Fehler gefunden?
Jetzt meldenAls Sänger Tony Marshall (Mitte) im Jahr 2013 seinen 75. Geburtstag feierte, war neben seinem Sohn Marc (rechts9 auch sein Manager Herbert Nold mit von der Partie. (Archivbild)
Bild: dpa
Rekordträchtige 44 Jahre lang begleitete Manager Herbert Nold die Schlagerlegende Tony Marshall. In seinem Buch erzählt er von den Anfängen, ungewöhnlichen Methoden und Promi-Begegnungen.
Mit einer ordentlichen Portion Alkohol hat Schlagerstar Tony Marshall (1938 bis 2023) zu Beginn seiner Karriere versucht, seinen wohl grössten Hit «Schöne Maid» zu verhindern.
«So einen Mist singe ich nicht», habe der ausgebildete Opernsänger geschrien und sei dann wütend ins Lokal im Erdgeschoss des Tonstudios verschwunden, schildert sein langjähriger Manager Herbert Nold im kürzlich erschienen Buch «Tony, die schöne Maid und Ich».
«Dort trank er ein, zwei Flaschen Rotwein, bis er richtig betrunken war. Mit voller Absicht», wie der heute 86-jährige Nold es beschreibt. «Er dachte tatsächlich, wenn er besoffen ist und völlig daneben singt, schmeisst Jack White ihn raus und er muss diesen ihm verhassten Titel nicht singen.»
Aber Musikproduzent White habe die Aufnahme durchgezogen. «Der Punkt war: Wenn man eine ausgebildete Stimme wie Tony Marshall hat, dann ist es wohl gar nicht möglich, schlecht zu singen», stellt Nold fest. Jedenfalls sei die Aufnahme gelungen und «Schöne Maid» im Kasten gewesen.
44 Jahre lang war Nold Marshalls Manager. «Kein anderer hat jemals einen einzelnen Künstler so lange vertreten wie ich Tony Marshall. Ich hatte damit einen Weltrekord aufgestellt.»
Dafür hängte er seine Karriere als Polizeibeamter an den Nagel, wie er in dem Buch beschreibt. Und nicht nur das: Die Zusammenarbeit mit Marshall und anderen Künstler*innen führte ihn quasi um die Welt.
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte "Swisscom Werbung bei Dritten", um diesen Inhalt anzuzeigen.
Das Buch «Tony, die schöne Maid und Ich» ist eine Art Autobiografie, die sich in erster Linie an der gemeinsamen Zeit mit Marshall entlanghangelt.
Darin verrät Nold unter anderem, dass ein Auftritt bei einem Sportfest im Juni 1970 das erste Engagement gewesen sei, das er – damals noch nicht als sein Manager – Marshall verschafft habe. «Er wollte 500 Deutsche Mark Gage haben, ich handelte ihn auf 250 runter.»
Jahre später wiederum habe er sich sogar einmal als Tony Marshall selbst ausgegeben und Autogramme verteilt. Immer wieder profitierte er von seinem Wissen, das er im Polizeidienst bei der Kripo erlernt hatte.
Aber auch die gesundheitlichen Folgen des teils stressigen Manager-Alltags spart der Autor nicht aus.
Die Lektüre der mehr als 300 Seiten gleicht einem Streifzug durch Jahrzehnte deutscher Musikgeschichte.
Neben alten TV-Sendungen wie der «ZDF-Hitparade» und «Disco» sowie Urgesteinen wie Dieter Thomas Heck, Roberto Blanco und Frank Elstner taucht auch Lena Meyer-Landrut auf. Gespickt ist das Buch, das Nold mit Journalistin Andrea Röthe verfasst hat, mit vielen Fotos.