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Ein DNA-Test zeigt Hannes Streif mit 40: Seinkinder Vater ist nicht sein biologischer Vater.
Bild: Yves Bachmann
Der Rechtsanwalt Hannes Streif fand dank DNA-Test im Internet heraus, dass er von einer anonymen Samenspende stammt. So hat er 14 Halbgeschwister gefunden – und es werden immer mehr.
Seine Wurzeln entdecken, vielleicht erfahren, ob er den Morbus Crohn seines Vaters geerbt hat, das waren Streifs Erwartungen, als der Zürcher Anwalt einen DNA-Test im Internet bestellte.
«Ich hatte keine Sekunde daran gezweifelt, dass meine soziale Realität auch meine biologische ist», sagt Streif. Doch als das Resultat einen Monat später in seinem Postfach war, zertrümmerte es mit einem Klick sein bisheriges Weltbild.
In den Resultaten tauchte plötzlich ein Halbbruder in Österreich auf. «Mein erster Gedanke war: Die haben meine Probe vertauscht», erinnert sich der heute 44-Jährige. Doch als der Bruder am Telefon erzählte, dass seine Eltern Ende der 1970er-Jahre für eine Behandlung in Bern waren, hatte Streif einen Verdacht.
Zwischen Tür und Angel konfrontierte Hannes Streif seine Mutter. Ihre Antwort war kurz: «Dein Vater ist nicht dein biologischer Vater.» Für Streif fühlte es sich an, als würde eine der zwei Säulen, auf die er sein Leben stützte, einfach wegbrechen.

zVg
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«Man schaut in den Spiegel und ist sich selbst fremd», sagt Streif. «Da war jemand in mir, der schon immer da war, die Hälfte von mir ausmacht, und ich wusste es nicht.»
Die Wurzeln dieser Lebenslüge liegen in einer Ära der gesellschaftlichen Enge. Durch die Behandlung mit Kortison wurde Streifs sozialer Vater unfruchtbar. Doch ein Kind gehörte damals zum Idealbild der bürgerlichen Familie dazu.
Also entschieden sich die Eltern für die anonyme Samenspende. Auch die Mediziner unterstützten die Geheimniskrämerei.
Man verkaufte den Eltern die Samenspende mit dem Versprechen, dass es ohnehin nie jemand herausfinden würde.
Dass damals Samen verschiedener Spender zu einem «Cocktail» gemischt wurden, machte die Suche nach der biologischen Wahrheit fast unmöglich – eigentlich.
Doch Hannes Streif ist Anwalt. «Angelogen werden, gehört zum Job», sagt er. «Ich nahm die Challenge an». In vier Jahren akribischer Fleissarbeit rekonstruierte er mittels genetischem «Pooling» und der Durchforstung von Kirchenbüchern einen Stammbaum von 1600 Personen.
Er fand heraus, dass sein biologischer Vater über Jahre ein- bis zweimal pro Woche sein Sperma gespendet hatte. «Selbst wenn man die Fehlgeburtenrate abzieht, müsste er vielleicht 300 Kinder haben. Das ist eine kleine Armee.»
Doch seinen biologischen Vater konnte er damit nicht mehr konfrontieren; dieser war bereits verstorben.
Was bleibt, ist eine Narbe. Trotz des Schmerzes bereut Streif die Suche nicht. Einmal im Jahr trifft er sich mit seinen neu gefundenen Halbgeschwistern.
14 sind es bisher, doch die Suche läuft passiv weiter. Immer wenn jemand mit einem ähnlichen Genom einen Online-DNA-Test macht, kommt bei Steif ein neues Geschwisterchen dazu.
Für Hannes Streif ist Transparenz heute das wichtigste Gut. Sein Appell an andere Eltern ist klar: «Sagen Sie es Ihren Kindern, wenn diese eine Samenspende sind. Es kommt früher oder später raus.»
Die Suche ist abgeschlossen, das Rätsel gelöst. «Es war, als hätte ich meinen zweiten Arm wiedergefunden», sagt er. Er kann nun endlich wieder normal weiterleben – mit der Gewissheit, wer er wirklich ist.