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Musiker Pablo Nouvelle über seine Familie, die Zusammenarbeit mit Nemo und hinterhältige Tech-Konzerne
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Bötschi fragt Pablo Nouvelle

«Ich beschloss, bei der Arbeit künftig immer eine richtige Hose zu tragen»

01:27

Pablo Nouvelle: «Ich bin froh, dass mein Gesicht nicht so bekannt ist»

12 Monate, 24 Songs: Pablo Nouvelle veröffentlichte 2025 monatlich zwei Songs. Der 39-jährige Musiker lässt sich nur schwer auf einen Stil eingrenzen. Ein Gespräch über seine Leidenschaft, das Berühmtsein und seine Musik.

12 Monate, 24 Songs: Pablo Nouvelle veröffentlichte 2025 jeden Monat zwei Lieder. Der 39-Jährige erzählt, in welchem Outfit er nie mehr arbeitet, wie seine Zusammenarbeit mit Nemo aussieht und warum Spotify die Liebe zur Musik fehlt.

Bruno Bötschi

Bruno Bötschi

27.12.2025, 23:34•08.01.2026, 09:00

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Das Schaffen des Burgerdorfer Musikers und Produzenten Pablo Nouvelle, der seit zehn Jahren in Zürich lebt, ist extrem vielfältig.
  • Für sein neues Album namens «2025», dessen 24 Tracks er in den vergangenen 12 Monaten laufend veröffentlicht hat, holte er sich unter anderem Nemo mit an Bord.
  • «Nemo und ich sind seit Jahren befreundet und haben das Projekt ‹2025› im Jahr 2023 gemeinsam angestossen. Wir kreierten erste Ideen für mögliche Songs und überlegten, in welche Richtung es gehen könnte», so Nouvelle im Interview mit blue News.
  • Und weiter: «Ein Tag in den Schweizer Bergen macht mich nachhaltiger glücklich, als ein Konzert zu geben.»
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Pablo Nouvelle, ich stelle dir in den nächsten 30 Minuten möglichst viele Fragen. Und du antwortest bitte möglichst kurz und schnell. Wenn dir eine Frage nicht passt, kannst du auch einmal «weiter» sagen.

Weiter.

Rosalía oder Taylor Swift?

Ich bin ein riesengrosser Rosalía-Fan und wäre zu gerne an ihr Konzert am 26. März 2026 im Hallenstadion Zürich gegangen. Leider schaffte ich es nicht, ein Ticket zu ergattern. Dabei sassen wir zu viert vor dem Computer und haben alles versucht, als der Ticketvorkauf startete.

Immerhin habe ich sie 2023 auf dem Gurten in Bern live gesehen. Das war einfach nur grossartig – und mir war danach nicht klar, ob ich gerade ein Kunstinstallation gesehen habe oder mit Rosalía kuschelnd auf dem Sofa gesessen bin.

Tag oder Nacht?

Früher war ich ein Nachtmensch. Seit ich Vater bin, bevorzuge ich den Tag. Ich bin wie eine Pflanze, die regelmässig Sonnenlicht braucht.

Müssiggänger oder Streber?

Streber. Stillstand ist für mich kaum ertragbar. Ich muss ständig etwas unternehmen.

Bitte beschreibe dein Leben in einem Satz mit fünf Wörtern.

Zwischen dem Windelnwechseln Musik machen.

Bild: blue News

Zum Autor: Bruno Bötschi

blue News-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Er stellt ihnen ganz viele Fragen – immer direkt, oft lustig und manchmal auch tiefsinnig. Dabei bleibt bis zur allerletzten Frage immer offen, wo das rasante Pingpong hinführt.

Was ist deine früheste Erinnerung an Musik?

Ich habe kaum Erinnerungen an meine Kindheit und glaube, dass das ein gutes Zeichen ist. Es ist alles smooth gelaufen und ich habe viel Wärme erfahren. Meine erste Erinnerung an Musik? Der Song «No Limit» von der Eurodance Gruppe «2 Unlimited», der 1993 erschienen ist.

Blockflöte – ja oder nein?

Ja … ganz lange Zeit und sogar Privatunterricht an der Musikschule Burgdorf.

Tönt nach grosser Liebe.

Nein, nein, ich habe es nur immer verpasst, das Instrument zu wechseln (lacht).

Welches war das erste Konzert, das du besucht hast?

Backstreet Boys – zusammen mit meinem Vater.

Dein Lieblingsinstrument?

Klavier.

Das wichtigste Instrument für die Herstellung deiner Musik?

Laptop.

Deine Erklärung, warum Hits einen schlechten Ruf haben?

Ein Song muss gewisse Schemen bedienen, damit er zum Hit werden kann. Diese Vorgaben stehen oft im Widerspruch zu den Vorstellungen, was Kunst sein soll.

«Ich habe kaum Erinnerungen an meine Kindheit und glaube, dass das ein gutes Zeichen ist»: Pablo Nouvelle.

«Ich habe kaum Erinnerungen an meine Kindheit und glaube, dass das ein gutes Zeichen ist»: Pablo Nouvelle.

Bild: Mael Ochsner und Anina Mutter

Im Februar 2025 sagte mir Büne Hüber in einem Interview: «Ich habe das Gefühl, dass Pablo Nouvelle bald stark in den Fokus kommt.»

Schön.

Wusste Büne damals bereits von deinem Musikprojekt «2025», sprich 24 Songs in 12 Monate herauszugeben – oder hat er hellseherische Fähigkeiten?

Ich kann diese Frage nicht mit hundertprozentiger Sicherheit beantworten. Die Chance besteht, dass Büne bereits vom Projekt wusste, denn er und ich sind beim gleichen Musiklabel unter Vertrag.

Wie ist das Projekt «2025» entstanden – oder anders gefragt: Wer ist schuld, dass du im vergangenen Jahr jeden Monat zwei neue Songs releast hast?

Nemo hat mir viel dabei geholfen. Wir sind seit Jahren befreundet und haben das Projekt «2025» im Jahr 2023 gemeinsam angestossen. Wir kreierten erste Ideen für mögliche Songs und überlegten, in welche Richtung es gehen könnte. Blöderweise lief Nemo irgendwann davon und gewann den Eurovision Song Contest 2024 in Malmö. Danach musste ich allein schauen, was ich mit den Songs machen will …

… und ernsthaft?

Als wir das Projekt starteten, haben wir vereinbart, dass Nemo das Songwriting übernehmen, aber nicht als Artist dabei sein wird.

Teaser image

Bötschi fragt Büne Huber

«Mein Entscheid soll das Leben der Kinder nicht beeinträchtigen»

Auf dem Dezember-Song «Walk Away» ist Nemo doch als Artist zu hören. Wirklich wahr, dass ihr das Lied erst einen Tag vor Abgabe bei dir im Studio fertig produziert habt?

Es war lang nicht klar, ob wir den Song im Dezember fertigbringen würden. Allerdings klingt das schlimmer, als es in Wirklichkeit war. Wir haben «Walk Away» am Tag vor der Veröffentlichung nicht komplett neu geschrieben, sondern nur die ersten Textzeilen sanft verändert.

Ist «Walk Away» so etwas wie das Sahnehäubchen des Musikprojektes «2025»?

Für mich ist es die Essenz des Albums.

Nemo gab vor wenigen Tagen die gewonnene ESC-Trophäe zurück – möchtest du dich dazu äussern?

Ich bin beeindruckt, wie eloquent und on the point Nemo auf dem Hochseil zwischen den politischen Minenfeldern tanzt. Weil unser Song «Walk Away» fast zeitgleich erschienen ist, habe ich auf meinem Instagram-Account gesehen, was in der Kommentarspalte passiert, wenn man für seine Meinung einsteht. Es war und ist verrückt, was da abgeht. Und deshalb nochmals: Ich ziehe meinen Hut davor, wie Nemo sich bei dem Thema exponiert hat und mit der Meinung in keiner Weise zurückhält.

1995 stellte der dänische Regisseur Lars von Trier zehn Gebote für das Kino auf, das sogenannte «Dogma 95» …

… ich weiss, dass es das gibt. Die einzelnen Gebote kenne ich allerdings nicht.

Gab es während deines Projektes «2025» auch irgendwelche Vorgaben – ausser den vorab festgelegten zwei releasten Songs pro Monat?

Eine Vorgabe war unter anderem, dass in jedem Song, in dem ein kitschiges Klavier zu hören ist, irgendein grusiges Gepfeife eines Vogels erklingen muss.

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Im Podcast «Pablo Nouvelle – Der KI immer einen Schritt voraus» erzählst du, wie die 24 Songs ähnlich einem 9-to-5-Job entstanden sein sollen. Was hast du gemacht, wenn nach dem ersten Kaffee am Morgen in deinem Musikstudio kein Date mit deiner Kreativität zustande gekommen ist?

