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Die Einnahme hoher Dosen an Psilocybin kann Demenz-Symptome vorübergehend stark lindern, legt eine Fallstudie nahe.
IMAGO/Cover-Images (Symbolbild)
Die Patientin im Spätstadium kann plötzlich selbstständig gehen und erzählt aus ihrem Leben: Auch wenn es sich um einen Einzelfall handelt, weckt eine Fallstudie mit Psilocybin Hoffnung im Kampf gegen Alzheimer.
Besserung durch Magic Mushrooms? Eine Fallstudie schlägt derzeit hohe Wellen in der Demenz-Forschung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einnahme von Psilocybin zumindest bei manchen Menschen vorübergehend zu einer Linderung der Symptome führen könnte.
Psilocybin ist eine natürlich vorkommende chemische Verbindung, die in mehr als 200 Pilzarten vorkommt, die gemeinhin als Magic Mushrooms bezeichnet werden. Der Verzehr kann verschiedene Wirkungen haben und von Euphorie bis hin zu Halluzinationen reichen.
In der Studie berichten die Forscher*innen nun von einer über 80 Jahre alten Frau mit fortgeschrittener Alzheimer-Krankheit, bei der sich die Symptome nach der Einnahme einer hohen Dosis Psilocybin deutlich verbesserten. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz.
Die Frau litt bereits seit Jahren unter schweren kognitiven Beeinträchtigungen, chronischer Inkontinenz, eingeschränkter Mobilität, sehr eingeschränkter Sprach- und Kommunikationsfähigkeit sowie Schluckbeschwerden. Sie war rund um die Uhr auf Pflegekräfte angewiesen. Mit Zustimmung ihrer Angehörigen nahm die Frau schliesslich an einer Psilocybin-Studie in Brasilien teil.
Was die Forscher nun in der Fachzeitschrift Frontiers of Neuroscience berichten, lässt aufhorchen. Nach der Einnahme von 5 Gramm Psilocybin begann die Frau zunächst, stark zu schwitzen und fiel anschliessend in einen «langanhaltenden, schlafähnlichen Zustand».
Rund 19 Stunden später begann die Frau «spontan ein mehrstündiges autobiografisches Gespräch». Darüber hinaus habe sie in den folgenden Tagen und Wochen ihre Harnkontinenz wiedererlangt und selbstständig gehen können. Zudem habe sie aufmerksamer gewirkt, Familienangehörige wiedererkannt und sich selbst ankleiden können.

Unter der Alzheimer-Krankheit leiden Betroffene und deren Angehörige massiv.
Daniel Naupold/dpa
Ermutigt von den guten Ergebnissen verabreichten die Ärzt*innen einen Monat später eine zweite Dosis Psilocybin, diesmal nur drei Gramm. Die Forscher berichteten von noch ausgeprägteren Sprachfähigkeiten, ausserdem war die Frau beweglicher und ausdrucksstärker.
Die Wissenschaftler*innen weisen zwar ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei dem Fall nur um eine anekdotische Beobachtung handelt, er nicht auf andere Patient*innen übertragen werden könne. Dennoch deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass Psilocybin-haltige Pilze die Gehirnfunktion bei Menschen mit Demenz im Spätstadium vorübergehend reaktivieren könnten. Weitere Untersuchungen seien jedoch erforderlich.
Trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung sind die Behandlungsmöglichkeiten für die Alzheimer-Krankheit noch immer enttäuschend. Die erfolgreichsten Massnahmen können bislang lediglich die Symptome lindern und das Fortschreiten der Krankheit leicht verlangsamen. Auch deshalb konzentrierten sich manche Forscher*innen zuletzt verstärkt auf Psilocybin, das auch für die Behandlung von Depressionen untersucht wird.
«Der Fall ist bemerkenswert, da die Patientin offenbar an einer fortgeschrittenen Alzheimer-Erkrankung litt, die bereits seit Jahren zu schweren Beeinträchtigungen geführt hatte, und dann vorübergehende Verbesserungen zeigte» sagt Dustin Hines von der University of Nevada gegenüber «Medical News Today». Dies sei aussergewöhnlich.
Doch auch er schränkt ein: «Das Schlüsselwort lautet ‹vorübergehend›. Es handelt sich hierbei um einen Einzelfallbericht, nicht um einen Beweis dafür, dass sich Alzheimer rückgängig machen lässt.»