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Durchschnittlich gewinnen Raser weniger als eine Minute Zeit – zahlen aber erheblich mehr für Sprit.
IMAGO/Sven Simon
Dass schnelleres Fahren eine schnellere Ankunft bedeutet, gehört zu den häufigsten Selbsttäuschungen von Autolenkern. Eine Studie beziffert nun, wieviel die Raser draufzahlen – bei minimalem Zeitgewinn.
Rasant überholt, nur um dem vermeintlich Langsameren an der nächsten Ampel oder am Stauende wieder zu begegnen? Es gibt kaum ein besseres Beispiel für jene Selbsttäuschung, der unzählige Raser tagtäglich aufsitzen.
Wie eine im Fachmagazin Communications Sustainability erschienene Studie nun einmal mehr bestätigt, kommen Autolenker durch beherztes Beschleunigen kaum schneller ans Ziel als gemässigte Verkehrsteilnehmer. Stattdessen zahlen sie aber deutlich drauf, zeigen die Berechnungen. Letztendlich zählt für die Ankunftszeit die Durchschnittsgeschwindigkeit – und die unterscheidet sich zwischen den Verkehrsteilnehmern kaum.
Der Denkfehler ist psychologisch gut belegt. Wie sich dieser Effekt in der Fläche auswirkt, hat nun ein Team der University of Minnesota Twin Cities statistisch ausgewertet. Die Forscher analysierten dazu rund 120 Millionen reale Autofahrten in den USA. Dabei handelte es sich um anonymisierte Daten von Verbrenner-Fahrzeugen an vier Mittwochen im Jahr 2021.
So kam es auf 43,2 Prozent der erfassten Fahrten zu mindestens einer Überschreitung des Tempolimits. Durchschnittlich lagen die Verkehrssünder 11,75 Prozent der Fahrzeit über der Begrenzung. Verglichen mit einem Idealszenario, in dem sich alle Verkehrsteilnehmer an das Tempolimit halten, liessen sich dadurch täglich etwa 6,7 Millionen US-Gallonen Sprit einsparen, was rund 22 Millionen Dollar an Treibstoffkosten entspricht sowie etwa 57'000 Tonnen CO2.
Wer sich an die Tempolimits hält, verliert den Berechnungen zufolge nur wenig Zeit. Dem Forscher-Team zufolge ergibt sich lediglich eine zusätzliche Fahrzeit von rund 190 Sekunden für 100 gefahrene Meilen (knapp 161 Kilometer). Weil die durchschnittliche tägliche Fahrleistung in den USA 28,6 Meilen (56 Kilometer) beträgt, verlieren die Autolenker dadurch weniger als eine Minute Fahrzeit. Sie sparen dadurch jedoch auch Sprit – und mögliche Bussen für die Überschreitung der maximal zulässigen Geschwindigkeit.
«Wir wissen zwar bereits, wie sich die Geschwindigkeit physikalisch auf den Kraftstoffverbrauch auswirkt, doch die Quantifizierung des genauen Ausmasses dieser Einsparungen auf nationaler Ebene vermittelt uns ein klareres Bild der tatsächlichen Auswirkungen» sagt der leitende Autor der Studie, Bharat Jayaprakash, gemäss einer Mitteilung der Universität.