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Ranger stutzen Nashörnern das Horn − zum Schutz vor Wilderern
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Tierschutz mit der Kettensäge

Ranger stutzen Nashörnern das Horn − zum Schutz vor Wilderern

Ein Team von Tierschützern und Wissenschaftlern enthornen ein Nashorn in der Region um den Krüger-Nationalpark in Südafrika. Das Absägen der Hörner soll die Tiere vor Wilderern schützen.

Ein Team von Tierschützern und Wissenschaftlern enthornen ein Nashorn in der Region um den Krüger-Nationalpark in Südafrika. Das Absägen der Hörner soll die Tiere vor Wilderern schützen.

dpa/Greater Kruger Environmental Protection Foundation

Die Wilderei wegen ihres Horns stellt eine grosse Bedrohung für die fünf Nashornarten in Afrika und Asien dar. Um die gefährdeten Tiere weniger attraktiv zu machen, schneiden ihnen Ranger kurzerhand das Horn ab.

Redaktion blue News
Keystone-SDA

Redaktion blue News, Keystone-SDA

05.06.2025, 22:25

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Um die vom Aussterben bedrohten Nashörner vor Wilderern zu schützen, stutzen ihnen Ranger das Horn − eine vergleichsweise günstige Massnahme.
  • Strategien, die sich auf die Reduzierung von Erträgen aus Wilderei konzentrieren, sind effektiver als die Strafverfolgung der Täter, die aufgrund lascher Gesetze oft schnell wieder freikommen.
  • Zu den Nachteilen der Methode zählt, dass das Horn nachwächst, und die Tiere dann wieder attraktiv für Wilderer sind.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Die Entfernung der Hörner bei Nashörnern kann einer Analyse zufolge zu einem drastischen Rückgang der Wilderei bei den gefährdeten Tieren führen. Zugleich handle es sich um eine vergleichsweise günstige Massnahme, erläutert ein Forschungsteam im Fachjournal «Science».

Beim Enthornen zu Schutzzwecken werden die Tiere sediert, anschliessend wird das Horn mit einer Kettensäge entfernt. Die Prozedur muss allerdings regelmässig wiederholt werden, da die Hörner mehrere Zentimeter jährlich nachwachsen. Ein weiterer Nachteil: Wilderer weichen womöglich in Gebiete aus, in denen die Hörner nicht vorsorglich abgesägt werden.

Wissenschaftler um Tim Kuiper von der Nelson-Mandela-Universität in George hatten Daten aus elf Reservaten in der Region des berühmten Krüger-Nationalparks analysiert, die zwischen 2017 und 2023 gesammelt wurden. In dem Gebiet leben viele der geschätzt rund 24'000 afrikanischen Nashörner. Verglichen wurden Standorte mit und ohne Enthornung.

Wilderer töteten merklich weniger Tiere

Insgesamt wurden demnach 1985 Spitzmaulnashörner (Diceros bicornis) und Breitmaulnashörner (Ceratotherium simum) getötet, jährlich knapp sieben Prozent der Nashorn-Population im berücksichtigten Gebiet, wie es in der Studie heisst. Im Durchschnitt reduzierte das Absägen der Hörner bei allen in einem Reservat vorkommenden Nashörner die Wilderei um etwa drei Viertel gegenüber dem Niveau vor der Entfernung. «Anhand von Daten aus allen Reservaten und Jahren schätzten wir das Wilderei-Risiko für ein einzelnes Nashorn mit Horn in einem bestimmten Jahr auf 13 Prozent, verglichen mit einem Wilderei-Risiko für ein enthorntes Nashorn von 0,6 Prozent», teilen die Forschenden im Studienergebnis mit.

Für das Entfernen der Hörner bei 2284 Tieren seien dabei nur 1,2 Prozent des Gesamtbudgets aufgewendet worden. Insgesamt hätten die elf Reservate in fünf Jahren 74 Millionen Dollar (65 Millionen Euro, 2017–2021) zur Bekämpfung der Wilderei ausgegeben – vor allem für Wildhüter, Spürhunde, Hubschrauber, Zugangskontrollen und Kameras. «Dies entspricht geschätzten 3120 US-Dollar Ausgaben pro ansässigem Nashorn und Jahr.»

Wilderer machen auch Hornstümpfe zu Geld

Neuere Erkenntnisse nach Abschluss der Studie wiesen allerdings darauf hin, dass die Wilderei wegen der – medizinisch notwendigen – verbleibenden Hornstümpfe und des nachwachsenden Horns weiterhin anhalte, schränken die Forschenden das Ergebnis ein. Zudem könne sich der Fokus der Wilderer auf gehörnte Populationen anderswo verlagern. Auch seien die Auswirkungen der Horn-Entfernung auf die Biologie der Nashörner noch nicht ausreichend geklärt.

Ein noch nicht enthorntes Breitmaul-Nashorn mit Kalb in der Region um den Krüger-Nationalpark in Südafrika. Die Enthornung von Nashörnern führt zu einem drastischen Rückgang der Wilderei.

Ein noch nicht enthorntes Breitmaul-Nashorn mit Kalb in der Region um den Krüger-Nationalpark in Südafrika. Die Enthornung von Nashörnern führt zu einem drastischen Rückgang der Wilderei.

Tim Kuiper/Greater Kruger Environmental Protection Foundation/dpa

«Die Tatsache, dass die Wilderei enthornter Nashörner im Krüger-Nationalpark weiterhin in relativ hohem Masse erfolgt, lässt darauf schliessen, dass Hornstümpfe und nachwachsende Hörner für Verbrechersyndikate weiterhin attraktiv sind», erläutert das Team. Mehr als 700 Wilderer seien in der berücksichtigten Zeit verhaftet worden.

Die Statistik weise nicht darauf hin, dass diese Verhaftungen zu einem merklichen Rückgang der Wilderei führten. Einen Grund sieht das Team unter anderem darin, dass ineffektive Strafjustizsysteme dazu führen, dass Täter einer Strafe häufig entgehen. «Obwohl die Erkennung und Festnahme von Wilderern unerlässlich ist, könnten Strategien, die sich auf die Reduzierung von Möglichkeiten und Erträgen aus Wilderei konzentrieren, effektiver sein», nehmen die Forschenden an.

Schmuggel nach Asien blüht nach wie vor

Die Nashörner Afrikas sind durch illegale Wilderei stark gefährdet. Allein in Südafrika wurden im vergangenen Jahr Regierungsangaben zufolge 420 Breitmaul- und Spitzmaulnashörner illegal getötet. Obwohl der internationale Handel mit Nashorn-Hörnern verboten ist, findet der Schmuggel nach Asien, vor allem nach Vietnam und China, weiter statt.

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Das Horn wird in Südostasien aus kulturellen und vermeintlichen medizinischen Gründen nachgefragt, der Wert kann zehntausende US-Dollar pro Kilogramm betragen. Um zu verhindern, dass Nashörner wegen ihrer Hörner getötet werden, wurde in vielen südafrikanischen Wildreservaten damit begonnen, die Hörner vorsorglich zu stutzen.

Seit Jahren herrscht unter Tierschützern eine rege Debatte darüber. Zu den Gegenargumenten gehören Befürchtungen, dass die Nashörner ein verändertes Revierverhalten zeigen, mit langfristigen Auswirkungen auf ihre Fortpflanzung als Folge. Zudem wird befürchtet, dass die Lager für die abgesägten Hörner Kriminelle anziehen.

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