wahr. Ab 22 Uhr herrscht Totenstille und es läuft nichts mehr»: Marcel Dettling.

«Bern nehme ich als eine typische Beamtenstadt wahr. Ab 22 Uhr herrscht Totenstille und es läuft nichts mehr»: Marcel Dettling.

Bild: Keystone

Nach Ihrer Vereidigung als Nationalrat im Dezember 2015 wurde Ihre Frau Priska Dettling im «Boten der Urschweiz» wie folgt zitiert: «Vor allem die Kinder werden sich daran gewöhnen müssen, dass es abends nicht spannende Geschichten vom Dädi gibt.» Wie hat sich seit Ihrem Einstieg in die nationale Politik Ihr Familienleben verändert?

Ich darf sagen, dass ich seit meiner Wahl in den Nationalrat die Zeit daheim mit den Kindern bewusster nutze. Früher gab es immer wieder Sonntage, während denen ich in der Stube auf dem Kanapee herum lag. Heute unternehmen wir an solchen Tagen viel mehr als Familie. Wir gehen wandern, sind mit dem Velo unterwegs oder gehen Skifahren im Winter.

Haben Sie manchmal ein schlechtes Gewissen gegenüber Ihren drei Kindern, weil Sie oft abwesend sind?

Überhaupt nicht. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich in der Zeit, während der ich daheim bin, viel mit den Kindern unternehme. Im Rückblick kann ich sogar sagen: Unser Familienleben ist nicht so kompliziert geworden, wie ich es mir 2015 nach meiner überraschenden Wahl in den Nationalrat vorgestellt hatte.

Johannes Läderrach, CEO und Präsident der Schokoladenfirma Läderrach in Bilten GL, sagte kürzlich im Interview mit der «Handelszeitung»: Er stimme sich in Sachen Familienagenda eng mit seiner Frau ab «und verplane nicht mehr als drei Abende pro Woche, die anderen vier bin ich zu Hause. Auch am Wochenende arbeite ich nicht.»

(Marcel Dettling lacht)

Kennen Sie solche Regeln auch?

Ich habe eine Regel – und die betrifft den Sonntag: An diesem Tag möchte ich wirklich frei haben. Das sage ich auch immer klar, wenn politische Anfragen kommen. Trotzdem passiert es drei- oder viermal im Jahr, dass ich contre-cœur auch am Sonntag einen politischen Termin wahrnehmen muss. Ansonsten ist mir der Sonntag aber wirklich heilig …

… ausser …

… wenn ich am Abend noch einen Auftritt in der TV-Sendung «Sonntalk» habe. An so einem Tag müssen wir mit der Familie einfach ein bisschen früher als sonst üblich vom Ausflug daheim sein, weil ich dann um 16 Uhr Richtung Zürich losfahren muss. Vier Stunden später bin ich aber bereits wieder daheim.

Teaser image

Bötschi fragt Mattea Meyer

«Ich finde es beschämend, für wie viel Elend die Schweiz mitverantwortlich ist»

Während Sie politisch tätig sind, managt Ihre Frau Priska zusammen mit einer Angestellten den bäuerlichen Familienbetrieb. Wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Frau in zwei Jahren sagt, sie wolle wieder ihren einst erlernten Berufe als Pflegefachfrau nachgehen?

Das wäre kein Problem für mich. Wenn meine Frau wieder in ihrem angestammten Beruf arbeiten will, würden wir das irgendwie arrangieren – genauso wie wir es getan haben, als ich in den Nationalrat gewählt worden bin. Aber unter uns gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in nächster Zeit geschehen wird. Priska ist mittlerweile Bäuerin mit Leib und Seele.

Habe ich Sie richtig verstanden: Sie würden dann aus der nationalen Politik aussteigen?

Wir würden die Situation gemeinsam meistern, genauso wie wir bisher alles gemanagt haben. Aber sicher ist, ich würde meiner Frau keine Steine in den Weg legen.

Sie sind seit 15 Jahren verheiratet: Wirklich wahr, dass die Flitterwoche nach wie vor pendent ist?

