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Die nächste totale Sonnenfinsternis nach dem diesjährigen August-Ereignis findet erst am 2. August 2027 statt.
Keystone
Am 12. August richten sich vielerorts die Blicke in den Himmel: Eine Sonnenfinsternis steht bevor. Auch in der Schweiz wird das Spektakel teilweise zu sehen sein. blue News beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.
Die nächste für Mitteleuropa relevante Sonnenfinsternis findet am 12. August 2026 statt. In einigen Regionen wird es dabei für wenige Minuten dunkel, da sich der Mond – von der Erde aus betrachtet – vollständig vor die Sonne schiebt.
Beobachten lässt sich das Himmelsereignis besonders gut:

Das Himmelsspektakel fasziniert Menschen seit jeher. Hier die partielle Sonnenfinsternis im März 2025 über Heilbronn (Deutschland).
DPA
Die genauen Uhrzeiten variieren je nach Ort. Die Phase der Totalität – also der schmale Streifen auf der Erdoberfläche, in dem die totale Sonnenfinsternis vollständig sichtbar ist – fällt jedoch grob in den Zeitraum zwischen spätem Nachmittag und frühem Abend.
Am längsten dauert die Totalität mit zwei Minuten und 18 Sekunden etwa 100 Kilometer westlich der isländischen Küste vor der Inselgruppe Hvallátur.
In Spanien verläuft die Totalitätszone von A Coruña an der Atlantikküste über León, Saragossa und Valencia. Sie erreicht dann etwa zeitgleich die Inseln Mallorca und Ibiza und klingt danach mit dem Sonnenuntergang über dem Mittelmeer aus.
Die Dauer der Totalität liegt auf dem Abschnitt in Spanien ortsabhängig zwischen einer und zwei Minuten. Da die totale Sonnenfinsternis in Spanien gegen 20.30 Uhr stattfindet, steht die Sonne bereits tief in westnordwestlicher Richtung.
Bei der Wahl des genauen Standorts für die Beobachtung der Finsternis ist es also wichtig, in dieser Himmelsrichtung ein möglichst freies Blickfeld zu haben.
In anderen Ländern ist das Ereignis als partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Das heisst, der Mond schiebt sich nur teilweise vor die Sonne. Je nach Standort wirkt die Sonne wie eine schmale Sichel am Himmel.
Die (partielle) Sonnenfinsternis ist auch von Mitteleuropa – unter anderem Schweiz, Deutschland und Österreich – aus zu beobachten. Allerdings bedeckt der Mond von hier aus gesehen die Sonne nicht vollständig, sondern lediglich zu 85 bis 90 Prozent.
Das Phänomen beginnt hierzulande laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) ab etwa 19.00 Uhr und endet gegen 21.00 Uhr. Die Sonnenfinsternis erreicht ihren Höhepunkt ungefähr zwischen 20.15 und 20.20 Uhr, wenn der Mond die Sonne fast vollständig verdeckt. Das Phänomen ist von erhöhten Standorten mit freier Sicht besonders gut sichtbar.
Zu einer Sonnenfinsternis kommt es, wenn der Schatten des Mondes auf die Erde fällt. Zu unterscheiden ist dabei zwischen Halbschatten und Kernschatten. Mitteleuropa liegt am 12. August nur im Halbschatten, der Mond bedeckt also nur einen Teil der Sonne. Astronomen bezeichnen eine solche Finsternis als partiell, also teilweise.
Im Kernschatten dagegen ist die Sonne völlig vom Mond bedeckt, die Sonnenfinsternis ist total. Es ist ein glücklicher astronomischer Zufall, dass der Mond die Sonne nahezu exakt verdecken kann.
Der Durchmesser der Sonne ist zwar einerseits 400-mal grösser als der des Mondes, aber andererseits ist sie 400-mal weiter von der Erde entfernt als der Mond. Deshalb erscheinen beide Himmelskörper von der Erde aus gesehen in etwa gleich gross. Doch es gibt leichte Abweichungen.
Weil die Umlaufbahn des Mondes um die Erde nicht exakt kreisförmig, sondern leicht elliptisch ist, schwankt die Entfernung Erde – Mond etwas. Deshalb ändert sich auch die scheinbare Grösse des Mondes am Himmel.
Steht der Erdtrabant bei einer Finsternis gerade nahe dem erdfernsten Punkt seiner Bahn, so ist er geringfügig zu klein, um die Scheibe der Sonne vollständig abzudecken. Die Folge: Statt zu einer totalen kommt es zu einer – ebenfalls beeindruckenden – ringförmigen Finsternis.
Bei Eintritt der Totalität kommt es schlagartig zu einer Abnahme der Helligkeit. Innerhalb von Sekunden herrscht eine Art späte Dämmerung und einige helle Sterne und Planeten erscheinen am Himmel. Besonders auffällig ist bei dieser Finsternis die Venus, die in einem Abstand von etwa 45 Grad links von der Sonne aufleuchten wird.