Die Entstehung eines neuen Songs ist selten eine gradlinige Sache. Ich las kürzlich ein Interview mit Fred Again, dem aktuell wahrscheinlich wichtigsten Musikproduzenten. Darin erzählt er, wie er während der Entstehung von neuen Songs oft Mühe mit sich selbst habe und sich deswegen manchmal sogar hasse. Mir ist auch schon passiert, dass ich einen schlechten Tag hatte und bereits wieder auf dem Nachhauseweg war. Während ich mein Velo aufschliessen wollte, kam mir plötzlich eine Idee und ich rannte zurück ins Studio. Zum Glück ist das Produzieren von Musik nicht jeden Tag derart emotional aufgeladen.

Hast du einen Hit-Pullover, also ein Kleidungsstück, in dem du dich komponierend und produzierend besonders wohl fühlst?

Vor ein paar Wochen sass ich nur mit einer Trainerhose bekleidet und mit Birkenstöcken an den Füssen im Studio. Irgendwann hat sich das komplett unseriös angefühlt. Ich beschloss, künftig immer eine richtige Hose anzuziehen, wenn ich zur Arbeit gehe.

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Bötschi fragt Fabienne Hadorn

«Heute machen Frauen einfach alles. Derweil die Männer gegen die Wand fahren»

Wie viel Einfluss hat das Wetter auf die Entstehung deiner Songs?

Viel mehr als ich es mir bis vor kurzem eingestanden habe. Während eines neblig-kalten Tages erinnerte ich mich daran, dass ich vor längerem angefangen habe, Songs für ein Triphop-Album zu schreiben. Die Lust daran weiterzuarbeiten ist seit dem Schlechtwettertag wieder deutlich grösser geworden.

Wie viel Einfluss haben deine zwei Kinder, sie sind anderthalb und vier Jahre alt, auf dein musikalisches Schaffen?

Meine Kinder haben ganz viel Einfluss auf meine Arbeit als Musiker. Auf dem Album «2025» gibt es einen Song, der nur wegen meines Sohnes überhaupt darauf Platz gefunden hat. Es ist eines seiner Lieblingslieder.

Von welchem Song sprichst du?

Von «Nobody As Tight». Als ich vergangene Woche in Zürich im Ausgang war, kam ein mir unbekannter Mensch auf mich zu und meinte, was eigentlich los mit mir sei, ihm würde dieser Song überhaupt nicht gefallen und ob ich eigentlich nur noch Musik mache, um den Vorschuss der Plattenfirma einzusacken. Wenig später kam mir wieder in den Sinn, warum es «Nobody As Tight» auf das Album geschafft hat.

«Ich bin beeindruckt, wie eloquent und on the point Nemo auf dem Hochseil zwischen den politischen Minenfeldern tanzt»: Pablo Nouvelle.

«Ich bin beeindruckt, wie eloquent und on the point Nemo auf dem Hochseil zwischen den politischen Minenfeldern tanzt»: Pablo Nouvelle.

Bild: zVg

Du hast im vergangenen Jahr keine Konzerte gespielt, weil du mit dem Projekt «2025» beschäftigt warst …

… das ging total gut.

Finanziell auch?

Ja. Ich habe noch andere Einnahmequellen, komponiere unter anderem Musik für Werbung. Seit meine Freundin und ich eine Familie gegründet haben, habe ich mein Leben stärker den äusseren Umständen angepasst und arbeite fast nur noch am Tag. Auch das Nachtleben findet leider aktuell mehrheitlich ohne mich statt.

Was fühlst du, wenn du auf die vergangenen zwölf Monate zurückschaust?

Zufriedenheit und Genugtuung – oder tönt das jetzt zu süffisant? Es war eine Reise, die bunt und vielfältig war. Ich konnte meine Vision umsetzen, hatte aber gleichzeitig immer wieder genug Raum, um auch einmal etwas Ungeplantes zu realisieren. Sehr oft war ich zudem mit der Produktion von neuem Content für meinen Instagram-Account beschäftigt.

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Bötschi fragt Sina

«Ich erlebte mehrere Situationen, die plötzlich brenzlig zu werden drohten»

Die Musikindustrie hat sich wegen der Streamingdienste wie Spotify verändert. Man könnte auch behaupten: Die Musik hat viel an Wert verloren. Wahr oder nicht?