(Lacht) Das stimmt. Aber weder meine Frau noch ich haben je konkrete Pläne gemacht, wo wir unsere Flitterwoche verbringen könnten.

Im März 2024 wurden Sie zum Präsidenten der SVP Schweiz gewählt. Wie veränderte Sie die Macht?

Durch meine Tätigkeit als Wahlkampfleiter im Jahr 2023 konnte ich bereits im Vorfeld gut abschätzen, wie gross der Aufwand für die politische und mediale Arbeit sein wird. Als Präsident bin ich zudem stark bei internen Angelegenheiten gefordert. Ich muss hin und wieder löschen gehen, wenn die Gemüter erhitzt sind, damit es keinen Flächenbrand gibt. Ich gebe offen zu, dass ich diesen Teil des Präsidentenamtes am Anfang unterschätzt habe – also das Zusammenhalten des Haufens.

Sie nennen die SVP einen Haufen?

(Lacht) Die SVP ist ein grosser Haufen, in dem viele Flöhe leben, die ich als Parteipräsident irgendwie zusammenhalten muss.

Haben Sie schon herausgefunden, mit welcher Ausrede man sich am besten von langweiligen Sitzungen entschuldigen kann?

Nein. Aber ich bin sowieso eher der Typ, der am Ende der Sitzung gerne noch mit allen Teilnehmenden zusammensitzt und etwas trinkt. Meine Frau hat mir schon mehrfach vorgehalten, dass ich etwas sehr spät nach Hause gekommen bin.

Mitte Juni spiessten Sie während einer SVP-Veranstaltung auf dem Rütli mit einer Hellebarde symbolisch die neuen Verträge mit der EU auf. Wer kommt in Ihrer Partei auf solch bildstarken Ideen?

Die Hellebarde ist auf meinem Mist gewachsen. Aber wir haben sehr viele gute Ideengeber in der Partei.

«Die Hellebarde ist auf meinem Mist gewachsen»: Marcel Dettling auf dem Rütli während des Fraktionsausflug der SVP Schweiz im Juni 2025.

«Die Hellebarde ist auf meinem Mist gewachsen»: Marcel Dettling auf dem Rütli während des Fraktionsausflug der SVP Schweiz im Juni 2025.

Bild: Keystone

Der Grundsatz der Lohngleichheit für Frau und Mann ist in der Bundesverfassung und im Gleichstellungsgesetz verankert. Trotzdem sind die Lohnunterschiede in der Schweiz gross. Ist die SP schuld daran – oder doch die SVP?

Weder noch. Dass es heute noch Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau gibt, hat verschiedene Gründe. Männer wechseln eher die Stelle und verhandeln oft frecher als die Frauen. Ich persönlich bin der Meinung, dass grundsätzlich die Leistung honoriert werden soll, also unabhängig vom Geschlecht.

Die Beschaffung von Kampfflugzeugen bringt in der Schweiz seit dem Mirage-Skandal in den 1960er Jahren immer wieder Politiker*innen in die Bredouille und erhitzt die Gemüter der Stimmbürger*innen. So grundsätzlich: Was läuft da bei diesen Kampfflugzeugen falsch?

Der Kaufentscheid für den F-35 hat auch bereits ein Opfer gekostet: Bundesrätin Viola Amherd wusste im vergangenen Januar schon sehr genau, was auf sie zukommen würde. Ich gehe deshalb davon aus, dass ihr Abgang eine Flucht nach vorne war.

Meine Frage war: Wieso gibt es bei der Beschaffung von neuen Kampfflugzeugen für die Schweizer Armee so oft Probleme?

Ich kann nur über den Kaufentscheid zum F-35 sprechen. Meiner Ansicht nach wurde da sehr schlecht verhandelt. Was mich aber viel mehr Sorgen bereitet: Wie will jemand, der es nicht schafft, 36 Flugzeuge ohne Kostenüberschreitung zu kaufen, einen fast 2200-Seiten starken Vertrag mit der EU auszuhandeln?

