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Ein Zusammenbruch der Atlantischen Umwälzbewegung hätte wohl drastische Auswirkungen auf Landwirtschaft und Infrastruktur in der Schweiz.
IMAGO/dieBildmanufaktur
Der baldige Zusammenbruch der Atlantikströmung ist umstritten. Dennoch sei es zu riskant, um dagegen zu wetten, sagt ein Klimaforscher und warnt: Die Schweiz ist nicht auf einen möglichen Kollaps vorbereitet.
Im April sorgte eine neue Studie für Schockwellen in der internationalen Klimaforschung. Der Kollaps der Atlantikströmung (Atlantic Meridional Overturning Circulation, AMOC) bis zum Ende des Jahrhunderts sei weitaus wahrscheinlicher als bisher angenommen, hiess es in einer Forschungsarbeit im «Science Advances».
Sollte dieser Fall eintreten, drohen massive Auswirkungen auf Europa. Hierzulande ist man dafür jedoch kaum gewappnet, wie nun ein Schweizer Klimaforscher warnt. «Die Schweiz ist darauf überhaupt nicht vorbereitet – aus meiner Sicht ein grosses Versäumnis», sagt Thomas Frölicher von der Universität Bern im Interview mit «Das Magazin».
Die neuen Klimaszenarien des Bundes würden keinen keinen AMOC-Kollaps als separates Szenario berücksichtigen, sagt der Wissenschaftler und mahnt: «Was das konkret für die Schweizer Landwirtschaft oder Energieversorgung bedeuten würde – da befinden wir uns im Blindflug.»
Dabei hätte ein Zusammenbruch des AMOC «weitreichende Folgen» für Europa. Zum Einen würde «unsere Fernheizung abgestellt», es im Winter vor allem im Norden bis zu zehn Grad kälter werden. Ausserdem, so der Klimaphysiker, würde sich die atmosphärische Zirkulation über dem Atlantik und Europa verändern. Dies könne Studien zufolge Wetterextreme und möglicherweise auch Winterstürme in Europa verstärken.
Ein baldiger Zusammenbruch der Atlantikströmung ist in der Klimaforschung indessen weiterhin umstritten. Frölicher ordnet sich selbst «in der Mitte» der beiden Lager ein.
«Es ist zu riskant, dagegen zu wetten», sagt der Forscher jedoch und fügt hinzu: «Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Kollapses gering sein sollte – der mögliche Schaden wäre derart gewaltig, dass man das Risiko schlicht nicht ignorieren darf.»