Wenn du vom finanziellen Wert der Musik sprichst, fing der Niedergang schon früher an, nämlich während der Episode zwischen den CDs und Napster. Es war die Zeit, als Musikfans weltweit erstmals Songs gratis herunterladen konnten. Was die Verantwortlichen von Spotify aktuell machen, finde ich nur noch zynisch.

Ich nehme an, du sprichst von Spotify-Gründer Daniel Ek, der sich vergangenen Sommer bei einem Unternehmen einkaufte, welches KI-Kriegsmaterial entwickelt.

Ja genau. Diese Geschichte ist derart dystopisch, ein normaler Mensch könnte sich so etwas nicht ausdenken. Den Verantwortlichen von Spotify fehlt die Liebe für die Musik. Und die Menschen, die sie produzieren, sind ihnen total egal. Es ist denn auch weiter nicht verwunderlich, dass Spotify den Musikkatalog für die Schweiz nicht von Menschen vor Ort kuratieren lässt.

Was müsste sich ändern?

Ich finde, wir bräuchten viel strengere Regulierungen und Gesetze, die uns Kreative schützen. Es ist haarsträubend, wie Tech-Konzerne unsere Gesellschaft umkrempeln wollen und uns polarisieren. Und wenn wir schon dabei sind: Was wir auch mehr denn je brauchen, sind starke, unabhängige, seriöse und gut finanzierte Medien so wie die SRG.

Macht die Musik die Welt besser?

Auf jeden Fall.

In welchen Situationen oder an welchen Orten willst du unter keinen Umständen Musik hören?

Während ich am Essen bin.

«Seit meine Freundin und ich eine Familie gegründet haben, habe ich mein Leben stärker den äusseren Umständen angepasst und arbeite fast nur noch am Tag»: Pablo Nouvelle

«Seit meine Freundin und ich eine Familie gegründet haben, habe ich mein Leben stärker den äusseren Umständen angepasst und arbeite fast nur noch am Tag»: Pablo Nouvelle

Bild: Mael Ochsner und Anina Mutter

Fällt schön singen leichter, wenn man Liebeskummer hat?

Es kommt darauf an, wie akut der Liebeskummer ist. Kürzlich hast du in einem Interview mit Stefanie Heinzmann über das gleiche Thema gesprochen. Die Sängerin sprach mir aus der Seele, als sie sagte, dass man auch in positiver Grundstimmung gute Songs schreiben und schön singen könne. Ich lebe ein stabiles und glückliches Leben und mache trotzdem Kunst. Aber natürlich kenne ich auch das Gegenteil – also Musikmachende, die ihre besten Songs dann geschrieben haben, als es ihnen richtig dreckig ging. Ich gehöre zum Glück nicht zu dieser Gruppe von Menschen.

Ist es einfach, auf einer Bühne vor mehreren Hundert Menschen ein glücklicher Mensch zu sein?

Ich finde es cool, wenn das Publikum während eines Konzertes mitmacht und ich die Energie der Menschen spüren kann. Mein Glück hängt aber nicht allein davon ab. Oder anders gesagt: Ein Tag in den Schweizer Bergen macht mich nachhaltiger glücklich, als ein Konzert zu geben. Trotzdem gebe ich sehr gerne Konzerte und es fehlt mir im Moment.

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Bötschi fragt Stefanie Heinzmann

«Jetzt zu sterben wäre okay, aber ich würde mich ärgern, weil ...»

Pablo Nouvelle ist ein Künstlername: Wer hat ihn erfunden?

Ich weiss nicht wieso, aber irgendwann nannten mich immer wieder Menschen Pablo. Das fing bereits in der Kindheit an. Es ist mir aber auch schon in einer Bar in London passiert, dass eine Frau, die mich nicht kannte, rief: «Hey you … Pablo guy … buy me a beer!» Irgendwann nahm das mein Bruder auf. Er nennt mich seither nur noch Pablo.

Welcher Name steht in deinem Pass?

Fabio Friedli.

Hast du je einen prominenten Menschen gebeten, dir ein Autogramm zu geben?

Ja klar. Als Kind habe ich mir ein Autogramm vom italienischen Fussballer Roberto Baggio ergattert. Kurz danach bekam ich auch noch eine Unterschrift von SRF-Moderator Heinz Margot.

Welches Kompliment von deiner Partnerin, deine Musik betreffend, wirst du nie mehr vergessen?

Sie hat mir gestern Morgen, als sie auf dem Weg zur Arbeit war, folgende Nachricht geschickt: «Ich höre gerade dein Album. Es ist sooo gut.»

