07.12.2017 - 13:27, dpa

Erdbeben-Opfer in Nepal: Hoffnungslos in historische Wahlen

 

0 Bewertungen


Nepal leidet weiter unter den Folgen des Erdbebens von 2015, bei dem 9000 Menschen starben. Nun wird in dem Land, dessen Staatsform gerade umgekrempelt wird, gewählt.

Bluewin App: Neu mit E-Mail

E-Mail & News: Die ganze Welt von Bluewin gibt's jetzt für unterwegs.

Optimismus macht sich in Nepal nicht breit. Zu lange werden den Überlebenden schon leere Versprechen gemacht. Nepal macht gerade grosse Veränderungen durch. Nach dem Ende der Monarchie ist der Himalaya-Staat nun eine Republik, seit zwei Jahren mit einer entsprechenden Verfassung.

Das Land wurde in sieben Bundesstaaten aufgeteilt, die so neu sind, dass sie noch nicht einmal Namen haben, sondern durchnummeriert sind. Die dazugehörigen Parlamente werden nun gewählt, ebenso wie das nationale. Die zweite und letzte Runde der Wahlen findet an diesem Donnerstag statt.

Viele der Überlebenden des schlimmen Erdbebens vom April 2015, als 9000 Menschen ums Leben kamen, versprechen sich davon allerdings keine bedeutenden Verbesserungen. Nach zweieinhalb Jahren sind erst rund 73'000 der mehr als einer halben Million eingestürzten Häuser wiederaufgebaut worden. Hunderttausende Menschen leben noch immer in Notunterkünften. Den dritten Winter verbringen sie nun dort.

Nepal zwei Jahre danach: Der Wiederaufbau

  • Nepal 01
  • Nepal 02
  • Nepal 05
  • Nepal 03

Viele Versprechen

Kandidaten seien gekommen und hätten Versprechen gemacht, erzählt Manik Shakya in Bungamati, einem kleinen Vorort der Hauptstadt Kathmandu. «Sie wollen nur unsere Stimmen», sagt der 41-Jährige. «Wir vertrauen ihnen nicht.» An der Fassade seines Hauses hängt ein grosses Wahlplakat der Maoisten - der Partei der Rebellen, die bis 2006 in einem zehnjährigen Bürgerkrieg gegen die Regierung kämpften. Das Plakat hätten andere aufgehängt, sagt Shakya achselzuckend.

Er, seine Frau und die zwei Kinder wohnen seit dem Erdbeben nicht mehr in dem Haus, sondern teilen sich nebenan eine Wellblechhütte mit Matratze. Im Winter zieht kalte Luft herein, in der Regenzeit wird es nass. In dem, was von dem Haus übrig geblieben ist, leben Shakyas Eltern. Die oberen zwei Stockwerke wurden bei dem Beben zerstört.

Im Erdgeschoss verkauft Shakya sein Kunsthandwerk. Da seit dem Beben kaum noch Touristen kommen, läuft das Geschäft schlecht. Das Dorf ist für das Kunsthandwerk bekannt, ebenso wie für seine alten buddhistischen und hinduistischen Tempel, von denen nun die wenigsten noch stehen. An ihrer Stelle liegen Haufen von Ziegelsteinen - für den Wiederaufbau bestimmt, der immer noch nicht vorankommt.

Schuld daran seien vor allem eine ausufernde Bürokratie und politisches Geschachere an der Spitze der Nationalen Wiederaufbaubehörde NRA, erklärt Subhash Ghimire, Chefredakteur der englischsprachigen Tageszeitung «Republica». Eine moderne Bauordnung stehe im Konflikt mit traditionellen Bauweisen.

Von rund 3000 US-Dollar staatlicher Unterstützung haben die meisten Opfer bislang nur die ersten 500 Dollar bekommen, wenn überhaupt - und das reicht nicht für den Wiederaufbau eines Hauses. «Wie wir berichtet haben, verlangten Ingenieure der NRA von den Menschen Schmiergeld, um die Genehmigungen für die zweite und dritte Rate zu erteilen», erzählt Ghimire.

Ein enges Rennen

Trotz aller Veränderungen wird bei den Wahlen wieder ein enges Rennen zwischen der sozialdemokratischen Kongresspartei von Premierminister Sher Bahadur Deuba und einem maoistisch-kommunistischen Bündnis erwartet. Seit dem Ende des Bürgerkriegs wechseln sie sich in kurzlebigen, kleinteiligen Koalitionsregierungen immer wieder an der Macht ab.

In Bungamati baut Rakesh Bada von seinen Ersparnissen ein einstöckiges Haus, in dem seine Mutter leben soll und er selbst ein Tattoo-Studio betreiben will. Hier stand früher das dreigeschossige Lehmhaus der Familie. Am Tag des Erdbebens rettete sich Bada mit einem Sprung aus dem Fenster. Seitdem lebt der 29 Jahre alte Maler und Tätowierer in einer Blechhütte. Die Urkunde seines Grossvaters über den Besitz des Hauses sei verloren gegangen, deshalb bekomme die Familie keine staatliche Hilfe für den Wiederaufbau.

Dies sei nicht Europa, wo sich die Politiker an ihre Versprechen hielten und die Dinge funktionierten, meint Bada, auf die Wahlen angesprochen. In Nepal gebe es ein Sprichwort: «Sei zuversichtlich, aber verlasse dich nicht auf die Versprechen anderer.»

Bilder des Tages

  • Das Ding in der Steppe
  • Jetzt aber wieder nach oben mit dir
  • Diebische Hängepartie
  • Sternschnuppen im Anflug

Weitere Artikel

Anzeige
Bitte aktivieren Sie Javascript für die beste Browserfunktionalität