Fehler gefunden?
Jetzt melden
Für rund 360'000 Franoen kann man in Deutschland ein ganzes Dorf kaufen.
Kleinanzeigen
Ein ehemaliges Jugenddorf in Thüringen steht für umgerechnet rund 360'000 Franken zum Verkauf. Dafür gibt es 24'000 Quadratmeter Land und 16 Gebäude. Der vermeintliche Traum vom eigenen Dorf scheitert allerdings an einem entscheidenden Problem.
Ein ganzes Dorf für weniger Geld als eine Eigentumswohnung in vielen Schweizer Städten: Was zunächst wie das Immobilien-Schnäppchen des Jahres klingt, dürfte selbst mutige Käufer ins Grübeln bringen.
Im deutschen Bundesland Thüringen steht ein ehemaliges Jugenddorf zum Verkauf. Für 390'000 Euro – umgerechnet rund 360'000 Franken – erhält man 24'000 Quadratmeter Land und insgesamt 16 Gebäude.
Dazu gehören mehrere Wohnhäuser und ein grosses Haupthaus mit Speisesaal. Strom- und Trinkwasseranschlüsse sind vorhanden, die Gebäude wurden bereits entkernt, schreibt die «Bild».
Trotzdem findet sich bislang offenbar kein Käufer.
Der tiefe Preis hat einen entscheidenden Grund: Für das Gelände existiert kein genehmigter Bebauungsplan.
Ohne diesen darf die Anlage nicht in dauerhaften Wohnraum umgewandelt werden. Wer davon träumt, dort Wohnungen, ein Mehrgenerationenprojekt oder ein kleines Feriendorf aufzubauen, müsste zunächst die rechtlichen Voraussetzungen schaffen.
Hinzu kommt, dass der Bestandsschutz der Gebäude nicht gesichert ist. Damit ist unklar, welche Bauten langfristig erhalten, renoviert oder überhaupt genutzt werden dürfen.
Das vermeintliche Schnäppchen ist damit vor allem eines: ein Projekt mit beträchtlichen Risiken.
Eigentümer Franz Eberitsch kaufte das Areal im Jahr 2014. Er hatte offenbar andere Vorstellungen.
«Wir hatten die Vorstellung, dass wir uns das schön herrichten, gingen davon aus, dass es Wohngenehmigungen gibt», sagt er gegenüber «Bild». Die erhofften positiven Entscheide seien jedoch bis heute ausgeblieben.
Besonders frustriert ihn die Lage des Geländes. Die Anlage befinde sich nur rund 200 Meter vom Zentrum von Kamsdorf entfernt. Trotzdem sei es äusserst schwierig, dort ein neues Projekt umzusetzen.
«Wir reden in Deutschland doch über Reformen. Es ist einfach so schwierig, hierzulande neue Projekte umzusetzen», sagt Eberitsch.

Viele der Gebäude stehen heute leer.
Kleinanzeigen
Das Areal gehörte früher zur Stahl- und Hüttenwerksgesellschaft Maxhütte. Solche Einrichtungen wurden in der DDR häufig von grossen Betrieben als Ferienlager oder Erholungsstätten für Kinder und Jugendliche genutzt.
Heute stehen die Gebäude weitgehend leer. Der Besitzer sieht dennoch Möglichkeiten: Denkbar seien etwa ein Mehrgenerationenprojekt, Freizeitangebote oder eine andere gemeinschaftliche Nutzung.
Bevor daraus Realität wird, müsste ein Käufer aber viel Geduld, Geld und Durchsetzungsvermögen mitbringen.
Das ehemalige Jugenddorf in Thüringen ist kein Einzelfall. Immer wieder werden ganze Weiler, Siedlungen oder historische Dorfanlagen auf dem Immobilienmarkt angeboten.
Deutlich teurer ist das «Village at Lyons» in Irland. Die historische Anlage wird für rund 20 Millionen Euro angeboten.
Zum Dorf gehören restaurierte Steinhäuser, ein Pub, eine Kirche, eine alte Wassermühle und insgesamt 47 Schlafzimmer. Das Auktionshaus Sotheby’s beschreibt die Anlage als «lebendiges Stück irischen Kulturerbes».
Wer ein ganzes Dorf kauft, erhält nicht bloss aussergewöhnlich viel Land und zahlreiche Gebäude.
Oft kommen enorme Sanierungskosten, ungeklärte Nutzungsrechte, fehlende Bewilligungen und jahrelange Verfahren hinzu. Gerade bei ehemaligen Industrie-, Ferien- oder Arbeitersiedlungen ist der Kaufpreis deshalb häufig nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Kosten.
Das Dorf in Thüringen mag auf den ersten Blick günstiger sein als eine Wohnung in Zürich. Ob daraus jemals ein bewohnbares Dorf wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt.