Fehler gefunden?
Jetzt meldenNicht nur Security sorgt am Openair Frauenfeld für Sicherheit. Ein mobiles Awareness-Team ist auf dem gesamten Gelände unterwegs und hilft Menschen, die Unterstützung oder einfach ein offenes Ohr brauchen.
Zwischen Moshpits, tausenden Festivalgästen und lauter Musik sorgen am Openair Frauenfeld nicht nur Security und Sanität für Sicherheit. Ein eigenes Awareness-Team ist auf dem Gelände unterwegs und unterstützt Menschen, die sich unwohl fühlen, belästigt wurden oder einfach jemanden zum Reden brauchen.
Bereits seit 2023 gibt es am Openair Frauenfeld ein Awareness-Angebot. Dieses Jahr wurde es jedoch deutlich ausgebaut. Statt nur an einem festen Standort präsent zu sein, sind die Helfer*innen nun auch direkt auf dem Festivalgelände unterwegs.
«Mir war wichtig, dass wir nicht mehr nur eine stationäre Anlaufstelle sind», sagt Kira, die das Awareness-Konzept für das diesjährige Festival organisiert hat. «Wir wollten sichtbar sein, mitten im Festival und in den Menschenmengen. So schaffen wir ein grösseres Sicherheitsgefühl.»
Wie viele Teams im Einsatz sind, hängt von der Tageszeit ab. Nachmittags ist jeweils mindestens ein Team beim Awareness-Point stationiert, zusätzlich patrouillieren ein bis zwei mobile Teams über das Gelände.
Sobald am Abend die grossen Konzerte beginnen, wird aufgestockt: Dann sind bis zu fünf Teams gleichzeitig unterwegs. Jedes Team besteht aus zwei bis drei Personen.

Hauke-Christian Dittrich/dpa
Die besten Festivalmomente auf unseren Kanälen: online bei blue News, auf Social Media und im Free-TV auf blue Zoom – präsentiert von Swisscom, unterstützt von Mastercard.
Die Mitarbeitenden bringen dabei unterschiedliche Hintergründe mit. «Viele kommen aus der Sozialarbeit oder Psychologie, andere haben weniger Erfahrung», erklärt Maddie, zuständig für die Koordination. «Uns ist wichtig, dass das Team vielfältig ist und verschiedene Perspektiven mitbringt.»
Das Awareness-Team kümmert sich um weit mehr als Fälle sexualisierter Gewalt. Zwar stammt das Konzept ursprünglich aus der feministischen Bewegung und legt den Fokus auf Betroffene von Übergriffen. Unterstützt werden aber auch Menschen, die sich aus anderen Gründen unwohl fühlen.
«Manchmal braucht jemand einfach eine Person zum Reden oder möchte kurz Dampf ablassen», sagt Maddie. «Andere melden sexuelle Belästigung. Dann arbeiten wir eng mit der Security zusammen. Solches Verhalten tolerieren wir nicht.»
Ebenso helfen die Teams bei kleineren Problemen, etwa wenn jemand überfordert ist, Wasser braucht oder nicht weiss, wohin er sich wenden soll.
Schon nach den ersten beiden Festivaltagen ziehen die Verantwortlichen ein positives Zwischenfazit. Besonders die sichtbare Präsenz komme bei den Besucher*innen gut an.
«Viele sprechen uns an und bedanken sich», erzählt Maddie. «Allein zu wissen, dass jemand da ist, falls etwas passiert, gibt vielen Menschen ein besseres Gefühl.»
Die Präsenz habe zudem einen präventiven Effekt. Weil die Teams regelmässig über das Gelände gehen, können sie früh erkennen, wenn es jemandem nicht gut geht. «Wir können oft schon nachfragen, bevor eine Situation eskaliert», so Maddie. «Manchmal reicht ein kurzes Gespräch oder etwas Wasser, damit sich die Lage wieder beruhigt.»
Das Awareness-Team versteht sich nicht als Ersatz für die Security, sondern als Ergänzung. «Wir arbeiten sehr eng mit der Security und der Sanität zusammen», erklärt Kira. «Wenn nötig, leiten wir Fälle weiter. Gleichzeitig kommen auch Menschen mit ganz anderen Fragen zu uns – etwa wenn sie etwas verloren haben oder nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.»
Immer wieder wird die Frage gestellt, weshalb es neben der Security überhaupt noch ein Awareness-Team braucht.
Für Kira liegt die Antwort auf der Hand: «Gerade wenn es um sexualisierte Gewalt geht, fällt es vielen Betroffenen schwer, direkt auf Sicherheitskräfte zuzugehen. Die Security besteht oft aus Männern. Da kann es eine grosse Hürde sein, über solche Erlebnisse zu sprechen.»
Ein Awareness-Team im ähnlichen Alter und mit vielen weiblichen oder FINTA-Personen könne diese Schwelle deutlich senken. «Es geht darum, einen niederschwelligen Zugang zu schaffen und Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.»
Am Ende gehe es aber nicht nur um das Awareness-Team selbst, betonen die beiden.
«Awareness ist nicht nur unsere Aufgabe», betonen Kira und Maddie. «Wir wünschen uns, dass alle Festivalbesucher*innen aufeinander achten. Wir können das vorleben und unterstützen – aber Verantwortung tragen wir alle gemeinsam.»