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Familiengeheimnis

Ein DNA-Test stellte sein Leben auf den Kopf – Zürcher hatte plötzlich 14 Geschwister

Ein DNA-Test zeigt Hannes Streif mit 40: Seinkinder  Vater ist nicht sein biologischer Vater.

Ein DNA-Test zeigt Hannes Streif mit 40: Seinkinder  Vater ist nicht sein biologischer Vater.

Bild: Yves Bachmann

Der Rechtsanwalt Hannes Streif fand dank DNA-Test im Internet heraus, dass er von einer anonymen Samenspende stammt. So hat er 14 Halbgeschwister gefunden – und es werden immer mehr.

Redaktion blue News

Redaktion blue News

15.06.2026, 17:06

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein DNA-Test enthüllt dem Zürcher Anwalt Hannes Streif mit 40 Jahren, dass er durch eine anonyme Samenspende gezeugt wurde.
  • Durch jahrelange Recherche rekonstruiert Streif seinen Stammbaum, findet 14 Halbgeschwister und entdeckt, dass sein biologischer Vater möglicherweise Hunderte Kinder gezeugt hat.
  • Heute setzt sich Streif für Offenheit ein und appelliert an Eltern, ihren Kindern die Wahrheit über eine Samenspende frühzeitig zu sagen.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Seine Wurzeln entdecken, vielleicht erfahren, ob er den Morbus Crohn seines Vaters geerbt hat, das waren Streifs Erwartungen, als der Zürcher Anwalt einen DNA-Test im Internet bestellte.

«Ich hatte keine Sekunde daran gezweifelt, dass meine soziale Realität auch meine biologische ist», sagt Streif. Doch als das Resultat einen Monat später in seinem Postfach war, zertrümmerte es mit einem Klick sein bisheriges Weltbild.

In den Resultaten tauchte plötzlich ein Halbbruder in Österreich auf. «Mein erster Gedanke war: Die haben meine Probe vertauscht», erinnert sich der heute 44-Jährige. Doch als der Bruder am Telefon erzählte, dass seine Eltern Ende der 1970er-Jahre für eine Behandlung in Bern waren, hatte Streif einen Verdacht.

«Dein Vater ist nicht dein biologischer Vater»

Zwischen Tür und Angel konfrontierte Hannes Streif seine Mutter. Ihre Antwort war kurz: «Dein Vater ist nicht dein biologischer Vater.» Für Streif fühlte es sich an, als würde eine der zwei Säulen, auf die er sein Leben stützte, einfach wegbrechen.

zVg

Der neue Sanitas Health Forecast

Was prägt unsere Gesundheit lange vor dem ersten Atemzug? Warum unterschätzen wir unsere Risiken? Was stärkt uns wirklich? Und wie finden wir in einer überreizten Welt zu mehr Klarheit? Die siebte Ausgabe des Sanitas Health Forecast – in welcher auch das Porträt über Anwalt Hannes Streif zu lesen ist – trägt den Titel «Gewappnet für die Zukunft» und widmet sich den grossen Fragen unserer Zeit: Herkunft und Prägung, Krankheit und Risiken, Kraft und Regeneration sowie mentale Gesundheit und Resilienz. Der Sanitas Health Forecast 2026 ist eine Publikation des Wörterseh-Verlags und ab dem 16. Juni 2026 im Buchhandel erhältlich oder kann online bestellt werden.

«Man schaut in den Spiegel und ist sich selbst fremd», sagt Streif. «Da war jemand in mir, der schon immer da war, die Hälfte von mir ausmacht, und ich wusste es nicht.»

Die Wurzeln dieser Lebenslüge liegen in einer Ära der gesellschaftlichen Enge. Durch die Behandlung mit Kortison wurde Streifs sozialer Vater unfruchtbar. Doch ein Kind gehörte damals zum Idealbild der bürgerlichen Familie dazu.

Also entschieden sich die Eltern für die anonyme Samenspende. Auch die Mediziner unterstützten die Geheimniskrämerei.

Man verkaufte den Eltern die Samenspende mit dem Versprechen, dass es ohnehin nie jemand herausfinden würde.

Dass damals Samen verschiedener Spender zu einem «Cocktail» gemischt wurden, machte die Suche nach der biologischen Wahrheit fast unmöglich – eigentlich.

«Als hätte ich meinen zweiten Arm wiedergefunden»

Doch Hannes Streif ist Anwalt. «Angelogen werden, gehört zum Job», sagt er. «Ich nahm die Challenge an». In vier Jahren akribischer Fleissarbeit rekonstruierte er mittels genetischem «Pooling» und der Durchforstung von Kirchenbüchern einen Stammbaum von 1600 Personen.

Er fand heraus, dass sein biologischer Vater über Jahre ein- bis zweimal pro Woche sein Sperma gespendet hatte. «Selbst wenn man die Fehlgeburtenrate abzieht, müsste er vielleicht 300 Kinder haben. Das ist eine kleine Armee.»

Doch seinen biologischen Vater konnte er damit nicht mehr konfrontieren; dieser war bereits verstorben.

Teaser image

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Was bleibt, ist eine Narbe. Trotz des Schmerzes bereut Streif die Suche nicht. Einmal im Jahr trifft er sich mit seinen neu gefundenen Halbgeschwistern.

14 sind es bisher, doch die Suche läuft passiv weiter. Immer wenn jemand mit einem ähnlichen Genom einen Online-DNA-Test macht, kommt bei Steif ein neues Geschwisterchen dazu.

Für Hannes Streif ist Transparenz heute das wichtigste Gut. Sein Appell an andere Eltern ist klar: «Sagen Sie es Ihren Kindern, wenn diese eine Samenspende sind. Es kommt früher oder später raus.»

Die Suche ist abgeschlossen, das Rätsel gelöst. «Es war, als hätte ich meinen zweiten Arm wiedergefunden», sagt er. Er kann nun endlich wieder normal weiterleben – mit der Gewissheit, wer er wirklich ist.


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