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Sogar ein Bundesrat trat zurück

Die Schweiz und ihre Kampfjets – eine Geschichte voller Pannen

Die SVP will mit tieferen Steuern reiche Ausländer*innen und Firmen anziehen. Und das, obwohl Ihre Partei immer wieder mit Zuwanderungsinitiativen gegen die Zuwanderung kämpft. Ihre politischen Gegner halten das für schizophren.

Tiefere Steuern kommen allen zugute, also auch den Schweizern. Die SVP ist zudem der Meinung, dass das Geld dem Volk und nicht dem Staat gehören sollte. Wir finden, es soll jeder Mensch in unserem Land selbst entscheiden können, wofür er sein Geld ausgeben und wofür nicht.

Und zudem: Am meisten Stellen wurden in den letzten Jahren in der öffentlichen Verwaltung geschafften, also beim Staat. Genau deshalb müssen dem Staat die finanziellen Mittel entzogen werden. Sonst explodieren die Zahlen bei den Beamten noch mehr.

Und ja, es kann sein, dass tiefe Steuern auch zu mehr Arbeitsplätzen in der Wirtschaft führt. Das sind jedoch meistens Expats, die einem Job in der Schweiz nachgehen. Im Gegensatz zu den Asylmigranten aus der ganzen Welt, die uns Milliarden im Jahr kosten.

Angesichts Ihres Erfolgs: Fällt es Ihnen manchmal schwer, Ihren politischen Gegner überhaupt noch ernst zu nehmen?

Ich nehme unsere politischen Gegner sehr ernst. Ich beobachte zudem mit Argusaugen, wenn es an der Spitze einer anderen Partei einen Wechsel gibt. Das hat oft auch einen Effekt auf die Wählerschaft der SVP.

Sie sagten einmal in der NZZ, einen «Bundesrat Dettling» werde es nie geben. Zweifeln Sie an Ihren Fähigkeiten, ein guter Politiker zu sein?

Wer ständig im Hinterkopf hat, dass er dereinst Bundesrat werden möchte, vernachlässigt seine Arbeit als Volksvertreter. Solche Leute fragen sich immer: Darf ich das noch sagen im Parlament – oder mache ich damit jemanden hässig, der mir später die Stimme nicht geben könnte?

Sie zweifeln demnach nicht an Ihren Fähigkeiten als Bundesrat, sondern Sie haben einfach kein Interesse an dem Amt?

Ich habe grossen Respekt vor dem Amt des Bundesrates. Der Job bringt eine riesige Verantwortung mit sich. Und wegen meiner Fähigkeiten: Ich denke, man kann in jedes Amt reinwachsen. Als Bundesrat ist es zudem äusserst wichtig, dass du die richtigen Personen um dich scharrst.

Aktuell ist das gut zu beobachten beim neuen Bundesrat Martin Pfister. Meiner Ansicht nach ist seine Personalpolitik bisher nicht schlecht – im Gegensatz zu Beat Jans. Der holte nach seiner Wahl in den Bundesrat einfach seine Leute aus Basel nach Bern. Er zügelte quasi seine Basler Wohlfühloase ins Bundeshaus.

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Seit 50 Tagen im Bundesrat

Pfister: «Sicherheit so gefährdet wie schon lange nicht mehr»

Sie haben auf Facebook mehrere Posts zu Sanija Ameti gepostet. Ist sie eigentlich ein Glücksfall für die SVP – oder wieso arbeiten Sie sich an der Zürcher Politikerin ab, die politisch nicht mehr so viel Bedeutung hat?

Man könnte dies vielleicht meinen. Fakt ist jedoch, dass die Economiesuisse (Anmerkung der Redaktion: ein Dachverband der Schweizer Wirtschaft) Frau Ameti jetzt beim Thema «EU-Rahmenverträge» wieder aus der Asche zu zieht. Denn sind wir ehrlich: Die Operation Libero mit Co-Präsidentin Ameti ist ein Spielzeug der Economiesuisse. Ein Spielzeug, das bei Fragen zum Verhältnis Schweiz – EU immer wieder vorgeschoben wird.

