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Ein Wissenschaftler untersucht im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen, Italien, die Mumie des Steinzeitmannes «Ötzi».
Archivbild: Keystone/Südtiroler Archäologiemuseum/Augustin Ochsenreiter
Forschende haben Hinweise entdeckt, dass bestimmte Mikroorganismen auf und in der berühmten Gletschermumie «Ötzi» selbst unter eisigen Bedingungen nicht vollständig zur Ruhe gekommen sind.
In und auf dem Körper der Gletschermumie «Ötzi» findet man auch rund 5300 Jahre nach seinem Tod noch allerlei Überraschungen. Ein Team des Forschungsinstituts Eurac Research in Bozen (I) hat nun an extreme Kälte angepasste Hefepilzarten nachgewiesen. Teils dürften sie – sogar trotz Aufbewahrung bei tiefen Temperaturen – ein wenig aktiv sein, berichten die Forschenden im Fachmagazin «Microbiome». Die Analyse zeige, wie wichtig die richtige Lagerung sei.
Die Untersuchung offenbart, dass das besondere «Ökosystem», das Ötzis Körper bietet, weiter dynamische Veränderungen durchmacht. So können noch heute Mikroorganismen und deren Erbgutreste nachgewiesen werden, die einst das Mikrobiom des Mannes – also die Summe der zu Lebzeiten in und am Körper präsenten Kleinstlebewesen – bildeten.

Ein schmelzendes Eisfeld im Berner Oberland hat im Jahr 2005 einmalige vor- und frühgeschichtliche Funde ab dem dritten Jahrtausend vor Christus freigegeben. Sie belegen einen bis dahin unbekannten Passübergang zwischen den Kantonen Bern und Wallis.
Archivbild: Keystone/Archäologischer Dienst Kanton Bern
Dazu kommen Mini-Lebewesen, die aus dem Gletscherumfeld an der Grenze Österreichs zu Italien stammen, aus dem der Körper im Jahr 1991 gehoben wurde. Letztlich hat auch noch die Zeit der Lagerung und Konservierung der Mumie in den vergangenen 35 Jahren ihre Spuren hinterlassen, schreibt das Team um den Studienerstautor Mohamed Sarhan und Frank Maixner, dem Direktor des Eurac-Institut für Mumienstudien.
Alles in allem lasse die Studie daran zweifeln, dass das Lagern der Mumie bei minus sechs Grad Celsius das mikrobielle Leben tatsächlich mehr oder weniger vollständig zum Erliegen bringt. Tatsächlich entdeckten die Forschenden Hefepilzstämme, bei denen sie Anzeichen für Vermehrungsaktivität fanden, die noch nicht allzu lange zurückliegen dürfte. Denn neben stark mitgenommener, alter DNA gab es auch Erbgut, das nicht allzu alt sein konnte, heisst es.

Die über 5000 Jahre alte Gletschermumie «Ötzi» ist dauerhaft im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen ausgestellt. Eine spezielle Kühlzelle ermöglicht es, den «Mann aus dem Eis» das ganze Jahr über zu besichtigen.
Archivbild: Keystone/Augustin Ochsenreiter
Für ihre Untersuchung nahmen die Wissenschaftler*innen Proben von der Oberfläche und im Inneren der Mumie, wie etwa auch aus dem Magen und Darm, um darin nach Bakterien und Pilzen zu suchen. Zusätzlich verglichen sie das darin enthaltene Erbgut mit jenem in Proben vom Gletscher und dem Boden, die im Jahr 1991 entnommen wurden.
Aufgrund des vielfach deutlich geschädigten Erbguts dürfte es sich bei den meisten gefundenen Bakterien- und Pilzüberbleibseln um Relikte einer sehr alten mikrobiellen Gemeinschaft handeln. Es wurden aber eben auch Spuren von Kleinstlebewesen gefunden, die durch menschliche Aktivität dorthin gelangt sein dürften.
So zeigte sich etwa, dass auf Ötzis Haut Spuren von Mikroorganismen nachweisbar waren, die auch auf den Abbau von Bestandteilen von zur Desinfektion und Konservierung des Körpers eingesetzten Mitteln spezialisiert sind. Hier gebe es zwar Hinweise, dass diese möglicherweise biologisch aktiv sind, Schäden auf der mumifizierten Haut haben sie aber offenbar nicht hinterlassen.
Das Faktum, dass sich die Anteile der verschiedenen Mikroorganismen in von der Haut genommenen Proben aus dem Jahr 2010 und 2019 verschoben haben, lässt die Forschenden davon ausgehen, dass die kälteangepasstesten unter ihnen auf niedrigem Niveau aktiv sind. «Diese Hefepilze haben Ötzi auf seiner langen Reise durch die Jahrtausende begleitet», wird Maixner zitiert.
Das gilt auch für die Lebewesenüberbleibsel im Verdauungstrakt der Mumie: Die grosse gefundene Bandbreite lasse darauf schliessen, dass es sich hier um eine «gut geschützte Umgebung handelt, die die alte Mikrobensignatur auch nach fünf Jahrtausenden bewahrt», heisst es in der Publikation.
In Ötzis Überresten können Forschende also seltene Erkenntnisse über das bronzezeitliche Mikrobiom gewinnen. Insgesamt zeige die umfassende Untersuchung, dass man sich vor allem auf der Mumienoberfläche hinsichtlich der Mikrobenaktivität mehr tut, als zuvor vermutet. Um den Leichnam zu erhalten, müsse man dies gut im Blick behalten, so die Studienautorinnen und -autoren.