Die Sonnenkorona ist die äussere, extrem heisse Atmosphäre der Sonne, die man meist nur bei einer totalen Sonnenfinsternis sehen kann.
FR43398 AP
Um die schwarze Scheibe der vom Mond verdunkelten Sonne herum erstrahlt während der Totalität die Korona. Bei diesem Strahlenkranz handelt es sich um die äussere Atmosphäre der Sonne – extrem dünn verteiltes Gas, das aufgrund seiner hohen Temperatur von über einer Million Grad leuchtet. Diese Temperatur ist überraschend hoch, da die Oberfläche der Sonne lediglich 6000 Grad Celsius heiss ist.
Die totale Sonnenfinsternis vom 12. Mai 1706 gilt als eines der spektakulärsten Naturereignisse der Schweizer Geschichte, wie die ETH Zürich berichtet. Bei klarem Wetter war sie im ganzen Land sichtbar und dauerte fast vier Minuten.
Zeitgenössische Chroniken berichten, wie der Himmel sich verdunkelte, Sterne sichtbar wurden und Tiere ihr Verhalten änderten: Vögel suchten ihre Nester auf, während Fledermäuse durch die Städte flogen.

Im Jahr 2015 kam es in der Schweiz zu einer partiellen Sonnenfinsternis. Das Bild wurde damals in Luzern geschossen.
KEYSTONE
Auch eine weitere totale Sonnenfinsternis am 22. Mai 1724 hätte in grossen Teilen der Schweiz beobachtet werden können. Da die maximale Verdunkelung jedoch kurz vor Sonnenuntergang eintrat und vermutlich dichte Wolken herrschten, blieb das Ereignis weitgehend unbeachtet.
Im 20. Jahrhundert verfehlten totale Sonnenfinsternisse die Schweiz jeweils knapp. 1912 und 1961 wurde die Sonne dennoch zu grossen Teilen bedeckt. Die partielle Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 gilt als eines der bedeutendsten astronomischen Ereignisse der jüngeren Schweizer Geschichte.
Eine totale Sonnenfinsternis wird in der Schweiz erst 2081 wieder zu sehen sein.
Die totalen Sonnenfinsternisse zählen zu den eindrucksvollsten astronomischen Ereignissen. Früher – insbesondere in der Antike und im Mittelalter – blickten die Menschen voller Furcht zum Himmel, wenn der Mond die Sonne verschlang. Sonnenfinsternisse galten vielerorts als unheilvolle Vorzeichen oder göttliche Warnungen.
Erst ab der frühen Neuzeit, vor allem seit dem 17. und 18. Jahrhundert, wandelte sich die Perspektive: Sonnenfinsternisse wurden zunehmend gezielt beobachtet und lieferten der Wissenschaft wertvolle Erkenntnisse, etwa zur Bewegung der Himmelskörper oder zur Struktur der Sonne.
Heute reisen Millionen von Tourist*innen in die Totalitätszone, um für wenige Minuten die Korona der verdunkelten Sonne aufleuchten zu sehen.