Du wirst im nächsten Jahr 40: Wie zufrieden bist du im Rückblick mit der Wirkung deiner Musik?

Musik bewirkt, dass ich das machen kann, was ich aktuell mache – fast jeden Tag im Musikstudio zu sitzen und zu komponieren. Ich kann mich selber verwirklichen und anderen Menschen gleichzeitig eine Freude machen. Musikmachen hat einen unglaublich positiven Einfluss auf mein Leben. Ich hätte mir früher nie erträumen lassen, dass ich dieser Leidenschaft so lange und so intensiv nachgehen werde.

«Vielleicht muss zuerst alles in Asche liegen, damit doch noch etwas Gutes entstehen kann»: Pablo Nouvelle

«Vielleicht muss zuerst alles in Asche liegen, damit doch noch etwas Gutes entstehen kann»: Pablo Nouvelle

Bild: Fabio Baldo

Mit welchen Gefühlen schaust du in die Zukunft?

Meiner persönlichen Zukunft schaue ich mit guten Gefühlen entgegen. Die Zukunft der Welt könnte deutlich komplizierter werden – aber wie heisst es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht muss zuerst alles in Asche liegen, damit doch noch etwas Gutes entstehen kann.

Welches ist deine grösste Begabung, von der bisher noch niemand wirklich weiss?

Kochen ist es definitiv nicht, obwohl ich oft daheim koche für unsere zwei Kinder. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich den ganzen Tag im Musikstudio hocke und mir neue Musik ausdenken muss, dann fehlt mir später am Herd die Kreativität (lacht).

Eine schöne Geschichte, aber damit hast du meine Frage noch nicht beantwortet.

Meine Freestyle-Reime sind zwar eher Kinder-Gedichte als krasser Gangster-Rap, aber trotzdem nicht von schlechten Eltern.

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Bötschi fragt Max Hubacher

«Das Drehen einer Sexszene ist nie romantisch»

Wir nähern uns dem Ende dieses Interviews und kommen nun noch zum Self-Rating-Test: Du benotest bitte dein eigenes Talent von null Punkten, kein Talent, bis zehn Punkte, maximales Talent. Wie gross ist dein Talent als Gärtner?

Einen Punkt.

Demnach vergisst du sogar den Schnittblumen deiner Freundin Wasser zu geben?

Solche Aufträge erteilt mir meine Freundin nicht. Dafür kennt sie mich zu gut. Ich habe bisher noch nie gegärtnert. Wer weiss, vielleicht könnte ich es total gut.

Skifahrer?

Acht Punkte. Ich kann Skifahren und gehe zudem auf Skitouren.

Kinogänger?

Das ist ein trauriges Kapital in meinem Leben. Ich habe zwar Animationsfilm studiert, kenne aber kaum Filme, Regisseure oder Schauspielerinnen. Immer, wenn jemand mit mir über Filme reden möchte, bekomme ich deshalb Schweissausbrüche. Wenn du willst, kann ich dir dazu noch eine lustige Geschichte erzählen.

Nur zu.

Während meinem Studium drehte ich den Animationsfilm «In a Nutshell». Er lief später beim «Aspen Film Shortsfest 2017». Während dem Festival gab es eine Diskussionsrunde mit den Filmemachenden. Irgendwann wurde ich an diesem Abend gefragt, welcher Film mich für meine Arbeit als Regisseur am meisten geprägt habe. Aus lauter Verzweiflung und weil mir nichts Besseres in den Sinn kam, antwortete ich: Ariel, die Meerjungfrau. Als der Moderator wissen wollte, warum mich gerade dieser Film inspiriert habe, sagte ich: Weil der Fisch im Film Fabio heisst. Trotz meiner unbedarften Antwort gewann mein Werk in der Kategorie Animationsfilme – und ich schaffte es danach sogar auf die Longlist für die Oscar-Verleihung.

Fürchtest du dich vor dem Tag, an dem niemand mehr deine Musik kaufen will?

Nein. Es kauft ja jetzt schon niemand mehr meine Musik. Aber ich habe einen grossen und stetig wachsenden Backkatalog, der mehr gehört wird als meine aktuellen Releases. Darum bin ich optimistisch, dass meine Musik auch in Zukunft gehört wird. Und falls doch nicht, werde ich trotzdem weiterhin Musik machen. Oder ich werde als Tram-, Lokomotivführer oder als Lehrer arbeiten gehen. Da würde mir kein Zacken aus der Krone fallen.


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