Fehler gefunden?
Jetzt melden
Nur etwa jede fünfzigste Person ist rothaarig. Die seltene Haarfarbe liefert der Forschung Hinweise, wie Gene Krankheiten, Schmerzen und Alterungsprozesse beeinflussen können. (Symbolbild)
Virginia Mayo/AP/dpa
Die Haarfarbe bestimmt nicht nur das Aussehen. Studien bringen rote, blonde und dunkle Haare mit Risiken für Hautkrebs, bestimmten Formen von Haarausfall und sogar mit der Wahrnehmung von Schmerzen in Verbindung.
Hinter jeder Haarfarbe steckt ein chemischer Mix. Das dunkle Pigment Eumelanin verleiht Haaren schwarze und braune Töne, das hellere Phäomelanin sorgt für blonde und rote Nuancen. Diese Unterschiede scheinen laut wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht nur die Haarfarbe zu beeinflussen, sondern teilweise auch Auswirkungen auf den Körper und seine Gesundheit zu haben.
Am deutlichsten ist der Zusammenhang zwischen Haarfarbe und Hautkrebs. Besonders Rothaarige und generell Menschen mit helleren Haarfarben scheinen häufiger von Melanomen betroffen zu sein. Dabei handelt es sich um die gefährlichste Form von Hautkrebs, die von pigmentbildenden Zellen ausgeht und vergleichsweise früh Metastasen bilden kann.
Dass rot- und hellhaarige Menschen häufiger Sonnenbrand bekommen, erklärt einen Teil des erhöhten Hautkrebsrisikos. In einer Studie entwickelten rothaarige Mäuse aber selbst dann häufiger Melanome, wenn sie gar keiner UV-Strahlung ausgesetzt waren. Das deutet darauf hin, dass der Zusammenhang nicht allein durch Sonnenlicht erklärt werden kann.
Forschende vermuten, dass die eigentliche Ursache in den Genen liegt, genau genommen im MC1R-Gen, das mit roten Haaren und einem erhöhten Melanomrisiko in Verbindung gebracht wird.
Entwarnung für Menschen mit dunklen Haaren gibt es trotzdem nicht. Auch sie können an Melanomen erkranken. Die Haarfarbe ist lediglich ein Risikofaktor unter vielen.
Verblüffend sind auch die Erkenntnisse zum Schmerzempfinden. Menschen mit roten und teilweise auch blonden Haaren scheinen Schmerzen anders zu erleben als Personen mit dunkleren Haarfarben. Forschende machen dafür erneut die Genvariante MC1R verantwortlich.
In Tierversuchen beobachteten Forschende Veränderungen bei der körpereigenen Schmerzregulation. Unter anderem fanden sie mehr Opioid-Rezeptoren, die Schmerzen dämpfen können. Das könnte erklären, weshalb Rothaarige in bestimmten Situationen eine höhere Schmerztoleranz aufweisen.
Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht. Denn andere Studien kommen zum Schluss, dass Menschen mit roten Haaren gleichzeitig weniger empfindlich auf bestimmte Schmerz- und Betäubungsmittel reagieren könnten. Einige Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass sie bei Operationen im Durchschnitt mehr Narkosemittel benötigen. Eine Studie spricht von rund 20 Prozent mehr.
Auch beim Zahnarzt könnte sich der Unterschied bemerkbar machen. So wurde beobachtet, dass Menschen mit der roten MC1R-Variante häufiger Angst vor Zahnbehandlungen haben.
Als mögliche Erklärung wird diskutiert, dass lokale Betäubungen bei ihnen teilweise weniger wirksam sein könnten. Der Zusammenhang ist wissenschaftlich allerdings noch nicht abschliessend geklärt.
Rothaarige könnten Schmerzen in manchen Situationen also einerseits besser aushalten – benötigen aber unter Umständen gleichzeitig stärkere oder anders dosierte Betäubungsmittel.
Wer dunkle Haare hat, bekommt dafür, unabhängig von seiner Ethnie, ein anderes statistisches Risiko. Eine Studie mit Daten von über 500'000 Menschen zeigte 2024, dass Personen mit schwarzen Haaren häufiger von Alopecia areata betroffen waren.
Dabei handelt es sich um kreisrunden Haarausfall, eine Autoimmunerkrankung, bei der plötzlich runde kahle Stellen entstehen.
Warum dunklere Haarfarben häufiger mit der Erkrankung auftreten, ist bislang nicht geklärt.
Dass Stress graue Haare verursachen kann, galt lange als Redensart. Inzwischen gibt es jedoch wissenschaftliche Hinweise, dass tatsächlich etwas dran sein könnte.
Forschende vermuten, dass anhaltender Stress den Alterungsprozess der Haare beschleunigt. Gerät der Körper in den bekannten «Kampf-oder-Flucht»-Modus, wird vermehrt der Botenstoff Noradrenalin ausgeschüttet. Dieser kann jene Stammzellen schädigen, die für die Produktion der Haarfarbe verantwortlich sind.
Diese Zellen gehen im Laufe des Lebens ohnehin nach und nach verloren. Irgendwann produzieren die Haarfollikel immer weniger Melanin, das Pigment für die Haarfarbe. Das Haar wird zunächst grau und später weiss.

Früher oder später bekommen wir sie alle: graue Haare.
Christin Klose/dpa-tmn/Illustration
Die gute Nachricht: Bereits gewachsene Haare werden durch Stress nicht plötzlich grau. Wer aber über längere Zeit unter Druck steht, könnte den natürlichen Ergrauungsprozess beschleunigen.
Ganz verhindern lässt sich das Ergrauen zwar nicht. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Rauchen könnten laut Dermatolog*innen aber helfen, die ersten grauen Haare etwas länger hinauszuzögern.