Früher fürchteten die Menschen sich vor einer Sonnenfinsternis, heute wird sie gefeiert.
Eduardo Resendiz/dpa
Eine Sonnenfinsternis fasziniert, weil sich ein kosmisches Ereignis direkt beobachten und miterleben lässt. Mitten am Tag verdunkelt sich der Himmel, die Temperaturen sinken spürbar.
Der Mond umkreist zwar die Erde etwa einmal im Monat. Trotzdem gibt es nicht jeden Monat eine Sonnenfinsternis. Dies, weil die Umlaufbahn des Mondes im Vergleich zur Umlaufbahn der Erde leicht geneigt ist.
Der Mond verfehlt die exakte Linie zwischen Erde und Sonne meistens. Er zieht von der Erde aus gesehen meist über oder unter der Sonne vorbei. Weltweit gibt es jährlich etwa zwei bis drei Sonnenfinsternisse, immer an unterschiedlichen Orten.
Man sollte bei einer Sonnenfinsternis nie ungeschützt direkt in die Sonne schauen, schon gar nicht mit einem Fernglas oder einem Fernrohr. Bereits im Bruchteil einer Sekunde kann es zu einer bleibenden Schädigung der Netzhaut kommen.
Der Fachhandel bietet spezielle Finsternisbrillen an, für optische Geräte gibt es Spezialfilter. Selbst Filter herzustellen – etwa aus russgeschwärztem Glas – ist nicht zu empfehlen. Denn diese dämpfen oft nur das sichtbare Licht, aber nicht die noch gefährlichere Wärmestrahlung.

Es gibt spezielle Schutzbrillen, die man während einer Sonnenfinsternis tragen sollte.
AP Atlanta Journal-Constitution
Die Schutzbrillen müssen laut dem BAG gemäss der Norm ISO 12312-2:2015 zertifiziert sein und ein CE-Zeichen tragen. Zudem sollte man auch keine eigenen Brillen basteln oder gewöhnliche Sonnenbrillen tragen, diese reichen nämlich nicht aus.
Einzig während der Totalität, wenn wirklich kein Sonnenstrahl mehr am Mond vorbei scheint, darf die Finsternisbrille kurzzeitig abgesetzt werden. Sobald aber auch nur ein winziger Teil der Sonne wieder sichtbar ist, heisst es: Filterbrille wieder aufsetzen. Denn sonst können die Augen durch die intensive Strahlung sofort geschädigt werden.
Die nächste totale Sonnenfinsternis nach dem August-Ereignis findet am 2. August 2027 statt. Der Kernschatten des Mondes zieht dabei über Nordafrika sowie die Strasse von Gibraltar und streift unter anderem Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten.
Über Teilen Spaniens, dem östlichen Mittelmeer und Griechenland ist sie als partielle oder ringförmige Finsternis zu beobachten. Auch in der Schweiz und in Deutschland wird das Phänomen als partielle Sonnenfinsternis sichtbar sein.
Da während einer totalen Sonnenfinsternis Helligkeit und Temperatur wie in der Abenddämmerung abnehmen, löst diese Veränderung bei vielen Tieren und auch bei manchen Pflanzen für die Dämmerung typische Reaktionen aus.
So hören Vögel häufig auf zu singen und suchen ihre Schlafplätze auf. Und während tagaktive Tiere wie Eichhörnchen, Kaninchen und Eidechsen sich ebenfalls in ihre Verstecke zurückziehen, können nachtaktive Tiere wie Fledermäuse, Igel oder in Spanien speziell der Mauergecko kurzzeitig in Aktion treten.
Auch einige Pflanzen reagieren auf die Verdunklung der Sonne. So schliessen etwa Mittagsblumen ihre Blüten, während die Nachtkerze ihre Blüten öffnet. Da die Totalität nur kurz andauert, kehren aber sowohl Tiere als auch Pflanzen sofort in ihren Tageszustand zurück, wenn die Sonne wieder aufleuchtet.