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blue News hat eine fermentierte Essenz von Dr. Niedermaier einen Monat lang getestet.
blue News
Kimchi, Kefir, Kombucha – fermentierte Klassiker sind längst im Mainstream. Nun setzt die Wellnessbranche auf Essenzen, die Gesundheit und Schönheit von innen versprechen. blue News hat den Trend getestet und gemeinsam mit einer Mikrobiom-Expertin eingeordnet: Steckt mehr dahinter als nur ein Hype?
Was vor Jahrtausenden vor allem der Haltbarmachung von Lebensmitteln diente, erlebt heute ein globales Revival. In Gastronomie, Lebensmittelindustrie sowie im Gesundheits- und Wellnessbereich finden fermentierte Produkte zunehmend Beachtung. Klassiker wie Kefir, Miso, Sauerkraut oder Kimchi stehen wieder im Fokus.
Während die einen es in den eigenen vier Wänden Blubbern und Schäumen lassen, greifen andere lieber zu Produkten aus dem Supermarkt oder der Apotheke. Doch warum das ganze Tamtam rund um Fermentation?
Seit rund anderthalb Jahrzehnten steht das Mikrobiom im Zentrum der Forschung. Immer deutlicher wird, welche zentrale Rolle die Darmflora für unsere Gesundheit spielt – nicht nur bei Übergewicht, Diabetes oder Allergien, sondern auch bei psychischen Belastungen wie Stress oder Depressionen.
Damit rücken Lebensmittel in den Vordergrund, die der Darmgesundheit zuträglich sind. Fermentierte Produkte liefern nützliche Mikroorganismen, können schädliche Keime hemmen und das empfindliche Gleichgewicht im Verdauungssystem unterstützen. Auch die Longevity-Bewegung trägt dazu bei, dass Fermentiertes wieder häufiger auf den Tellern landet – ganz wie zu Grossmutters Zeiten, als das Sauerkraut selbstverständlich zum Sonntagsbraten gehörte.
Dieses Potenzial nutzen mittlerweile zahlreiche Unternehmen im Beauty- und Wellnesssegment. Sogenannte Beauty- und Gesundheitsdrinks oder fermentierte Essenzen sollen nicht nur das innere Wohlbefinden stärken, sondern auch Haut, Haare und Nägel positiv beeinflussen.
Zu den Produkten zählen unter anderem A. Vogel Molkosan Fruits, livQ Bio-Essenz oder SOJALL Fermento. Gemeinsam ist ihnen der Einsatz fermentierter Inhaltsstoffe, Mikroorganismen oder pflanzlicher Konzentrate als zentrales Verkaufsargument.
Als Pionier im Bereich fermentierter Nahrungsergänzungsmittel positioniert sich das Unternehmen Dr. Niedermaier mit dem eigens entwickelten Verfahren der sogenannten Kaskadenfermentation. Marion Bühler, Head of Marketing bei Dr. Niedermaier Schweiz, erklärt: «Diese Stufenfermentation ahmt den menschlichen Darm nach. Dadurch können die Rohstoffe vom Körper besser verwertet werden.»
Empfohlen wird die Einnahme zweimal täglich à 10 Milliliter der sogenannten Regulatessenz – pur, verdünnt oder auch als Ersatz für Salatdressing. Eine zweimonatige Kur gilt laut Hersteller als ideal, danach könne die Einnahme reduziert oder pausiert werden.
Doch wie schlägt sich eine solche Essenz im Alltag? blue News hat ein Produkt von Dr. Niedermaier einen Monat lang selbst getestet. Der Preis liegt je nach Variante zwischen 50 und 58 Franken pro 350-Milliliter-Flasche.
Der leicht säuerlich-würzige Geschmack – dennoch deutlich milder als Apfelessig – ist gewöhnungsbedürftig, aber rasch akzeptiert. Ein anfängliches Blubbern im Bauch nach der Einnahme verschwand nach zwei Tagen. Laut Hersteller handelt es sich dabei um eine normale Reaktion des Körpers.
Die Einnahme erwies sich als unkompliziert, Nebenwirkungen traten im Selbsttest keine auf. Offen bleibt jedoch die Preis-Leistungs-Frage: Kann ein fermentierter Beauty-Shot mit klassischen fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut oder Kimchi mithalten?
Laut Bühler enthalte ein Beauty-Shot «rund sechs Kilogramm fermentierte Früchte, Gemüsesorten, Trockenfrüchte und Nüsse» – und damit besonders viele Mikronährstoffe. Eine Aussage, die für Konsumentinnen und Konsumenten allerdings kaum unabhängig überprüfbar ist.
Zur fachlichen Einordnung hat blue News Jelina Linder, Ernährungsberaterin mit Schwerpunkt Mikrobiom, konsultiert. Sie hält fermentierte Lebensmittel grundsätzlich für sinnvoll: «Sie können das Immunsystem im Darm stärken.» Zwar seien fermentierte Lebensmittel in der Schweiz «noch kein fester Bestandteil der offiziellen Ernährungsempfehlungen, doch Studien zeigten, dass sich bei drei bis fünf Portionen fermentierter Lebensmittel pro Tag das Mikrobiom und das Immunsystem messbar verändern können».
Trotzdem mahnt Linder zur Zurückhaltung: «Ich prüfe immer zuerst, ob es sich tatsächlich um den entscheidenden Faktor handelt, der die Gesundheit massgeblich beeinflussen kann – oder ob es nicht andere Massnahmen gibt, etwa in der Ernährung, die effizienter und wichtiger wären.»
Was fermentierte Nahrungsergänzungsmittel betrifft, rät die Expertin davon ab, solche Produkte pauschal einzunehmen. In bestimmten Fällen könne ein zeitlich begrenzter Einsatz jedoch sinnvoll sein. Am Ende bleibe es eine Frage des Preis-Leistungs-Verhältnisses: Dieses sei bei klassischen Lebensmitteln deutlich besser als bei industriell hergestellten Konzentraten.
«Wenn man die gesamte Supplement-Landschaft betrachtet, gehören fermentierte Präparate dennoch zu den sinnvolleren Produkten, die man ausprobieren kann», so Linder. Empfohlen sei eine Testphase von zwei bis drei Monaten, um zu beurteilen, ob sich bei einem konkreten Symptom eine Wirkung zeigt. Für gesunde Menschen ohne Beschwerden sehe sie hingegen keinen zusätzlichen Nutzen.
Fermentierte Lebensmittel gelten aus Expertensicht zu Recht als wichtiger Baustein für ein gesundes Mikrobiom und dürften in der Ernährung der Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Sie lassen sich schrittweise in den Alltag integrieren – selbstgemacht oder aus dem Handel.
Gegen industriell hergestellte fermentierte Essenzen spricht grundsätzlich wenig. Entscheidend bleibt jedoch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Nahrungsergänzungsmittel können bei konkreten Beschwerden testweise über einen begrenzten Zeitraum eingesetzt werden. Für gesunde Menschen ohne Symptome bieten sie jedoch keinen nachgewiesenen Zusatznutzen.