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Die neuseeländische Musikerin Lorde veröffentlicht am 27. Juni ihr neues Album «Virgin».
Bild: IMAGO/Bestimage
Lorde kehrt mit ihrem vierten Studioalbum zurück. Mit «Virgin» erfindet die Musikerin sich neu. Perfekt für einen Sommer, der sich mehr nach Fragen als nach Antworten anfühlt.
Irgendwie hat es sich ja ergeben, dass jeder Sommer einen Namen bekommt. Letztes Jahr war es der Brat Sommer, dieses Jahr ist es der Lorde Sommer. Ella Yelich-O’Connor, besser bekannt als Lorde, bringt nämlich ein neues Album raus. Am Freitag, 27. Juni, erscheint «Virgin».
Ein Album, das den Sommer schon prägt, bevor es überhaupt offiziell da ist. Alles beginnt im April mit einem 15-sekündigen TikTok-Clip, in dem die 28-jährige Musikerin einen neuen Song anteast. Ein paar Tage später postet sie in ihrer Instagram-Story ein Bild aus dem Washington Square Park und kündigt einen spontanen Auftritt an.
Ihre Fans kommen. Natürlich. So viele, dass die Polizei das Treffen wegen fehlender Bewilligung auflöst. «Ich bin wirklich erstaunt, wie viele von euch gekommen sind!!!», schreibt Lorde in ihrer Instagram-Story. Später taucht sie trotzdem noch auf und tanzt vor der Menge zu «What Was That». Dem ersten Song ihres neuen Albums, den sie in ihrem TikTok ankündigte und nach dem Auftritt im Washington Square Park auch veröffentlicht.
@vanityfair It’s a Lorde summer. After an impromptu performance in New York’s Washington Square Park was cleared by police, the singer debuted her new single for a few lucky remaining fans. #lorde #newyorkcity #washingtonsquarepark #whatwasthat #nyc ♬ original sound - Vanity Fair
«Weiss Lorde, dass sie berühmt ist?», fragt das «New York Magazine» daraufhin.
Berühmt wird Lorde 2013 mit gerade einmal 16 Jahren, als ihr Debütalbum «Pure Heroine» erscheint. Das Album ist etwas düster, der Sound aufs Minimum reduziert, elektronisch und doch sehr poppig.
Der Song «Royals», in dem sie den Konsumrausch und Statussymbole der Popwelt kritisiert, läuft weltweit rauf und runter. Ein Soundtrack für Jugendliche, die sich irgendwo zwischen Teenage Angst, Melancholie und leiser Rebellion verorten. 2017 folgt das Album «Melodrama», in dem Lorde über Liebesdramen und Party singt.
Wenn heute wieder eine Sängerin als das neue grosse Pop-Phänomen heraufbeschwört wird (Billie Eilish, Olivia Rodrigo, Chappell Roan), dann sind das alles Menschen, die zu der Zeit von Lorde beeinflusst wurden. «Ich denke, Lordes Stimme ist wirklich die Stimme einer Generation», sagt Popstar Olivia Rodrigo zu «Rolling Stone». «Ich kenne keine*n moderne*n Songwriter*in, der nicht von ihr beeinflusst wurde.»
Danach wird es stiller um Lorde. Erst 2021 erscheint mit «Solar Power» etwas Neues. Ein Album, das sich wie ein Rebrand anfühlt. Lorde trägt gelbe und sonnige Kleidung, ist leicht und optimistisch. Die Musik mehr Folk, mehr Akustikgitarre. Doch «Solar Power» wird verhalten aufgenommen und trifft nicht alle Erwartungen.
Später wird sie erzählen, dass sie während der Zeit rund um «Solar Power» eine Essstörung hatte. Sie hungert, zählt Kalorien, kontrolliert ihren Körper. Auch trennt sie sich von ihrem langjährigen Partner. In der Folge zieht Lorde um, lebt alleine und versucht, sich selbst besser kennenzulernen.
Auf dem neuen Album «Virgin» läuft all das zusammen. Lorde beginnt neu – und doch ist «Virgin» kein klassischer Neuanfang, sondern vielmehr eine Wiedergeburt. Sie lässt ihr altes Ich nicht einfach hinter sich, sondern zerlegt es Schicht für Schicht, trauert, rekonstruiert. Nur um am Ende wieder bei sich selbst anzukommen.
Oder, wie Lorde in einer E-Mail an ihre Fans schreibt: «Ich habe versucht, mich selbst in Gänze zu sehen. Ich habe versucht, ein Dokument zu erstellen, das meine Femininität reflektiert: roh, ursprünglich, unschuldig, elegant, offenherzig, spirituell, maskulin.» Das Album sei eine Rückkehr zu einer «wirklich essenziellen, reinen» Version ihrer selbst, sagt sie im Gespräch mit «Rolling Stone».
So klingt das Album auch, wieder mehr im Stil von «Pure Heroine» und «Melodrama». Gleichzeitig beschränkt sich Lorde weniger, weder im Sound noch in ihrem eigenen Körper.
Auf dem Musikvideo zum Song «Man of the Year» klebt sie sich ihre Brüste ab. Ihr Geschlecht habe sich «viel mehr ausgedehnt, als ich meinem Körper mehr Raum gegeben habe», erklärt sie «Rolling Stone». Geschlecht ist für Lorde fliessend, sie will sich nicht in Boxen stecken.
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«An manchen Tagen bin ich eine Frau, an manchen Tagen bin ich ein Mann», singt Lorde auch in «Hammer», der letzten Single, die sie vor dem Album veröffentlicht. Ein Track, den sie selbst auf Instagram als «Ode an das Stadtleben und die Horniness» beschreibt. Lorde singt:
Ich bin bereit, das Gefühl zu haben, dass ich keine Antworten habe
Es gibt Frieden im Wahnsinn über unseren Köpfen
Ich weiss nicht, ob es Liebe oder ob es der Eisprung ist
Früher klang ihre Musik wie der Soundtrack eines Coming-of-Age-Films, für Teenager an der Schwelle zum Erwachsensein, verloren zwischen Weltschmerz und Selbstfindung. Die neue Lorde spricht Twentysomethings an, die langsam auf die Dreissig zusteuern und realisieren, wie wenig sie eigentlich über das Leben wissen.
«Es wird eine Menge Leute geben, die mich nicht mehr für ein gutes Mädchen halten werden», sagt sie zu «Rolling Stone». «Für viele Menschen wird es vorbei sein, und für manche werde ich dann angekommen sein.»
Und genau darum geht’s im Lorde Sommer: um Weiterentwicklung. «Es ist ein zweites Teenagerdasein, aber mit besseren Jeans und einem stärkeren Selbstbewusstsein», schreibt die «Vogue». «Lorde Sommer ist, wenn man das Handy kaputt macht und es einem egal ist. Es ist, einen heissen Typen zu treffen und dann nie wieder mit ihm zu sprechen.»
Vielleicht ist der Lorde Sommer genau das, was wir 2025 brauchen: ein Erwachsenwerden, das sich nicht wie Ankommen anfühlt, sondern wie das Loslassen einer Vorstellung davon, wer man werden sollte. Eine Erinnerung daran, dass wir alles auf einmal sein dürfen: Weiterhin chaotisch, unangepasst, suchend. Aber in cool.