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Der Kaindy Lake ist den anspruchsvollen Aufstieg wert.
Jenny Wagner
Hunderte Kilometer Steppe, spektakuläre Canyons und viele Schlaglöcher: Eine Reise durch Kasachstan ist Abenteuer pur – und doch absolut magisch.
Die USA gelten mit ihren Nationalparks, endlosen Highways und spektakulären Landschaften als Traumziel für Roadtrips. Doch immer mehr Schweizer*innen meiden das Land aufgrund der politischen Agenda von Präsident Trump. Wer diesen Sommer mit dem Auto durch spektakuläre Canyons, über Bergpässe, durch Wälder und Wüsten fahren möchte, findet in Kasachstan eine überraschend ähnliche Kulisse. Mit einer Extraportion Abenteuer: Statt Highways gibt es hier nämlich etwas mehr Schlaglöcher.
Sowohl Kasachstan als auch die USA erstrecken sich über riesige Flächen in den mittleren Breiten der Nordhalbkugel. Dadurch entstanden ähnliche Klima- und Vegetationszonen – von endlosen Graslandschaften über trockene Wüsten bis hin zu schneebedeckten Gebirgen. Aber kaum eine Landschaft vermittelt ein grösseres Gefühl von Freiheit als die kasachische Steppe.

Pferde sind in der Steppe Kasachstans immer wieder anzutreffen.
Jenny Wagner
Endlose Graslandschaften erstrecken sich bis zum Horizont, während sich die Halme im Wind wie Wellen auf dem Meer bewegen. Stundenlang zieht eine grüne Ebene am Autofenster vorbei, ohne Hügel, ohne Wälder, manchmal ohne ein einziges Haus. Ein Gefühl, das an die Prärien von Kansas oder Nebraska erinnert. Besonders eindrücklich sind die Regionen rund um Kostanai und Akmola, wo die Steppe ihre ganze Dimension entfaltet.
Zugegeben: Mit dem Grand Canyon kann der Scharyn Canyon in Sachen Grösse nicht mithalten. Die bis zu 300 Meter tiefen Schluchten und rot leuchtenden Felsformationen erinnern dennoch verblüffend an die Landschaften Arizonas. Besonders bei Sonnenuntergang verwandelt sich die Schlucht in ein Farbenspiel aus Rot-, Orange- und Goldtönen. Wie sein berühmtes amerikanisches Pendant bietet auch der Scharyn Canyon zahlreiche Wanderwege.
Der grosse Unterschied: Statt sich mit Tausenden anderen Besucher*innen einen Aussichtspunkt zu teilen, hat man die spektakuläre Landschaft oft fast für sich allein. Nur eines sollte man nicht unterschätzen: Auch hier kann die Mittagssonne erbarmungslos brennen.
Türkiser See, schneebedeckte Berge: Die Rocky Mountains sind zum Symbol für Berglandschaften geworden. Wir alle kennen die Bilder aus dem kanadischen Banff oder Jasper. Bei den Kolsai Lakes müsste man zweimal hinschauen, um zu erkennen, dass man sich hier nicht auf dem nordamerikanischen Kontinent befindet.
Mitten in Kasachstan liegen diese wunderschönen Bergseen, umgeben von grünen Nadelwäldern und dramatischen Berglandschaften. Daran merkt man spätestens, dass Kasachstan an China grenzt. Mit alpinen Wanderwegen, Bergseen und Skigebieten wirkt die Region rund um das Tian-Shan-Gebirge wie eine Mischung aus den Rocky Mountains und den Sierra Nevada.

Das Tian-Shan-Gebirge an der Grenze zu China.
Jenny Wagner
Aber Achtung: Zum «Big Almaty Lake» wandert man 8 Kilometer nach oben in die Berge. Mit dem Auto darf man nämlich seit 2024 nicht ganz nach oben fahren. Am Wochenende ist der Naturpark um den Big Almaty Lake der Treffpunkt für zahlreiche Städter*innen aus Almaty. Und die picknicken anders, als westliche Tourist*innen gewohnt sind. Wer hier in der Natur wandert, riecht von allen Ecken Schaschlik sowie Beschbarmak. Da Kasach*innen aber sehr gastfreundlich sind, besteht die Chance darauf, eingeladen zu werden.
Die Landschaft der Provinz Almaty ist der Szenerie des Bundesstaats Washington zum Verwechseln ähnlich. Vor allem, wenn man durch die mystischen Wälder streift, die an die Kulisse eines Fantasy-Films erinnern.
Im Kaindy Lake befindet sich tatsächlich ein Mysterium. In der Mitte des azurblauen Sees befindet sich ein versunkener Wald, der nicht marode wird. Fast, als sei die Zeit im See stehen geblieben. Grund dafür ist die Wassertemperatur des Sees: Da der Bergsee nie mehr als 6 Grad warm ist, wurde der Wald in der Mitte des Sees regelrecht «konserviert».
Eine Nacht im Boszhira-Tal fühlt sich an, als wäre man auf dem Mond gelandet. Tatsächlich bewegt man sich jedoch durch die Überreste einer uralten Unterwasserwelt.
Die spektakulären Kreidefelsen des Boszhira-Tals stammen aus einer Zeit, als ein riesiges Meer weite Teile Zentralasiens bedeckte. Als sich das Wasser vor Millionen von Jahren zurückzog, blieben bizarre Felsformationen, Steilwände und Tafelberge zurück, die heute aus der kargen Landschaft herausragen.
Noch immer finden sich in der Region versteinerte Algen, Muscheln, Weichtierreste und sogar uralte Haifischzähne. Die Szenerie erinnert an die Badlands der USA, wirkt durch die hellen Kreidefelsen jedoch noch surrealer und beinahe ausserirdisch.
Nachdem ich beide Länder auf einem Roadtrip erlebt habe, kann ich sagen: Kasachstans Natur mag an die USA erinnern, hat aber weit mehr zu bieten als seine amerikanisch anmutenden Landschaften.
Zwischen singenden Dünen, futuristischen Städten und den letzten echten Wildpferden der Erde warten zahlreiche Erlebnisse, die es so nirgendwo sonst gibt. Den persönlichen Reisebericht und weitere Inspirationen für eine Reise durch das grösste Land Zentralasiens gibt es auf mycation.