EU prüft neue Regeln
Wer zu schnell fährt, soll künftig automatisch ausgebremst werden

Wer etwa in Deutschland zu schnell fährt, soll bald ausgembremst werden.
Thomas Frey/dpa
Nach dem verpflichtenden Tempowarner könnte der nächste Schritt folgen: Die EU-Kommission prüft eine Technik, mit der Neuwagen automatisch auf das erlaubte Tempo abgebremst werden. Kritiker warnen vor Fehlfunktionen und einem Eingriff in die Freiheit der Autofahrer.
Darum geht’s
- Die EU prüft ein System, das Neuwagen automatisch an Tempolimits anpassen könnte.
- Die Technik soll GPS, Mobilfunk und Kameras nutzen und aktiv ins Fahrgeschehen eingreifen.
- Die EU betont, dass sich die Überlegungen noch in einem sehr frühen Stadium befinden.
Die Europäische Union prüft offenbar eine neue Technologie, die Geschwindigkeitsüberschreitungen künftig technisch verhindern könnte. Neuwagen sollen dabei Tempolimits automatisch erkennen und ihre Geschwindigkeit selbstständig anpassen.
Nach den derzeit bekannten Überlegungen würde das System die Position des Fahrzeugs über Satellitennavigation, Mobilfunk und Kameras bestimmen. Erkennt das Auto ein tieferes Tempolimit, könnte es die Motorleistung reduzieren und das Fahrzeug automatisch abbremsen.
Fahrerinnen und Fahrer sollen in bestimmten Situationen – etwa beim Überholen oder zum Ausweichen – weiterhin kurzfristig eingreifen können. Dauerhaft schneller als erlaubt zu fahren, wäre mit dem System aber nicht mehr möglich.
Pläne stossen auf Kritik
Ganz neu ist die Idee nicht. Seit Juli 2024 müssen alle neu zugelassenen Autos in der EU mit einem intelligenten Geschwindigkeitsassistenten (ISA) ausgerüstet sein. Dieser warnt bislang lediglich vor einer Überschreitung des Tempolimits. Die nun diskutierte Technik würde erstmals aktiv in die Fahrzeugsteuerung eingreifen.
Die Pläne stossen auf Kritik. Gegner warnen vor möglichen Fehlfunktionen, Hackerangriffen und einem «Big-Brother-Szenario». Zudem verweisen sie darauf, dass heutige Systeme Tempolimits noch nicht immer zuverlässig erkennen.
Eine Untersuchung des britischen Forschungsinstituts Thatcham Research zeigte zwar insgesamt hohe Trefferquoten der aktuellen Assistenzsysteme. Bei einzelnen Geschwindigkeitsbeschränkungen lag die Erkennungsrate jedoch deutlich tiefer, sodass Tempolimits in einem Teil der Fälle falsch interpretiert wurden.
Lage in der Schweiz unklar
Die EU-Kommission dämpft derweil die Erwartungen. Ein Sprecher erklärte, die Gespräche befänden sich erst in einem «rein explorativen Stadium». Ob daraus tatsächlich ein Gesetz entsteht und ab wann eine solche Technik eingeführt werden könnte, ist derzeit offen.
Auch für die Schweiz gibt es noch keine Entscheide. Das Bundesamt für Strassen (Astra) erklärt gegenüber «20 Minuten», die Schweiz sei an den Prüfungen der EU nicht beteiligt, verfolge die Entwicklungen aber und prüfe internationale Vorgaben bei Bedarf.
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