11.01.2017 - 11:10, von Alexia Angelopoulou, dpa

Harter Winter in Griechenland: Glück hat, wer einen Holzofen besitzt

 

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Dörfer sind von der Aussenwelt abgeschnitten, Flüchtlinge frieren in Zelten, die Schule fällt aus und auf manchen Ägäis-Inseln fahren die Menschen Snowboard - der Winter stellt Griechenland auf den Kopf.

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Der junge Mann holt tief Luft. «Echt verdammt viel Schnee hier», murmelt er. Dann fasst er sich ein Herz, nimmt Schwung und saust mit dem Snowboard die engen Gassen des Dörfchens hinab. Seine Handyaufnahme zeigt pulverigen Tiefschnee, wie Wintersportler ihn sich auf so manche Skipiste in den Alpen wünschen würden. Der Unterschied ist, dass die Fahrt mitten durch den malerischen Ort führt und sie unmittelbar vor der eisig türkisblauen Ägäis enden wird - hier in Skopelos auf der gleichnamigen Sporadeninsel.

In Griechenland herrscht extremes Winterwetter. Das führt zu kuriosen, aber teilweise auch zu schlimmen Nachrichten. Mit Baggern, Schaufeln und manchmal auch mit blossen Händen versuchen sich die Menschen den Weg freizuschaufeln.

Schnee in Griechenland

  • Athen

Schnee liegt bis zwei Meter hoch

In der Ortschaft Kymi auf der Insel Euböa laufen die Bewohner auf einer fast zwei Meter hohen Schneedecke. Unter den Schneehügeln links und rechts liegen die Autos verborgen, die am Strassenrand geparkt haben. Immerhin ist der Ort noch zugänglich - drei weitere Dörfer der Insel sind komplett von der Aussenwelt abgeschnitten, ohne Strom und Wasser warten die Menschen dort auf Hilfe. Am Dienstag wurde ein Hubschrauber geschickt, um Kranke zu versorgen.

Militär, Feuerwehr und Polizei sind im Dauereinsatz, auf solch ein Wetter ist man - außer hoch im Norden des Landes - nicht vorbereitet. In Westgriechenland ging bereits das Streusalz aus. In Thessaloniki hingegen fror das Salz in den Streumaschinen ein - seit 50 Jahren habe man solches Wetter nicht gesehen, sagt der Bürgermeister.

Eingeschneite Inseln sind immer wieder ohne Strom

In den Häfen des Landes versanken kleine Fischerboote unter der Last des Schnees im Wasser. Der Energieminister wandte sich mit der Bitte an die Bevölkerung, sparsam mit Strom umzugehen. Sofern die Menschen überhaupt Strom haben: Eilande wie Skopelos und Alonissos sind komplett eingeschneit und seit Tagen immer wieder ohne Elektrizität.

Auf Alonnisos knickten mehr als 100 Bäume unter der Schneelast ein und rissen dabei Stromleitungen mit sich - der kleine örtliche Ableger der Elektrizitätsgesellschaft kommt kaum nach, die Schäden zu beheben. «Wir rücken zusammen, wer einen Holzofen oder Kamin hat, nimmt andere auf, deren Heizung ohne Strom nicht läuft. Manche haben auch im Hotel der Stadt Unterschlupf gefunden», sagt Inselbewohner Kostas Mavrikis am Telefon. Gibt es wenigstens Fährverkehr? «Mal so, mal so», berichtet er, «letzte Nacht hat es wieder so stark geschneit, dass ich gar nicht weiss, ob die Fähre überhaupt anlegen kann, wenn auf dem Dock so viel Schnee liegt.»

Flüchtlinge schlafen in Sommerzelten

Bitter sind die Zustände jedoch vor allem auf Inseln mit vielen Flüchtlingen wie Lesbos und Chios. Der griechische Migrationsminister Ioannis Mouzalas muss derzeit sowohl von der Opposition als auch von Hilfsorganisationen harte Kritik einstecken, weil dort für die Flüchtlinge und Migranten nicht ausreichend beheizbare Wohncontainer bereitstehen. Und weil ein Teil der Menschen in der Eiseskälte in verschneiten Sommerzelten campen muss. Noch Anfang Januar hatte Mouzalas verkündet, kein Flüchtling werde frieren.

Das Gegenteil war der Fall. Also wurde zunächst versucht, die Menschen in Hotels unterzubringen. Als das nicht klappte, fiel am späten Dienstagnachmittag, vier Tage nach Beginn des Schneefalls, die Entscheidung, ein Kriegsschiff nach Lesbos als schwimmende Unterkunft zu schicken. Ursprünglich wollte sich der Migrationsminister selbst ein Bild der Situation verschaffen, aber das Flugzeug konnte nicht auf dem Flughafen von Lesbos landen - wegen des Wetters.

Viele Flüchtlinge sind krank

Derweil berichten Hilfsorganisationen und die Migranten selbst per Facebook und Twitter von dem Elend vor Ort. Bilder zeigen tief verschneite Zelte und gefrorenen Boden, oder auch matschige Wege überall dort, wo es tagsüber ein bisschen taut. Auch auf Chios ist es nicht viel besser, selbst wenn der Schnee dort mittlerweile wenigstens auf Höhe des Meeresspiegels geschmolzen ist.

«Das soll mir mal einer erklären», sagt Inselbewohner Kostas Tanainis, der den Flüchtlingen auf Chios schon seit Jahren hilft. «Dann sind es eben jetzt nicht minus fünf Grad, sondern plus fünf Grad - das macht die Sache auch nicht besser.»

Die Situation im Lager «Souda» sei einfach nur höchst deprimierend für die Menschen, berichtet Tanainis. «Mich erreichen Anrufe von Flüchtlingen, die krank sind oder die sagen: Wir frieren, wir haben keinen Strom, kein Wasser, kein Licht.» So geht es zwar derzeit auch anderen Menschen in Griechenland, aber sie haben wenigstens Aussicht auf Besserung, sobald das Wetter wieder etwas besser wird.

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