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Auch die Eisbären in der Arktis leiden unter der kleiner werdenden Eisfläche.
IMAGO/SuperStock/Wolfgang Kähler
Das Eis der Arktis schwindet seit Jahrzehnten – und damit ein wichtiger Schutzschild gegen die Erderwärmung. Nun melden Forschende erste Erfolge, Meereis künstlich zu verdicken und das Schmelzen zu verlangsamen. Die Hoffnung ist gross, doch es gibt Risiken.
In der kanadischen Arktis erproben Forschende eine ungewöhnliche Methode, um den Verlust des Meereises zu verlangsamen. Das Team des Start-up Projekts Real Ice pumpte während der Wintermonate rund 50'000 Tonnen Meerwasser auf eine Eisfläche nahe der Inuit-Gemeinde Cambridge Bay in Kanada. Bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad gefror das Wasser nahezu sofort und liess die Eisdecke nach ersten Messungen um etwa 50 Zentimeter anwachsen.
Die Auswirkungen sind bereits sichtbar. Während sich in der Umgebung mit Beginn des Sommers grosse Schmelzwasserflächen bilden, blieb die behandelte Fläche deutlich heller und stabiler. Satellitenbilder zeigen die Testzone als auffällige weisse Insel inmitten einer zunehmend blauen Umgebung aus Wasser. Nach Angaben der Forschenden konnte die zusätzliche Eisschicht die Lebensdauer des Meereises um mehrere Tage verlängern. «Das ist wirklich unglaublich», sagt Real-Ice-Chef Andrea Ceccolini der englischen Zeitung «The Guardian».

Mit diesen Pumpen wird Meerwasser an die Oberfläche befördert, wo es sofort gefriert und die Eisdecke verdickt.
Real Ice
Besonders überrascht zeigte sich das Team von einem weiteren Effekt: Das künstlich verstärkte Eis reflektiert offenbar mehr Sonnenlicht als natürlich gewachsenes Eis. Da helles Eis deutlich mehr Sonnenenergie zurück ins All strahlt als dunkles Wasser, könnte dieser Effekt die Erwärmung zusätzlich bremsen.
Hinter dem Projekt steht die Organisation Real Ice, die von der britischen Forschungsagentur Aria unterstützt wird. Langfristig sollen autonome Unterwasser-Drohnen die Technik übernehmen. Diese könnten unter dem Eis operieren, Löcher bohren und Meerwasser an die Oberfläche pumpen, um besonders gefährdete Regionen gezielt zu stabilisieren. Ein erster Prototyp wurde bereits in Finnland getestet.
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Der Hintergrund ist dramatisch: Seit Ende der 1970er-Jahre hat die sommerliche Ausdehnung des arktischen Meereises um rund 40 Prozent abgenommen. Weil offenes Meer deutlich mehr Sonnenwärme aufnimmt als Eis, beschleunigt die Schmelze die weitere Erwärmung der Arktis. Wissenschaftler*innen warnen deshalb vor gefährlichen Kipppunkten im Klimasystem. Sie befürchten, dass es in zehn Jahren bereits den ersten eisfreien Septembertag in der Arktis geben wird.
Die Testfläche liegt im Territorium Nunavut, rund 83 Prozent der Einwohner sind Inuit. «Für uns ist das Eis überlebenswichtig», sagt Einwohner Kyle Weese. Das Eis werde für Transport, Fischfang und die Jagd genutzt.
Trotz der ersten Erfolge betonen Expert*innen, dass die Forschung noch am Anfang steht. Unklar ist unter anderem, welche Folgen das Hochpumpen von salzhaltigem Meerwasser für Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen haben könnte. Zudem bleibt offen, ob sich die Methode technisch und wirtschaftlich in einem ausreichend grossen Massstab umsetzen lässt.
Auch die Kritik an solchen Eingriffen in die Natur reisst nicht ab. Gegner befürchten, dass Geoengineering von der eigentlichen Aufgabe ablenken könnte: dem schnellen Ausstieg aus fossilen Energien und der Reduktion von Treibhausgasen. Die beteiligten Forschenden betonen hingegen, dass ihre Arbeit kein Ersatz für Klimaschutz sei, sondern lediglich eine mögliche Ergänzung.
Ob das Verdicken von Meereis tatsächlich zu einem wirksamen Instrument im Kampf gegen die Klimakrise werden kann, sollen die kommenden Jahre zeigen. Die bisherigen Ergebnisse liefern jedoch erste Hinweise darauf, dass sich der Verlust des arktischen Eises zumindest lokal verlangsamen lässt.