Mich persönlich ärgert im Fall Ameti zudem, dass die Schweiz ihrer Familie einst Schutz geboten hat und dafür sorgte, dass sie eine gute Ausbildung bekommt. Das alles kostete viel Geld. Am Ende dieser Fast-Integration fällt Frau Amati jedoch nichts Besseres ein, als mit einer Waffe auf ein Jesuskind-Bild zu schiessen.

Es tut mir leid, ich finde, das ist krank – und geziemt sich für ein Person nicht, die politisch aktiv ist. Würden ein SVPler Ähnliches tun, würde ich ihn übrigens genauso hart kritisieren.

Die Chefin der AfD, der grössten rechtsextremen Partei Deutschlands, lebt mehrheitlich in der Innerschweiz. Es gibt Politiker*innen hierzulande, die behaupten, dieser Zustand sei eine Bedrohung für die innere Sicherheit der Schweiz.

Dass Alice Weidel in der Schweiz lebt, sehe ich nicht als Bedrohung an. Eine Bedrohung unserer inneren Sicherheit sind die offenen Grenzen und dass unsere Behörden ausländische Verbrecher und Terroristen nicht rigoros abschieben. Ich muss zudem sagen, Frau Weidel lebt friedlich in der Schweiz und mischt sich nicht in unsere politischen Belange ein – zumindest Stand heute.

Was denken Sie, wie würden die Verantwortlichen der SVP reagieren, wenn Sie als Präsident künftig einen Bauernhof im Allgäu betrieben?

Das kann ich nicht beurteilen. Aber in Deutschland wird es scheinbar akzeptiert, dass eine Parteichefin grösstenteils im Ausland lebt. Zumindest feiert die AfD aktuell grosse Wahlerfolge – obwohl das Privatleben von Frau Weidel immer wieder medial ausgeschlachtet wird, also geschrieben wird, dass sie lesbisch ist, zwei Kinder hat und grösstenteils in der Schweiz lebt.

«Dass Alice Weidel in der Schweiz lebt, sehe ich nicht als Bedrohung an»: Marcel Dettling.

«Dass Alice Weidel in der Schweiz lebt, sehe ich nicht als Bedrohung an»: Marcel Dettling.

Bild: Keystone

Mit welchem Bundesrat würden Sie lieber ein Woche Ferien auf einer einsamen Insel verbringen: Guy Parmelin oder Albert Rösti?

Mit Albert Rösti – wir haben viele Gemeinsamkeiten.

Mit wem würden Sie lieber auf den Grossen Mythen wandern – mit Thierry Burkart oder Philipp Matthias Bregy?

Mit Philipp Matthias Bregy – so leid es mir tut, aber Burkart gehört als abtretender FDP-Präsident der Vergangenheit an. Bregy dagegen leitet seit Kurzem die Mitte. Ich hätte so Einiges mit ihm zu besprechen, damit wir die Schweiz zusammen vorwärtsbringen können.

Mit wem würden Sie lieber einen Kaffee trinken – mit Jacqueline Badran oder Tamara Funiciello?

Schwierige Frage … weiter …

Sorry, aber bei dieser Frage akzeptiere ich das «Weiter» nicht als Antwort.

Mit Jacqueline Badran habe ich schon so oft Kaffee getrunken. Aktuell wüsste ich gerade nicht, was ich mit ihr besprechen soll.

Und mit Frau Funiciello …

… habe ich keine Lust Kaffee trinken zu gehen.

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Diffamierung aus Paraplegiker-Zentrum

Nottwiler Klinik-Mitarbeiter beleidigt Tamara Funiciello – Konsequenzen

Welches war die erfolgreichste Intrige, die Sie selbst im Bundeshaus gesponnen haben?

Dass darf ich mir zugutehalten: Ich bin kein Intrigant. Ich bin ein berechenbarer Politiker, der immer direkt auf die Leute zugeht.

