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Mit ihrer Menstruationsdisc will das Zürcher Start-up Rayne den Markt für Periodenprodukte neu denken.
Raynecare
Slip, Cup oder die neue Disc: Noch nie war die Auswahl an Menstruationsprodukten so gross. Dennoch greifen viele Frauen weiterhin zu Tampons oder Binden. blue News hat mit den Frauen hinter dem Zürcher Start-up Rayne darüber gesprochen, warum Innovation in diesem Bereich nur langsam ankommt.
«Niemand möchte riskieren, dass etwas ausläuft oder im Alltag nicht funktioniert», sagt Ramona Schwarz, Gründerin der Menstruations-Disc Rayne. Eine Period-Disc ist ist eine flache, flexible Scheibe aus medizinischem Silikon, die während der Periode das Blut auffängt. Obwohl es heute zahlreiche Alternativen zu Tampons und Binden gibt, bleiben viele Frauen aus Unsicherheit bei den vertrauten Produkten. Tampons gibt es seit über 80 Jahren. «Man wächst mit diesen Produkten auf und hinterfragt sie gar nicht,» so die Gründerin.
Genau diese Gewohnheit sieht Schwarz als eine der grössten Hürden für neue Periodenprodukte. Gleichzeitig habe sich in diesem Bereich über Jahrzehnte vergleichsweise wenig verändert – obwohl rund die Hälfte der Bevölkerung in ihrem Leben menstruiert. Schwarz sieht das als Ergebnis eines grösseren Problems: «Das hängt stark mit dem Gender Gap in der Wissenschaft zusammen.» Die Forschung habe den weiblichen Körper lange vernachlässigt. «In vielen Forschungs- und Entscheidungsgremien waren jahrzehntelang überwiegend Männer vertreten. Das wirkt sich bis heute auf Forschung, Innovation und Investitionen aus», sagt sie.
Bei der Zusammenarbeit mit Produzenten stiessen Ramona Schwarz und Désirée Dosch, Managing Partner bei Rayne fast ausschliesslich auf Männer. Die Kommunikation sei nicht ganz einfach gewesen, denn es ging dabei oft um kleine Details wie Oberflächenbeschaffenheit oder Materialstärke. «Für sie wirkten diese Unterschiede teilweise nebensächlich, für uns waren sie entscheidend», so Désirée Dosch. Um jeden Bruchteil eines Millimeters wurde gekämpft, denn er beeinflusse den Tragekomfort. «Solche Feinheiten sind schwer zu vermitteln, wenn man selbst nie erlebt hat, wie sich ein Menstruationsprodukt im Körper anfühlt», erklärt sie.

Die Frauen hinter dem Zürcher Start-up Rayne berichten, dass viele Frauen in der Perimenopause die Menstruations-Disc vorsorglich einsetzen.
Raynecare
«Dass es keine vergleichbare Deklarationspflicht wie bei Medizinprodukten gibt, hat mich überrascht», sagt Schwarz. Menstruationsprodukte gelten in der Schweiz als Hygieneprodukte und nicht als Medizinprodukte. «Dabei werden sie teilweise über mehrere Stunden im Körper und in direktem Kontakt mit Schleimhäuten getragen. Das hat mich noch stärker motiviert, ein Produkt zu entwickeln, bei dem man keine Kompromisse eingehen muss.»
Bevor sie Rayne gründete, arbeitete Schwarz über zehn Jahre im Modedesign. «Dann wollte ich jedoch ein Produkt entwickeln, das noch mehr gesellschaftlichen Impact hat», sagt sie zu blue News. Zuerst begann sie sich mit Periodenslips auseinanderzusetzen. Doch ihr wurde schnell klar, dass bei Menstruationsprodukten Design und Nutzerinnenbedürfnisse kaum im Mittelpunkt stehen.
Dann sei sie auf Menstruations-Discs gestossen, die damals gerade in den USA aufkamen. «Das war das erste Produkt, bei dem ich dachte: Das ist wirklich bequem. Ich setze sie morgens ein, nehme sie abends wieder heraus und spüre sie überhaupt nicht.» Das Problem sei jedoch das Handling gewesen. Bei allen Produkten, die sie getestet habe, war die Anwendung umständlich. «Da kam mein Design-Hintergrund wieder ins Spiel. Ich war überzeugt, dass sich eine Disc entwickeln lässt, die nicht nur angenehm zu tragen, sondern auch möglichst einfach anzuwenden ist.»
Am Ende gehe es um ein Stück Lebensqualität, sagt Schwarz. Einige Nutzerinnen berichten, dass ihnen die Disc mehr Sicherheit im Alltag gibt. Die Disc könne bis zu zwölf Stunden getragen werden, während bei Tampons ein regelmässiger Wechsel empfohlen wird, da eine zu lange Tragedauer das Risiko für das seltene, aber potenziell gefährliche toxische Schocksyndrom erhöhen kann. Eine Besonderheit der Disc ist die sogenannte Selbstentleerungsfunktion: Beim Toilettengang kann sich ein Teil des gesammelten Menstruationsbluts durch die natürliche Entspannung des Beckenbodens entleeren, ohne dass die Disc herausgenommen werden muss.
Die Gründerin erinnert sich an ihre Jugend, in der die Periode unter Freundinnen kaum ein Gesprächsthema war. «Meine Mutter hat mir damals einfach einen Tampon gegeben und gesagt: ‹Hier, nimm den.› Ich wusste überhaupt nicht, wie man ihn richtig benutzt.»
Heute werde offener über Menstruation gesprochen, glaubt Schwarz. Einen Anteil daran hätten auch soziale Medien, die das Thema sichtbarer machen. Gleichzeitig rücke Frauengesundheit stärker in den Fokus – etwa durch die Gendermedizin, den Spitzensport und die zunehmende Auseinandersetzung mit Zyklus und Menopause.
Vor allem jüngere Frauen scheinen offener für alternative Menstruationsprodukte zu sein. Laut dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov kennen 65 Prozent der 18- bis 34-Jährigen Periodenunterwäsche, gegenüber 48 Prozent der Frauen ab 55 Jahren. Dabei können Menstruationsprodukte auch für Frauen in der Perimenopause relevant sein: In dieser Lebensphase treten häufig unregelmässige oder unerwartete Zwischenblutungen auf. Die Gründerinnen von Rayne berichten, dass viele Betroffene die Menstruations-Disc deshalb vorsorglich einsetzen. Auch Menstruationstassen und Menstruations-Discs sind jüngeren Frauen häufiger ein Begriff – bislang bleiben sie jedoch eine Nische.