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Plötzlich waren sie überall: Ameisen eroberten vor wenigen Wochen das Haus von blue News Kolumnistin Michelle de Oliveira in Portugal.
Bild: IMAGO/Bihlmayerfotografie
Die blue News Kolumnistin wurde von unliebsamen Mitbewohnerinnen heimgesucht: Ameisen. Die haben sie gewaltig genervt, aber auch verblüfft. Trotzdem ist froh, dass sie jetzt weg sind.
Wir leben hier in Portugal sehr ländlich. Weit weg von der Hektik der Stadt, nahe dem Meer, umgeben von Dünen und Pinienwäldern. Ausser in den heissen Sommermonaten hat es hier nicht besonders viele Menschen. Was es aber immer hat: Tiere aller Art.
Natürlich Möwen, die über dem Strand kreisen und deren Krächzen mich noch immer beglückt, hin und wieder schwimmen Delfine vorbei und sogar eine kleine Meeresschildkröte, die unbedingt Hilfe brauchte, ist mir schon begegnet.
Es gibt auch armlange, giftgrüne Echsen, noch längere Schlangen und gerade viele Pirilampos – Glühwürmchen.
Aber auch: Ameisen.
Es kommt immer wieder vor, dass sich einzelne Vertreterinnen ins Haus verirren. Aber plötzlich waren sie überall. Im Wohnzimmer, im Schlafzimmer, in der Badewanne und natürlich in der Küche. Überall kleine, schwarze Punkte, die sich sofort totstellten, wenn man den Schrank oder die Schublade öffnete und sie sich ertappt wussten.
Ich fühlte mich an die Zeit erinnert, als ich in meiner winzigen Wohnung im Zürcher Kreis 4 wohnte und ein Sommer lang jeden Morgen eine Ecke meines Wohnzimmers Schwarz war: voller fliegender Ameisen, mitten in der Stadt.
Damals riet mir mein Grossvater, Backpulver zu streuen, das würde helfen. Tat es nicht, aber eines Morgens im Herbst tauchten die Insekten nicht mehr auf. Der Spuk war so plötzlich vorbei, wie er begonnen hatte.

Bild: Privat
Michelle de Oliveira ist Journalistin, Yogini, Mutter und immer auf der Suche nach Balance – nicht nur auf der Yogamatte. Ausserdem hat sie ein Faible für alles Spirituelle. In ihrer Kolumne berichtet sie über ihre Erfahrungen mit dem Unfassbaren, aber auch aus ihrem ganz realen Leben mit all seinen Freuden und Herausforderungen. Sie lebt mit ihrer Familie in Portugal.
In unserem Haus in Portugal marschierten die Ameisen jedoch munter in immer grösser werdenden Kolonnen durch das Haus, als gehörte es ihnen.
«Warum gibt es überhaupt Ameisen? Die nerven doch nur», entrüstete sich meine Tochter eines Morgens, als sie eine Ameise auf ihrem Tellerrand fand, bereit, sich über ihr Konfi-Brot herzumachen.
Gute Frage.
Eine kurze Recherche später weiss ich, dass Ameisen wichtige Rollen übernehmen in unserem Ökosystem:
Sie lockern die Erde und fördern dadurch das Wurzelwachstum, sie sind Nahrungsquelle für Vögel und Igel, sie verwerten abgestorbene Pflanzenteile und tote Insekten und halten den Garten sauber.
Ameisen transportieren ausserdem Samen und tragen so zur Artenvielfalt bei. Ökologisch wertvoll also, das leuchtet mir ein. Aber muss das unbedingt in meiner Küche sein?
Doch ich stosse bei meiner Recherche auf verblüffende Fakten bei der Tierschutzorganisation Peta. Dinge, die ich diesen kleinen Tierchen nicht zugetraut hätte. Zum Beispiel: Die Ameise ist das stärkste Tier der Welt.
Das liegt daran, dass sie das Hundertfache ihres eigenen Körpergewichts tragen können. Zum Vergleich: Ein Elefant kann nur rund ein Zehntel seines eigenen Körpergewichts tragen.
Ameisen können nicht nur über Duftstoffe kommunizieren, sondern auch durch Vibrationen am Hinterteil. Ich stelle mir jetzt immer vor, wie eine Ameise mit dem Füdli gwagglet, um ihre Artgenossinnen vor mir zu warnen.
Manche Ameisenarten können bis zu drei Jahre alt werden, gewisse Königinnen haben sogar eine Lebenserwartung von 20 Jahren. Und was mich besonders gefreut hat, zumal ich ja mit ihnen unter einem Dach lebte: Ameisen desinfizieren sich.
Sie verteilen Harzbrocken auf ihrem Hügel und werden dadurch desinfiziert, wenn sie in den Bau krabbeln. Das Harz schützt den Bau vor Pilzen und Bakterien.
So vieles, was ich nicht wusste und das meinen Blick auf die kleinen Insekten milder werden liess. Aber im Haus wollte ich sie halt trotzdem nicht.
Also putzten wir erneut jede Ecke unserer Hauses gründlich, wischten mit Essig ab, streuten Zimt und schliesslich, wie damals, auch etwas Backpulver – auch wenn es mir leidtat, die Ameisen auf diese Weise verenden zu lassen.
Genutzt hat es wieder nicht besonders viel, die Anzahl schien sich nicht markant zu verringern. Aber dann, auf einmal, waren die Ameisenscharen wieder weg – bemerkenswerterweise genau dann, als auch ich einige Tage weg war.
Man sagt mir nun deshalb in meiner Familie nach, ich sei das Ameisenmagnet, also schuld an den unerwünschten Mitbewohnern. Wir werden es wohl nie so genau wissen.