Bitte kurz und knapp: Ihr Urteil über die Zusammenarbeit mit der FDP?

Nicht schlecht.

Ihr Urteil über die Zusammenarbeit mit der Mitte?

Bisher sehr schwierig – ich hoffe, mit dem neuen Präsidenten wird es besser.

Ihr Urteil über die Zusammenarbeit mit der SP?

Eher weniger Berührungspunkte – gleichwohl bieten sich immer wieder Möglichkeiten der Zusammenarbeit an.

Ihr Urteil über die Zusammenarbeit mit den Grünen?

Noch weniger Berührungspunkte – ausser bei gewissen Fragen zur Landwirtschaft.

Ihr Urteil über die Zusammenarbeit der GLP?

Mit dieser Partei haben wir mit Abstand am wenigsten Berührungspunkte – mit Ausnahme manchmal bei der AHV und manchmal bei den Bundesfinanzen.

Wenn Sie auf die vergangenen zehn Jahre Ihrer politischen Tätigkeit als Nationalrat und SVP-Präsident zurückblicken, wie zufrieden sind Sie mit Ihrer bisherigen Leistung?

Die Leistung als Politiker kann immer besser sein – und besonders als Parteipräsident sollte man nie zufrieden sein und schon gar nicht mit der eigenen Leistung. Es gibt auch bei der SVP immer irgendwo Baustellen oder Themen, wo wir mit noch mehr Biss für unsere Standpunkte kämpfen sollten.

Meiner Ansicht nach werden heute politische Themen sowieso zu oft zu kurzsichtig bearbeitet. Das ist ein Problem, das übrigens auch innerhalb der SVP nicht Halt macht. Kaum brennt ein Thema, werden schnell Schlagzeilen generiert und Vorstösse eingereicht – zu oft geht danach aber das Nachhacken und Kontrollieren vergessen.

Ihr grösster Erfolg als Politiker war …

… als ich 2015 überraschend als Nationalrat gewählt worden bin. Aber ganz wichtig: An diesem Erfolg waren noch viele andere Menschen beteiligt.

Ihre schlimmste Niederlage als Politiker war …

Die Ablehnung der Begrenzungsinitiative am 27. September 2020 durch die Schweizer Stimmberechtigten.

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Politiker*innen im Style-Check

«Typisch Schweizer: nicht zu bünzlig, nicht zu frech»

Was gefällt Ihnen besser: Bauer oder Politiker sein?

Bauer sein – in meinen Augen ist Politiker kein richtiger Beruf, sondern eine Aufgabe. Aber trotzdem Hut ab vor allen Menschen, die politisch aktiv sind und sich engagieren.

Wo zeigt sich Ihre Eitelkeit?

Schwierige Frage … das kann ich Ihnen nicht beantworten.

Es fällt auf, dass für Ihr Youtube-Videoformat «Dütsch. Dütlich. Dettling» Ihr Gesicht mit Weichzeichnern nachbearbeitet wird.

Was sind Weichzeichner?

Damit werden in Ihrem Gesicht und jenem von Moderatorin Vivienne Huber die Falten wegradiert.

Ist dem so? Davon weiss ich nichts und habe es ganz sicher auch nicht selber veranlasst (lacht schallend). Ich stehe zu meinen Falten, zu meinen grauen Haaren und auch zu allen anderen äusserlichen Makeln.

Ich nenne Ihnen zwei Marcel-Dettling-Sätze aus den Medien und Sie sagen mir bitte, was sie bedeuten: «Vor der Viehschau im Ybrig bin ich nervöser als vor einem Auftritt in der ‹Arena›.»

Dem ist so – und hat damit zu tun, weil ich durch eine gute Vorbereitung einen Auftritt in der TV-Sendung «Arena» selber stärker beeinflussen kann.

«Dass kein Jurist mehr im Bundesrat sitzt, gibt mir Hoffnung.»

Wenn du fünf Juristen fragst, hast du am Ende mit grösster Wahrscheinlichkeit fünf verschiedene Meinungen. Das ist der Grund, warum Juristen unser Land oft nicht weiterbringen. Mir ist es viel wichtiger, dass ein Bundesrat sich bei einem Thema wirklich gut auskennt und einen kritischen Geist hat.

Und noch einen Satz von Ihrer Frau Priska aus der «Bauern-Zeitung»: «Kommt Marcel dann am Freitag nach Hause, will er natürlich lieber die Kinder geniessen, statt den strengen Vater zu spielen.»

(Lacht) Es ist wahr, wenn ich nach Hause komme, will ich nicht als Erstes ausrufen. Ein Thema, das anderen Vätern wahrscheinlich auch nicht fremd sein wird. Trotzdem muss aber auch ich hin und wieder auf den Tisch klopfen, wenn mich die Kinder hässig gemacht haben.

«Ich stehe zu meinen Falten, zu meinen grauen Haaren und auch zu allen anderen äusserlichen Makeln»: Marcel Dettling.

«Ich stehe zu meinen Falten, zu meinen grauen Haaren und auch zu allen anderen äusserlichen Makeln»: Marcel Dettling.

Bild: sda

Glauben Sie an Gott?

Ja. Darum treffen wir uns heute Morgen auch im Hotel drei Könige, weil man von hier direkt auf das Kloster Einsiedeln schauen kann. Das war jetzt aber nicht ganz ernst gemeint … (lacht schallend).

Demnach sind Sie regelmässig in der Klosterkirche anzutreffen?

Nein – es ergibt sich aus zeitlichen Gründen nicht so oft.

Beten Sie mit den Kindern?

Wir beten jeden Abend gemeinsam zu den Schutzheiligen.

Glauben Sie an Schicksal?

Ehrlich gesagt, darüber mache ich mir nur selten Gedanken.

Was war der traurigste Moment in Ihrem bisherigen Leben?

Der Tag, an dem meine Mutter starb.

Sie waren zwölf Jahre alt, als Ihre Mutter an Brustkrebs starb. Hat das Ihr Glaube an das Gute erschüttert?

Natürlich machte ich mir damals Gedanken darüber, warum unsere Mutter so früh sterben musste. Ich habe es nicht verstanden und fand das total ungerecht.

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«Männer wie Sie haben Frauen zum Schweigen gebracht»

SVP-Chef Dettling fällt Mattea Meyer ins Wort – dann platzt ihr live im TV der Kragen

Wir kommen langsam zum Schluss und damit zum Self-Rating-Test: Sie benoten Ihr eigenes Talent von null Punkten, kein Talent, bis zehn Punkte, maximales Talent: Fussballer?

Vier Punkte – mir fehlt das regelmässige Training. Während meiner Zeit im Schwyzer Kantonsrat kickte ich im Parlamentarier-Team.

Auf welcher Position?

Stürmer. Ich bin immer im Angriff (lacht).

Koch?

Sechs Punkte. Ich koche regelmässig am Sonntag, um meine Frau etwas zu entlasten. Sie lacht mich aber oft aus.

Wieso?

Sie meint, ich würde zu oft panierte Schnitzel und Hörnli kochen (lacht).

Ihr Talent als Vater?

Sieben Punkte – zehn Punkte wären zu kitschig.

Als Schweizer des Jahres?

Vier Punkte. Aber ehrlich gesagt, das ist kein Thema für mich und deshalb mache ich mir darüber auch nicht wirklich Gedanken.

Möchten Sie noch ein fulminantes Schlusswort halten? Es darf aber nicht länger als 30 Sekunden dauern – und Politik darf nicht das Thema sein.

Ich bin dankbar, dass ich in der Schweiz leben darf. Und ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt von der Leistungsfähigkeit und der Innovation unseres Landes. Ich selbst halte mich am liebsten in den Bergen auf. Sie sind für mich so etwas wie ein natürlicher Schutzschild. Die Berge lassen einem auch immer wieder spüren, wie klein wir Menschen doch sind.


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